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: Der Silberschmied

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Thomas Sabo ist cool. Sagt Thomas Sabo. Und da der Mann nicht doof und außerdem zurückhaltend, ja für einen Multimillionär geradezu scheu ist, redet er nicht von sich selbst, sondern von der Marke - seiner Marke - gleichen Namens.

          Von Bettina Weiguny

          Thomas Sabo ist cool. Sagt Thomas Sabo. Und da der Mann nicht doof und außerdem zurückhaltend, ja für einen Multimillionär geradezu scheu ist, redet er nicht von sich selbst, sondern von der Marke - seiner Marke - gleichen Namens. Die nämlich, und darauf besteht er, sei "einfach cool, down to earth, das merken die Leute, das mögen sie".

          Ganz falsch kann das nicht sein, das mit dem Mögen: Jedenfalls kaufen die Leute wie verrückt Ringe, Ketten, Anhänger von ihm, dem Marktführer für modischen Silberschmuck in Deutschland. Alles Stücke aus echtem Sterling-Silber, mittlere Preise, modische Steine.

          Der geschwungene Schriftzug "Thomas Sabo" - sein Markenzeichen - findet sich heute in jeder Fußgängerzone; in eigenen Läden und in Hunderten Shop-in-shop genannten Ecken in den besseren Kaufhäusern der Stadt. Als Person tritt Sabo kaum in Erscheinung, der Mensch hinter der Marke muss zu Interview und Fototermin fast genötigt werden, was in der Mode- und Schmuckindustrie nur deswegen nicht weiter auffällt, da bisweilen überhaupt keine echten Menschen hinter den Marken stecken: Es gibt weder einen Herrn namens S'Oliver, noch Tom Tailor, eine Frau Escada (das war ein Pferd) oder eine Miss Sixty. Silberschmuck ist traditionell eine No-name-Industrie, die Ketten und Ringe aus der Christ-Filiale verbindet man nicht mit bestimmten Schmuckdesignern.

          Aber Thomas Sabo, also die Person, existiert, auch wenn ihm nichts daran liegt, sich aufzuplustern. Er trägt weder Klunker an den Fingern, noch Ketten um den Hals. Nicht mal ein klitzekleiner Ohrring ist zu entdecken.

          Nein, Thomas Sabo gefällt sich in seiner Rolle als der Rocker unter den Schmuckdesignern: Schnauzbart, blonde Mähne, schwarze Ledermontur und mächtige schwarze Cowboy-Stiefel. Die Locken färben sich allmählich grau, ansonsten hat er an dem Outfit seit Anfang der achtziger Jahren nichts verändert. Warum auch?

          Früher wollte der Rebell sich den modischen Zwängen nicht beugen, heute hat er es nicht mehr nötig, sich anzupassen. Wer will schon anstinken gegen einen Mann, der aus dem Nichts so viel Geld verdient hat, dass er über die Bankenbengels spotten kann, ein Mann, der weder Aktionären noch Aufsichtsrat Rechenschaft schuldet. Ein Unternehmer, der, wenn er Lust hat, sich den Eishockey-Club in seiner Heimatstadt Nürnberg zulegt, den chronisch klammen Fußballclub dort mitfinanziert und der seit neuestem auch noch Mercedes-Rennwagen mit dem Thomas-Sabo-Schriftzug über die Pisten jagt, besser: jagen lässt. Nico Rosberg, den jungen Formel-1-Helden unterstützt er auch, dafür hilft der ihm mit seinem Namen im Schmuckgeschäft.

          Keine Frage, Selfmade-Typen dieses Kalibers schert wenig bis gar nicht, was andere von ihnen halten. Thomas Sabo vertraut seit 30 Jahren nur dem eigenen Kopf, dem eigenen Herzen.

          1961 im Nürnberger Umland geboren, kämpft er sich mehr schlecht als recht durch die Schule. Über den zweiten Bildungsweg bringt er es zum Feinmechaniker. Mit der Gesellenprüfung endet sodann sein Angestelltendasein gleich wieder.

          Mit 20 Jahren bricht er auf nach Asien, "zum Überwintern", wie er erzählt; mittellos, aber voller Träume, beseelt von der Idee, fortan als eigener Herr sein Geld zu verdienen - am liebsten mit Silberschmuck.

          Wochenlang streift er in Thailand von Markt zu Markt, von Händler zu Händler und packt in seinen Rucksack, was ihm gefällt - bis sein Geldbeutel keinen Pfennig mehr herausrückt: "Da habe ich meine teure Canon-Kamera in Nordthailand gegen ein paar Schmuckstücke getauscht."

          Zurück zu Hause, in Lauf an der Pegnitz, stellt er aus den Fundstücken seine erste Kollektion zusammen und gründet 1984 die Thomas Sabo GmbH. Auf der Suche nach Kundschaft fährt der Franke die einschlägigen Messen in ganz Europa ab; als Pionier des Fachs, der erste, der Silberschmuck unter dem eigenen Namen anbietet - lange vor Jette Joop.

          Ob nun Wunder, Zufall oder Laune des Zeitgeists - gleich die erste Kollektion ist ausverkauft, immer mehr Nachschub aus Asien muss her. Schnell wird klar: Allein Fundstücke aus Fernost, mühsam zusammengeklaubt und im Rucksack importiert, können die Nachfrage in Europa nicht decken.

          Sabo, bis dahin nur Zwischenhändler, entschließt sich zu eigenen Kreationen, engagiert dazu die Frankfurter Designerin Susanne Kölbli als Kreativchefin. Sie fertigen 925er-Silberschmuck, handgefasst mit Zirkonia-Steinen, die fast so schön glitzern wie Diamanten.

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