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Fragen an zwei Generationen : Fliegen wie Supermann

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Und an Ihren Lehrern?

FM: Meine Lehrer in Amerika waren freundlich, verständnisvoll, tolerant und humorvoll. Die Schweizer und vor allem die österreichischen Nachkriegslehrer (mit Kriegserlebnissen in den Knochen) waren das Gegenteil: Es wurde geschlagen und an den Haaren oder Ohren gezogen. Und nicht weniger schlimm wurde auch seelisch gequält, was ich einfach schrecklich fand.

JM: Bei Lehrern hört für mich der Spaß auf. Die meisten haben kein Verständnis für Schüler. Nicht alle Lehrer sind Biester, manche sind die Güte in Person. Aber ich kann nach fast zwölf Jahren Schule nicht verstehen, wie man Schülern ohne Ende Hausaufgaben, Tests und Klausuren aufladen kann. Jeder Lehrer hält sein Fach für das einzig wichtige, aber wir können nicht 15 wichtigste Fächer haben.

Was hätten Sie als Kind gerne an der Welt geändert?

FM: Ich habe als Kind viel mitbekommen von den weltpolitischen Gesprächen in der Familie und wünschte mir oft mehr Vernunft und weniger Aggression. Anfang der fünfziger Jahre fragte ich meinen Großvater Thomas, ob er einen Krieg zwischen Amerika und Russland für möglich hält. Seine Antwort war sinngemäß: Ich glaube, die beiden Mächte werden sich noch sehr lange Zeit feindlich gegenüberstehen, aber ohne Krieg. Er behielt Recht, die „Wende“ trat erst knapp 40 Jahre später ein - und inzwischen haben wir wieder fast dieselbe Situation wie 1950.

JM: Als kleines Kind habe ich nicht viel über Weltpolitik nachgedacht. Erst als ich älter wurde, wünschte ich mir, dass die Menschen nicht gleich mit Raketen aufeinander losgehen. Die Gewalt in der Welt hat mir unglaublich Angst gemacht.

In wen hätten Sie sich als Kind gerne für einen Tag verwandelt?

FM: In den USA wär ich gern besagter „Superman“ gewesen oder auch „Lone Ranger“, dessen Radiohörspielen ich fast täglich hingebungsvoll lauschte. Es begann immer damit, dass er zu den Klängen der Ouvertüre von Rossinis „Wilhelm Tell“ angeritten kam und Menschen vor Verbrechern rettete, die er in die Flucht schlug, und sich dann wieder zurückzog. Ein stiller Held auf seinem Pferd.

JM: In einen Vogel. Schon in der ersten Klasse wollte ich mir einen Jet-Pack bauen und durch die Lüfte fliegen. Unbeschwert von oben auf alles runterschauen, das wäre genial.

Was hätten Sie als Kind gerne erfunden?

FM: Mein Schweizer Großvater mütterlicherseits erfand Straßenbaumaschinen, mein Großvater väterlicherseits erfand Geschichten. Beide waren für mich große Vorbilder. Ich sah keine Notwendigkeit, selber auch noch etwas zu erfinden.

JM: Ein Mittel gegen Krebs, das ganz sicher funktioniert. Nach mehreren Krebsfällen in meiner Familie habe ich es einfach satt. Ich hoffe auf ein Genie, das so vielen Menschen Leid erspart.

Wer oder was wollten Sie einmal werden?

FM: Mein erster Berufswunsch war, wie mein Vater Musiker zu werden. Als ich dann vor allem bei meinen Großeltern wohnte, sowohl bei meinen Großeltern Thomas und Katia Mann, als auch bei den Eltern meiner Mutter, wollte ich Ingenieur werden, dann Kaufmann und dann schließlich doch wieder Musiker. Nach dem Abitur habe ich dann auch Musik studiert, dann Katholische Theologie und schließlich Psychologie. Dass ich auch einmal Schriftsteller werden würde, habe ich als Kind nicht für möglich gehalten.

JM: Früher wollte ich unbedingt Balletttänzerin werden. Dafür war ich mit elf Jahren sogar zu einer Probewoche an der Hochschule für Musik und Tanz in Zürich. Aber leider konnten sich meine Eltern nie dafür begeistern. Ballett ist immer noch meine Leidenschaft. Es fasziniert mich, etwas so Anstrengendes ganz leicht aussehen zu lassen.

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