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Überfälle auf Juweliere : Brutal und ferngesteuert

Nur wenige Minuten dauern die „Blitzüberfälle“ in Juweliergeschäften - doch sie hinterlassen große Schäden. Bild: ullstein bild

Lange galt Juwelenraub als Kavaliersdelikt, das man aus dem Kino kannte. Seit beinahe wöchentlich Juweliere überfallen werden, hat sich das geändert.

          6 Min.

          Zlatko* ist so groß wie ein Schrank und hat Hände mit der Spannweite einer Bratpfanne. Er wirkt ein bisschen wie der Lennie aus John Steinbecks Roman „Von Mäusen und Menschen“: Wenn er einen Raum betritt, schüchtert er die Menschen ein. Und vermutlich weiß er manchmal nicht, wohin mit seiner Kraft. Bis vor drei Jahren spielte er Basketball, zeitweise sogar in der serbischen Liga. Sonst lief es nicht so gut, zwei Mal blieb er sitzen, verließ die Schule ohne Abschluss. Im Sommer 2013 war er einer von vielen serbischen Jugendlichen: 18 Jahre alt, arbeitslos, ratlos, verführbar. Knapp acht Monate später sitzt er in Raum 003 des Wiesbadener Amtsgerichts und antwortet auf die Frage des Richters, was ihm denn versprochen worden sei, bevor er nach Deutschland kam: „Sie sagten mir, es wird sich lohnen.“

          Anke Schipp
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Juweliergeschäft Epple gibt es seit 1797. Es liegt an der Wilhelmstraße, Wiesbadens Prachtmeile, die sich entlang des Kurparks zieht. Das Geschäft existierte schon, als russische Zaren und Europas Hochadel in der Kurstadt Station machten, und Fjodor Dostojewskij im Casino schräg gegenüber sein Geld verspielte. Doch seit dem 23. Januar 2013, dem Tag, an dem drei Männer in das Geschäft stürmten, ist es, als hätte sich ein Schatten auf die glänzenden Luxusuhren, Colliers und Ringe gelegt, die in den Vitrinen so effektvoll in Szene gesetzt sind. Es war der erste von drei Überfällen, und für die Mitarbeiter ist seitdem nichts mehr so, wie es früher war.

          Ein Juweliergeschäft zu eröffnen ist heute in etwa so, als würde man seinen Lebensmittelpunkt nach Los Angeles South Central verlegen. Mit anderen Worten: extrem gefährlich. Allein im Februar gab es bundesweit vier „Blitzeinbrüche“ in Juweliergeschäften, einer davon am helllichten Tag an der Münchner Maximilianstraße, die als eine der bestbewachten Einkaufsstraßen in Deutschland gilt.

          Die Mannheimer Versicherung, bei der gut die Hälfte der deutschen Juweliere versichert ist, hat hochgerechnet, dass der jährliche Schaden in zweistelliger Millionenhöhe liegt. Nur selten tauchen die Uhren und Schmuckstücke, die ins Ausland transferiert werden, wieder auf. Noch schlimmer aber sind die Folgen für die Betroffenen.

          Gelegentlich bekommen Juweliere zu hören, dass man sich in dieser Branche doch auf Diebstähle einstellen müsste. Schließlich gab es schon immer Trickbetrüger und den Mythos des Juwelendiebs, so elegant und charmant wie Cary Grant in dem Film „Über den Dächern von Nizza“. Nur hat das nichts mit der Realität von heute zu tun. Nichts mit der Unverfrorenheit und Brutalität, mit der seit einigen Jahren die südosteuropäischen Banden vorgehen. Und nichts mit dem Geräusch, das entsteht, wenn ein Vorschlaghammer mit voller Wucht auf eine Glasvitrine geschleudert wird. „Es klingt, als würde jemand schießen“, sagt eine Mitarbeiterin von Juwelier Epple.

          Sie kann nicht mehr sagen, ob sie es war oder eine Kollegin, die an jenem 23. Januar die Ladentür öffnete, als gegen 11.30 Uhr geklingelt wurde. Die Geräusche und Abläufe verschwimmen in der Erinnerung. Schaute sie zuerst auf den Monitor der Überwachungskamera, die den vermeintlichen Kunden vor der Tür zeigte? Sah sie schon da den Schirm, den er dann in die Tür legte, damit die anderen hinter ihm reinschlüpfen können? Brüllten die Männer erst „Down! Down!“ oder richtete einer von ihnen sofort eine Pistole in ihre Richtung?

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