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Im Porträt: Axel Dahm : Der Sprudelmann

  • -Aktualisiert am

Alles drin: Calcium, Magnesium, Hydrocarbonat. Axel Dahm bei einer Verkostung Bild: Kai Nedden

Erst wollte er Philosophieprofessor werden, dann handelte der Gerolsteiner-Chef mit Schnaps, Wodka und Zigaretten. Und jetzt preist er die gesunde Kraft von frischem Mineralwasser.

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          Erst mal einen kräftigen Schluck Wasser. Das Spritzige. Im Klostergarten, den Axel Dahm als Treffpunkt vorgeschlagen hat, brennt am frühen Morgen schon die Sonne. Der Manager entledigt sich der Anzugjacke und ordert erst mal Wasser: „Ein Gerolsteiner, bitte.“ Natürlich. Schneller noch, als die Kellnerin die Flasche - „Gourmetgebinde“ sagt Dahm dazu - auf den Tisch stellt, legt der Sprudelabfüller aus der Eifel los. Über die Mineralien als solche spricht er. Über Calcium, Magnesium, Hydrocarbonat im Besonderen. Und über deren wohltuende Wirkung für Knochen, Muskeln, Stoffwechsel. Auch der Säure-Basen-Haushalt wird gestreift: „Sie tun Ihrem Körper etwas Gutes.“

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gewiss, jeder Unternehmer muss sich für sein Produkt begeistern (und seien es Nockenwellen oder sonstiges Gerümpel). Der Gerolsteiner-Chef aber, ein Endvierziger mit Raspelhaaren, badet geradezu in seinem Element: Axel Dahm und die drei tollen Mineralien - ein grandioser Vortrag, die Zunge des Zuhörers lechzt nach perlendem Wasser. Wer weiß, dass der Mann in einem früheren Leben, als Berentzen-Chef, Wodka und Apfelkorn gepriesen hat, der ahnt jedenfalls, wie sehr die Volksgesundheit gewinnt von seinem Wechsel in die Sprudelbranche: „In Amerika haben wir Fans, weil uns die Hausärzte empfehlen“, tönt Dahm, der Marketing-Profi, der redet, als sei er im Mineralwasserbecken zur Welt gekommen.

          Gut zwei Jahren wirbelt der Manager nun in Gerolstein, lange genug, um sich die geologischen Besonderheiten der Eifel anzueignen: „Vor 300 Millionen Jahren lag Gerolstein am Äquator, seit 50 Millionen Jahren kam der Vulkanismus dazu, und seit 10.000 Jahren sind die Vulkane erloschen.“ Das Gestein sei jetzt gerade so weit abgekühlt, dass die Kohlensäure im frischen Mineralwasser perlt und zischt. Ein Chemiker würde dies wahrscheinlich anders formulieren. Sicher ist nur eines, führt Dahm aus: „Die geologischen Voraussetzungen in der Vulkaneifel sind einzigartig.“ Höchstens ein Kaff irgendwo weit hinten in den Karpaten sei von der Natur ähnlich begünstigt.

          Direkt in die Flasche, nicht in Fässer: Das Wasser von Gerolsteiner

          Das Mineralwassergeschäft ist komplett umgekippt

          Das Gute an seinem Rohstoff: Er versiegt nie (im Gegensatz zu Öl etwa), vorausgesetzt der Klimawandel lässt die Eifel nicht verdorren. Das Regenwasser, das dort versickert, sprudelt Jahrzehnte später als Mineralwasser aus der Quelle: „Was wir heute trinken, hat es vor 50 bis 100 Jahren aus den Wolken geregnet.“ Der Nachteil von Dahms Produkt, im Gegensatz zu Schnaps etwa, besteht nun darin, dass der Wassertrinker es nicht so hat mit der Markentreue. Den Unterschied zwischen Himbeerlikör und Apfelkorn merkt jeder halbwegs Nüchterne. Ungleich schwieriger ist der Test: San Pellegrino oder Gerolsteiner? Oder doch die namenlose Plörre? Das erfordert hohe Kennerschaft. Der gewöhnliche Kunde aber, der dumme Tropf, glaubt: Wasser ist Wasser. Das ärgert Dahm. Und so „preissensitiv“ (vulgo: geizig), wie die Leute nun mal seien, zapfen sie ihr Getränk direkt aus dem Wasserhahn oder holen sich die Plastikflaschen vom Discounter: Warum für Gerolsteiner das Fünffache bezahlen? Schließlich gibt es Experten genug, die sagen: Eh alles Schmu mit der Gesundheit im Wasser, bezahlt wird nur der Name. Das ärgert Dahm noch mehr. Blöd nur, dass die wohltuende Wirkung seines Wassers nicht mit bloßer Zunge zu spüren ist: „Bei 80 Prozent aller Wässer ist der Qualitätsunterschied nicht zu schmecken.“

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