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: Dauerausstellung der Arten

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Morgens um sechs kommt der Seelöwe auf die Terrasse geschluppt. Nicht elegant, aber routiniert hievt er sich in den ersten Sonnenstrahlen die Treppenstufen aus der Bucht hinauf, springt in den Hotelpool, zieht eine Bahn, stützt sich ...

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          Morgens um sechs kommt der Seelöwe auf die Terrasse geschluppt. Nicht elegant, aber routiniert hievt er sich in den ersten Sonnenstrahlen die Treppenstufen aus der Bucht hinauf, springt in den Hotelpool, zieht eine Bahn, stützt sich auf die am anderen Ende aufgestapelten Liegematten, um einen Blick ins Restaurant zu werfen, zieht noch eine Bahn und robbt sich schließlich an der Bar vorbei auf seinen Lieblingsplatz auf einer Holzbank. Hier wird er die nächsten Stunden damit beschäftigt sein, die perfekte Liegeposition zu suchen und im Halbschlaf leise Knöttergeräusche zu machen.

          Die Tiere auf Galapagos sind zahm nicht so sehr in dem Sinne, dass sie ankommen, um gefüttert oder gestreichelt zu werden. (Man darf sie auch nicht füttern oder streicheln.) Es ist eher so, dass wir ihnen egal sind. Aber sie nutzen gerne die Annehmlichkeiten, die die Nähe menschlicher Zivilisation bringt. Die Seelöwen nehmen sehr selbstverständlich die offenkundig nur für ihr Wohlbefinden geschaffenen zusätzlichen Sonnenbänke in Anspruch: Treppen, Terrassen, Boote. In Puerto Baquerizo Moreno, auf San Cristóbal, haben sie den halben Ort übernommen. Ihre goldglänzenden Körper liegen unter den Bäumen auf dem Dorfplatz, sie besetzen jeweils zu zweit die Holzbänke an der Promenade, erobern Stege und Podeste, drängen sich zu Hunderten am Ufer am Hafen.

          Das ist einerseits ein beeindruckendes, fast surreales Spektakel. Andererseits sind Hunderte Seelöwen nicht ganz so sympathisch wie ein oder zwei, schon vom Geruch her. In Puerto Ayora, dem touristischen Zentrum des Archipels, treten sie zum Glück eher als Einzelgänger auf, als Besucher, wie der morgendliche Benutzer unseres Pools, nicht so sehr als Besitzer.

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          Auch die Meerechsen wirken eigentlich nicht, als ob sie hier zu Hause wären. Sie haben eine entspannte, aber entschieden unbeirrbare Art, sich fortzubewegen, die an Urlauber erinnert, die wissen, dass hinten am Strand eine mit einem Handtuch reservierte Liege auf sie wartet. Im Kreuzgang schlendern sie Mauern und Wege entlang, unterwegs zu ihren bevorzugten Plätzen am Ufer, wo meist schon ein paar Kollegen mit derselben urzeitlichen Erscheinung, der Irokesenfrisur, dem grimmigem Gesichtsausdruck und dem stoischen Gemüt, herumlungern. Gemeinsam lassen sie sich dann stundenlang die Sonne auf die Reifengummihaut brennen.

          Das tun sie nicht nur zum Vergnügen. Sie müssen nach den Tauchgängen im kühlen Wasser ihr Blut wieder auf Temperatur bringen. Die Leguane von Galapagos sind die einzigen Echsen auf der Welt, die sich ihre Nahrung im Wasser suchen. Mit ihrem Schwanz als Antrieb schwimmen sie wie Schlangen im Wasser und tauchen, um Algen auf dem Meeresboden abzugrasen.

          Irgend so ein Alleinstellungsmerkmal haben sie fast alle, die Bewohner dieser Inseln, auf denen sich das Leben, tausend Kilometer vor der südamerikanischen Küste, isoliert vom Rest der Welt und ohne Raubtiere entwickelte. Die Kormorane der Insel zum Beispiel sind die einzigen ihrer Art, die das Fliegen verlernt haben, aber unsere offizielle Reiseführerin vom Nationalpark könnte auf diese Tatsache nicht mit mehr Stolz hinweisen, wenn es genau umgekehrt wäre.

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