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: Afrika - die Geschichte eines großen Erfolges

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Als ich vor zehn Jahren als Korrespondent für die F.A.Z. nach Afrika kam, war ich felsenfest davon überzeugt, dass keinem Afrikaner so etwas Abstraktes wie ein Bausparvertrag zu verkaufen sei, weil er ja angeblich nur von Tag zu Tag lebt.

          Als ich vor zehn Jahren als Korrespondent für die F.A.Z. nach Afrika kam, war ich felsenfest davon überzeugt, dass keinem Afrikaner so etwas Abstraktes wie ein Bausparvertrag zu verkaufen sei, weil er ja angeblich nur von Tag zu Tag lebt.

          Diesen Unfug hat mir mein Freund Oliver Meisenberg ausgetrieben, als er quasi aus dem Nichts in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa eine Bank für Mikrokredite und Spareinlagen gründete. Um es kurz zu machen: Die Bank wurde von ihrer Kundschaft regelrecht überrannt. Sie wuchs im Wochenschritt, und Meisenberg konnte noch so viele neue Schalter eröffnen und mehr Personal einstellen, es waren immer zu wenig, weil jeder "Kinois" dort ein Konto eröffnen wollte. Und das Verblüffende daran war, dass die Kreditausfälle der Sparkasse weit unter denen lagen, die in Europa als tragbar gelten.

          Ich habe in dieser Bank Kongolesen kennengelernt, die mit ihren Kleinkrediten Fisch importierten oder gebrauchte Kleidung, die anschließend auf dem Zentralmarkt von Kinshasa verkauft wurde, und die in der Lage waren, einen Kredit über 500 Dollar mit extrem hohen Zinsen innerhalb von vier Wochen zurückzuzahlen. Das waren samt und sonders Kleinunternehmer, die nur eine Erstfinanzierung benötigten. Anschließend konnten sie ihre Investitionen selbst bezahlen.

          Das Projekt war so erfolgreich, dass Oliver Meisenberg irgendwann Kreditkarten einführte, weil seine Kunden danach verlangten. Seither gibt es in Kinshasa Geldautomaten, an denen mit einer Visa-Kreditkarte wahlweise Francs congolais oder amerikanische Dollar abgehoben werden können.

          Die Geschichte aus Kinshasa ist nur eine von vielen positiven Veränderungen, die ich in einem Jahrzehnt in Afrika gesehen habe. Überall, wo ich heute hinkomme, sieht es anders aus als noch vor zehn Jahren, und meistens besser. Dieser Artikel zum Beispiel wurde in Khartum geschrieben, der Hauptstadt Sudans, deren Präsident Omar al Bashir wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit steckbrieflich gesucht wird. Aus der europäischen Perspektive mutet Sudan vermutlich an wie finsterstes Mittelalter. Doch wenn ich aus dem Fenster meines Hotelzimmers schaue, sehe ich futuristische Hochhäuser, die es vor zehn Jahren noch nicht gab, und ich sehe eine neue Brücke über den Nil. Ich sehe perfekt geteerte Straßen, zahllose Internetcafés und Modeboutiquen mit Namen wie "Le Monde" oder "Pour Madame". Das sind Hochpreisläden, und die leben nicht nur von der politischen Elite, die sich am Staatseigentum gütlich tut. Sie leben vielmehr von einer neuen Mittelklasse, die Handel treibt, weil die vielerorts reparierten Straßen dies zulassen und weil es kaum noch kriegerische Ausein- andersetzungen gibt, die Geschäfte unterbinden. Und überall auf dem Kontinent umwerben die Dienstleister, allen voran die Banken, diese neue Kundschaft.

          Als ich vor zehn Jahren den wunderschönen Auftrag erhielt, so viel und so häufig wie möglich durch Afrika zu reisen, kam ich mir stets vor wie ein Geldbote. Die Handvoll Banken an meinem damaligen Wohnort Abidjan im westafrikanischen Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) waren unzuverlässig, Kreditkarten ein in diesen Breiten weitgehend unbekanntes Phänomen, und folglich verlangte jeder nach Cash.

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