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Trotz des jüngsten Rückschlags : „Kaufen Sie Aktien!“

  • Aktualisiert am

Maximilian Zimmerer ist seit 2012 Finanzvorstand des Allianz-Konzerns. Bild: Marcel Giger / F.A.Z.

Der Allianz-Finanzvorstand traut dem Dax mehr als 10.000 Punkte zu - trotz des jüngsten Rückschlags. Im Interview rät er Anlegern deshalb, am Aktienmarkt zuzuschlagen.

          Herr Zimmerer, Sie müssen eine halbe Billion Euro anlegen, haben Sie einen Tipp für uns Sparer?

          Wenn Sie sich nicht reinknien wollen in die Geldanlage, ist es das Beste, Sie kaufen eine Lebensversicherung von der Allianz - nichts ist einfacher. Zudem haben Sie noch den Versicherungsschutz.

          Schon klar. Aber heißt das: Sparen bleibt fürs Erste trostlos, mit Zinsen nahe am Nullpunkt?

          Der Tiefpunkt liegt hinter uns, den haben wir im Sommer vorigen Jahres gesehen. Ich bin überzeugt, dass wir dieses Jahr einen moderaten Anstieg der Zinsen sehen werden. Da die amerikanische Notenbank angekündigt hat, dass ihre Geldschwemme über den Ankauf von Staatsanleihen allmählich endet, werden die Zinsen anziehen. Es ist nur die Frage, wie schnell.

          Sie haben vor einem Jahr geraten: Nichts wie raus aus Bundesanleihen! Gilt das noch immer?

          Erstens ist festzuhalten: Der Tipp war goldrichtig. Bundesanleihen haben am meisten verloren und sind als Hort der Sicherheit immer noch zu hoch bewertet, der Zins ist zu niedrig. Mein Rat bleibt daher: Verkaufen!

          Wohin aber mit dem Geld? Unternehmensanleihen machen auch keinen Spaß mehr.

          Richtig, das ist nur noch der halbe Spaß: Der Zins für Unternehmensanleihen ist auf einem historischen Tief, zu tief. So richtig sexy ist die Anlage heute nicht mehr.

          Wenn eine exotische Firmenanleihe mehr abwirft, wird’s für Kleinanleger schnell zum Abenteuer.

          Das zum einen, aber es ist schlimmer: Der Zinsabstand dieser High-Yields, der riskanteren Anleihen mit hohen Erträgen, zu Bundesanleihen ist geschrumpft - auch der Bereich ist unattraktiv.

          Das heißt: Der Anlagenotstand behält uns fürs erste im Griff, der Sparer wird langsam enteignet ...

          Die gute Nachricht ist: Die Zinskurve ist wieder steiler geworden. Wenn Sie das Geld längerfristig anlegen, können Sie etwas mehr bekommen. Zweitens haben Sie Alternativen: Kaufen Sie Aktien! Die Dividendenrenditen sind immer noch höher als die Zinsen, die Unternehmen für Anleihen zahlen.

          Ist es für die Börse nicht zu spät, nach all den Rekorden? Diese Woche gingen die Kurse ja sogar schon wieder zurück.

          Nein, auch wenn wir 2013 Kursanstiege von 20 oder 25 Prozent erlebt haben - da geht’s weiter nach oben. Der Dax hat auch bei einem Stand von 10.000 Punkten deutlich Luft nach oben.

          Auch ein Dax 10 000 wäre kein Signal, auszusteigen?ANTWORT:

          Nein, auch dann würde ich weiter auf Aktien setzen. Ich bin nach wie vor optimistisch für die Börse.

          Geht dort alles mit rechten Dingen zu? Die Gewinne der Konzerne steigen weniger stark als deren Aktienkurse: Ist das gesund?

          Wenn die Weltwirtschaft anspringt, wie wir glauben, wird sich das auch in den Zahlen der Unternehmen niederschlagen. Wenn die Kurse jetzt stärker steigen als die Gewinne, dann liegt das daran, dass wir einen Nachholbedarf haben. Natürlich ist ein Teil der Börsenhausse auch dadurch bedingt, dass den Anlegern die Alternativen fehlen - ganz eindeutig. Trotzdem sind Dax-Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 oder 14 immer noch preiswert. Ich glaube nicht, dass wir in der Übertreibungsphase sind.

          Nicht mal ein bisschen?

          Nein. Eindeutig nicht.

          Ein Indiz dafür könnte die Tatsache sein, dass jetzt die Verliereraktien des Vorjahres aufholen - aus Verzweiflung, weil die Leute sonst nichts Günstiges mehr finden.

          Es ist häufig so in einem Bullenmarkt, und in dem befinden wir uns gerade, dass die Verlierer des einen Jahres die Sieger des nächsten Jahres sind - ob das immer gesund ist, wage ich zu bezweifeln. Nur weil eine Aktie in einem Jahr schlecht gelaufen ist, haben Sie noch lange keine Garantie, dass sie im nächsten Jahr aufholt. Ein nachholender Anstieg kann gerechtfertigt sein, wenn die Aktie zu Unrecht stark abgestraft wurde, dass muss aber nicht so sein.

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