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: "Übelst tolerant"

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Das Lied trägt den Titel "Keine Toleranz" und klingt so: "Was ist bloß passiert, sie werden akzeptiert, es gab Zeiten, da wurden sie mit der Axt halbiert." Die Rede ist von Homosexuellen, und ginge es nach seinem Urheber, dem Rapper ...

          5 Min.

          Von Martin Wittmann

          Das Lied trägt den Titel "Keine Toleranz" und klingt so: "Was ist bloß passiert, sie werden akzeptiert, es gab Zeiten, da wurden sie mit der Axt halbiert." Die Rede ist von Homosexuellen, und ginge es nach seinem Urheber, dem Rapper "G-Hot" oder Gökhan Sensan, wie er bürgerlich heißt, dann hat "so was kein Leben verdient". Vor einigen Tagen wurde der Titel auf dem Videoportal "Youtube" veröffentlicht, entrüstete Reaktionen waren die Folge. Umgehend distanzierte sich die Plattenfirma "Aggro Berlin" von ihrem Zögling: Der Vertrag mit G-Hot sei ohnedies ausgelaufen, eine Zusammenarbeit in Zukunft ausgeschlossen. Mag die Reaktion zunächst verständlich erscheinen, zeigen sich dahinter doch einige Ungereimtheiten. Für gewöhnlich nämlich unterstützt Aggro Berlin Grenzüberschreitungen ähnlicher Art nicht nur, sondern profitiert davon.

          Das Independent-Label Aggro Berlin wurde im Jahr 2001 von Eric Remberg, genannt "Specter", Jens Ihlenfeldt, bekannt als "Spaiche", und Halil Efe in Kreuzberg gegründet. "Mit einem Startkapital, bei dem uns jeder Betriebswirt für Selbstmordkandidaten gehalten hätte", sagt Specter. Bis dato war deutscher Hip-Hop fest in der Hand von Wortakrobaten in Gestalt von Bands wie "Die Fantastischen Vier", "Fettes Brot" und "Freundeskreis". "Hip-Hop war damals als Subkultur in Deutschland komplett verzerrt und nicht mutig genug", sagt Specter, "wir fühlten uns da überhaupt nicht verstanden." Künstler wie das "Rödelheim Hartreim Projekt", die sich am amerikanischen Gangsta-Rap orientierten, konnten nur kurzzeitige Erfolge feiern - in Erinnerung blieb allenfalls, dass der Chef der Combo, Moses P., Stefan Raab mit einem Faustschlag die Nase brach und dass die Rapperin Sabrina Setlur kurzfristig mit Boris Becker befreundet war. Erst mit Aggro Berlin entwickelte sich eine zweite, härtere Gattung des deutschen HipHop, deren aggressive Grundstimmung in den Wohnsilos der Großstädte entstand.

          Fortan machte der Wortwitz dem Vulgären Platz. Die Alben hießen nicht mehr "Außen Top Hits, innen Geschmack", sondern "Carlo, Cokxxx, Nutten". Forderte die Gruppe "Freundeskreis" nur "Eine lingua franca für alle Linken und Einwanderer", trat Fler nun mit Zeilen auf wie: "Das ist Schwarz-Rot-Gold / hart und stolz." Die Fantastischen Vier hatten sich mit einem entspannten "An alle Nixblicker, ich bin der Picknicker" vorgestellt. Bushido hingegen polterte: "Ich mach jetzt mein Solo hart, schreib den Text im Polo-Shirt / Ich mach die Kohle, keiner von euch Homos ist was wert." Auf Konzerten fordern die Fans nicht "Zugabe", sondern wünschen sich von Bushido "Gangbang" oder trällern bei Sido-Auftritten die Melodie vom "Arschficksong".

          Sido und B-Tight waren die ersten von Aggro Berlin betreuten Künstler. Später kamen unter anderen Bushido (der freilich schon 2004 zu Universal wechselte), Fler, Tony D, G-Hot und Kitty Kat hinzu. In den vergangenen sechs Jahren produzierte das Label elf Platten, die es in die deutschen Top Ten schafften. Allein Sidos Album "Maske" verkaufte sich 200 000 Mal. Das Magazin "Rolling Stone" nannte das Werk "das erste deutsche Rap-Album". Vor drei Jahren gewann Sido die Auszeichnung "Comet" des Fernsehsenders "Viva" in der Kategorie "Newcomer National", 2005 den "Bravo Otto".

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