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Bienensterben? : Volk der Bienen, quo vadis?

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Gift in der Nahrungskette

Allerdings kann von Friede, Freude und Honigkuchen in der Bienenforscher-Imker-Community angesichts von Entwarnung und Identifikation des Hauptfeindes keine Rede sein. Die Führungsetage des Deutschen Berufsimkerbundes hat für die Bienenforscher und ihre Ergebnisse nichts als Sarkasmus übrig: "Wir sind die Praktiker, wir sehen doch, dass unsere Bienen sterben, und es ist ganz klar, dass die systemischen Pflanzenschutzmittel daran schuld sind", sagt Präsident Manfred Hederer. Auch die Naturschutzorganisationen Nabu und Bund reagieren mit harscher Kritik. Von "schlechter Wissenschaft" spricht Nabu-Vizepräsident Christian Unselt, und auf der Website seiner Organisation steht in fetten Lettern zu lesen: "Pestizide sind im Wesentlichen für das Bienensterben verantwortlich.

Die Analysen des Bienenmonitorings haben allerdings Folgendes ergeben: In Proben fermentierter Pollen aus den Bienenstöcken fanden sich zwar Rückstände zahlreicher Pflanzenschutzmittel. Doch egal ob Völker nun unbelasteten oder belasteten Pollen eingelagert hatten, die Wahrscheinlichkeit, den Winter zu überleben, veränderte das nicht. Imker Hederer ist dennoch sicher, dass das Projekt, das anfangs zur Hälfte von den Herstellern der Pestizide finanziert wurde, "gar nichts finden sollte" und die Methoden und Analyselabors entsprechend ausgewählt wurden.

Tatsächlich haben Pflanzenschutzmittel schon manche Biene das Leben gekostet. Trauriger Höhepunkt war bisher das massenhafte Bienensterben im badischen Rheintal im Frühjahr 2008, das sehr schnell und zweifelsfrei auf den Bayer-Wirkstoff Clothianidin zurückgeführt werden konnte. Man hatte damit Mais-Saatgut stark behandelt, um einem Befall durch den Maiswurzelbohrer vorzubeugen, und das Gift war in die Nahrungskette der Bienen gelangt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit lässt seither die Zulassung des unter dem Handelsnamen Poncho vertriebenen Mittels ruhen.

Wie kam das Thema Bienensterben in die Welt?

Pestizide seien durchaus ein Problem, sagt Elke Genersch, das zeigten solche Unfälle wie der im Rheintal. Als Reaktion auf die Imker-Kritik hat die Arbeitsgemeinschaft der Bieneninstitute nun eine Erklärung veröffentlicht, in der es heißt, die "kombinatorische sowie chronische Wirkung der Substanzen auf Bienenvölker" müsse in Zukunft verstärkt untersucht werden. Das gehe aber schlecht im Rahmen eines Monitorings, sagt Rosenkranz, sondern eher mittels zusätzlicher Experimente.

Ob die Berufsimker-Funktionäre dieses Friedensangebot akzeptieren, ist noch unklar. Der Präsident des Deutschen Imkerbundes, der Hobby- und Nebenerwerbsimker repräsentiert und damit immerhin 97 Prozent der Bienenhalter in Deutschland, hat in Berlin den Instituten aber sein Vertrauen ausgesprochen. Auch hatten gerade kleinere Imker in der Vergangenheit immer wieder Zweifel am vermeintlichen Bienentod angemeldet. So waren Kommentare wie "Bienensterben 2010 - unsere Völker leben noch" auf den Websites von Imkereien keine Seltenheit, auch wenn Einzelne große Verluste zu verschmerzen hatten.

Entscheidet man sich, den in einem Fachjournal veröffentlichten und damit unabhängig begutachteten Daten des Bienenmonitorings zu glauben, stellt sich natürlich vor allem eine Frage: Wie kam die Geschichte vom Sterben deutscher Bienenvölker in die Welt, und wie konnte sie sich so hartnäckig halten? Zu den Antworten gehört unter anderen, dass nicht nur Ernährungstrends gerne aus Amerika übernommen werden, sondern auch Katastrophenszenarien, etwa ein mysteriöses Verschwinden der wichtigsten Bestäuber. Dabei wird großzügig übersehen, dass die Bienenhaltung in den Vereinigten Staaten der in Deutschland ebenso wenig ähnelt wie sich die Krankenversicherungssysteme der beiden Nationen gleichen.

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