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Steffi Graf : Die Ruhe nach dem Ruhm

  • -Aktualisiert am

Ein Paar ohne Skandale: Steffi Graf und ihr Mann Andre Agassi Bild: dpa

Stefanie Graf verlässt ihr Refugium und kehrt 25 Jahre nach ihrem ersten großen Titel nach Paris zurück. Doch aus ihrer zweiten Haut kann sie nicht.

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          Da saß sie also um die Mittagszeit des 7. Juni 1987, keine 24 Stunden nach dem Gewinn des ersten Grand-Slam-Titels ihrer Karriere. Stefanie Graf, weltweit nur Steffi genannt, trug eine weiße Bluse, wirkte ausgeschlafen und unaufgeregt und beantwortete Fragen. Die Siebzehnjährige machte ihre Sache gut, schwärmerische Töne waren ihr allerdings keine zu entlocken. Als jemand fragte, ob sie nicht das Gefühl habe, in einem schönen Traum gelandet zu sein, verneinte sie und versicherte: „Ich weiß genau, dass dies kein Traum ist.“

          Die Szenerie in den Katakomben des Stade Roland Garros am Tag nach dem Frauenfinale der Internationalen Tennismeisterschaften von Frankreich hatte kaum Ähnlichkeit mit der Hysterie und der Atemlosigkeit, die Boris Beckers erster Sieg in Wimbledon knapp zwei Jahre zuvor ausgelöst hatte. Beckers Erfolg war wie ein Meteorit eingeschlagen, Grafs Titel schien die logische Folge einer sichtbaren Entwicklung zu sein; es wurde Sturm vorhergesagt, und der Sturm zog pünktlich auf.

          Keine Träumereien

          Während der ersten fünf Monate des Jahres hatte sie kein einziges Spiel verloren, alle waren sich einig, es sei nur eine Frage der Zeit, wann sie den ersten Grand-Slam-Titel gewinnen, wann sie die Nummer eins des Frauentennis werden würde. Kleine Mädchen träumen von Pferden, größere vielleicht von Rockstars, aber Steffi Graf saß vor 25 Jahren in ihrer adretten, weißen Bluse mitten in der Realität.

          Am Beginn einer großen Karriere: Steffi Graf in Paris 1987
          Am Beginn einer großen Karriere: Steffi Graf in Paris 1987 : Bild: dpa

          Auch diesmal wird sie während der French Open wieder in Paris sein; ein Sponsorentermin steht auf dem Programm. Sie wird ihn sicher auf die gleiche Art erfüllen wie die meisten Termine der jüngeren Vergangenheit - aufmerksam, sorgfältig vorbereitet, professionell. Aber noch immer, nach mehr als einem Vierteljahrhundert im Licht der Öffentlichkeit, wird man ihr vermutlich auch diesmal ansehen, wie sehr es sie anstrengt, das Licht auszuhalten.

          Selbstverständlichkeit wich Unbehagen

          Die Selbstverständlichkeit, mit der sie seinerzeit auf den ersten großen Sieg reagiert hatte, war mit zunehmendem Interesse der Medien grundlegendem Unbehagen gewichen. Im Spiel fühlte sie sich sicher, aufgehoben in ihrer Welt, aber außerhalb der weißen Linien vermisste sie den Respekt vor ihrem Wunsch nach Abstand. Peter Graf, ihr Vater, sagte mal, Tennis sei ein Dschungel; wer sich darin bewege, den müsse man abschirmen, wo es gehe. Sie offenbarte, kaum vier Jahre nach dem ersten Sieg in Paris: „Dieser Ruhm ist wie eine zweite Haut, die ich am liebsten ablegen würde. Ich möchte einfach glücklich sein und ein ganz normales Leben führen. Immer, wenn ich es nicht kann, fühle ich mich unwohl.“

          Deutsches Tennis obenauf: Steffi Graf und Boris Becker bei Wimbledon 1989
          Deutsches Tennis obenauf: Steffi Graf und Boris Becker bei Wimbledon 1989 : Bild: dpa

          In den letzten Jahren ihrer Karriere öffnete sie sich ein wenig, nach dem Ende und seit dem Beginn der Partnerschaft mit Andre Agassi noch ein klein wenig mehr. In den besten Momenten sah es so aus wie an jenem Maitag vor drei Jahren, als sie an der Seite ihres Mannes bei der Einweihung des Dachs über dem Centre Court in Wimbledon spielte. Bei diesem Auftritt verbarg sie nichts. Nicht die Nervosität beim ersten Auftritt an dieser Stelle nach zehn Jahren, auch nicht ihr Glück; sie genoss es, für alle offensichtlich. Es war eine Freude, sie so zu sehen und zu hören, wie sie hinterher schwärmte: „Ich habe so viele Erinnerungen an diesen Ort, und auch heute gab es viele Momente, die ich bestimmt nie vergessen werde.“

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