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: Die Glücksindustrie

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Der Superstar der Glücksindustrie heißt Tal Ben-Sharhar. Einige Jahre lang lehrte er die "Wissenschaft des Glücks" an der Harvard-Universität. Zum Kurs schrieben sich zuletzt 850 Studenten ein und machten ihn damit zum Bestbesuchten der Elite-Hochschule.

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          Der Superstar der Glücksindustrie heißt Tal Ben-Sharhar. Einige Jahre lang lehrte er die "Wissenschaft des Glücks" an der Harvard-Universität. Zum Kurs schrieben sich zuletzt 850 Studenten ein und machten ihn damit zum Bestbesuchten der Elite-Hochschule.

          Inzwischen werde der humorvolle, ernste Redner in der ganzen Welt von Unternehmen und Universitäten gebucht, verrät seine New Yorker Agentur "Speaking Matters". Sein Buch "Happier" brachte es auf die "New York Times"-Bestseller-Liste und wurde in 21 Sprachen übersetzt. Der Riemann-Verlag allein verkaufte mehr als 10 000 Exemplare der deutschen Ausgabe in einem mit Glücksbüchern gutgefüllten Markt. Die Suche nach Glück liegt im Trend und spiegelt sich in den Bestsellerlisten. Der deutsche Erfolgsautor heißt Stefan Klein, ein renommierter Wissenschaftsautor. Zwei Bücher über Glück hat er geschrieben, beide Verkaufsschlager. "Die Glücksformel" habe sich mit festem Umschlag 185 000 Mal und als Taschenbuch 210 000 Mal verkauft, meldet der Rowohlt-Verlag. Das Taschenbuch "Glücklicher leben" fand noch 80 000 Käufer. Und selbst der Dauerbrenner dieses Sachbuch-Genres findet sich noch unter den hundert meistverkauften Büchern bei Amazon: die "Anleitung zum Unglücklichsein" von Paul Watzlawick. 2,15 Millionen Bücher hat der Piper-Verlag davon in den vergangenen 26 Jahren verkauft.

          Ben-Sharhar, Klein und Watzlawick verbindet, dass sie wissenschaftliche Erkenntnisse in eine populäre Sprache übersetzen. Ihre Rezepte sind wissenschaftlich abgesichert. Das bringt ihnen Wettbewerbsvorteile gegenüber den klassischen Mutmachbüchern der Schreiber aus der Coaching- und Selbsterfahrungsseminar-Szene. Die Wissenschaft dringt in eine Branche vor, in der lange ohne empirische Fundierung viel verdient wurde. Dort sind Sinnsucher-Seminare schon lange im Programm, jetzt werden sie häufiger Glücksseminare genannt.

          Der Aufsteiger im Glücksgeschäft ist der Kabarettist und Mediziner Eckart von Hirschhausen. Seine Tournee "Glücksbringer" ist fast komplett ausgebucht. Sein Programm bezeichnet er als eine Art Massentherapie, die als Spaßveranstaltung getarnt ist. Tatsächlich mache sie zumindest beste Laune und sei "wirksamer als fünf Meter Selbsthilfebücher", verspricht Hirschhausen. wvp.

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