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: Und ewig lockt das Öl

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Juba. Lolik Lado hadert mit seinem Land. "Manchmal bin ich einfach nur frustriert", sagt der Südsudanese mit dem badischen Akzent und nippt an seiner Cola. Der Softdrink kostet vier Dollar. Das ist noch preiswert im Vergleich zu den sonst üblichen Preisen in Juba, der Hauptstadt Südsudans.

          Von Thomas Scheen

          Juba. Lolik Lado hadert mit seinem Land. "Manchmal bin ich einfach nur frustriert", sagt der Südsudanese mit dem badischen Akzent und nippt an seiner Cola. Der Softdrink kostet vier Dollar. Das ist noch preiswert im Vergleich zu den sonst üblichen Preisen in Juba, der Hauptstadt Südsudans. "Es ist mein Land, aber die Leute sind mir doch fremd geworden", sagt der 45 Jahre alte Bauingenieur. Und ärgert sich über die Dreistigkeit im Geschäftsleben, die hohen Lebenshaltungskosten in Juba und die nicht zu durchschauenden Machtstrukturen in der jüngsten Nation der Welt.

          Am 9. Juli wird die Republik Südsudan offiziell ihre Unabhängigkeit erklären und zum 196. Staat der Welt werden. Dafür haben die überwiegend christlichen Südsudanesen 21 Jahre lang gegen den arabischen Norden gekämpft. Mehr als zwei Millionen Menschen kamen dabei ums Leben. Erst 2005 einigten sich Norden und Süden auf einen Friedensvertrag, der vorsah, im Süden ein Referendum für oder gegen den Verbleib beim Norden abzuhalten. Im vergangenen Januar stimmte Südsudan mit mehr als 90 Prozent für die Abspaltung.

          Juba macht sich fein für den großen Tag. Straßenkehrer mühen sich mit dem vielen Staub, Fahnenmasten werden geschmückt, Regierungsgebäude angestrichen. Auf dem Gelände des Flughafens schaffen schwere Lastwagen Unmengen an Bitumen heran, um zumindest genug Parkplatz für die vielen Maschinen zu schaffen, die am 9. Juli Staats- und Regierungschefs herantransportieren werden. An allen Ecken und Kanten der Stadt wird gebaut, gehämmert und gezimmert. Juba ist die mutmaßlich größte Baustelle des Kontinents - und das neue El Dorado. Wo vor einigen Jahren Eselskarren unterwegs waren, paradieren stark motorisierte Geländewagen. Die Internetverbindungen sind hervorragend, die Netzwerke der Mobilfunkanbieter ebenso. Die Straße nach Uganda wurde geteert. Damit reduziert sich die Reisezeit von Juba nach Kampala von früher zwei Tagen auf rund acht Stunden. Jeden Tag strömen mehr Geschäftsleute und ehemalige Flüchtlinge in die Stadt auf der Suche nach einem Stück des gigantischen Kuchens, den der Wiederaufbau dieser vom Krieg zerstörten Region darstellt. Leute wie Lolik.

          Lolik kam 2007 zum ersten Mal zurück nach Juba, um seine Mutter zu besuchen - 18 Jahre, nachdem er vor dem Krieg geflohen war und in Deutschland sein Glück gefunden hatte. Er hat Ingenieurswissenschaften in Aachen studiert, hatte danach eine Stelle bei einer Firma in Karlsruhe gefunden, die Miniwasserkraftwerke herstellt. Eigentlich wollte Lolik in seiner alten Heimat nur mal "schnuppern". Daraus ist längst ein Daueraufenthalt geworden. Der 45 Jahre alte Südsudanese will sein in Deutschland erlerntes Wissen in den Dienst seiner Heimat stellen. Er will kleine Wasserkraftwerke am Nil entlang bauen, weil es an Strom mangelt in Südsudan. "Ohne Strom keine industrielle Produktion, ohne industrielle Entwicklung kein Fortschritt", formuliert Lolik sein Geschäftsmodell. Dem kann unmöglich widersprochen werden, nur ist es nicht so einfach, wie es klingt.

          "Die könne net schaffe", sagt Lolik über seine Landsleute und meint damit die himmelschreiende Unkenntnis in einem Land, in dem wegen des Krieges kaum jemand eine vernünftige Schulbildung genossen hat. Wenn er in den Verwaltungen der Provinzen und der neu geschaffenen Landkreise vorspricht, hat er mitunter den Eindruck, die verstehen nicht einmal, wovon er spricht, wenn er "Wasserkraft" sagt. Wie Lolik geht es vielen der "Heimgekehrten", die sich nach dem Friedensvertrag aufgemacht hatten, ihrem Land zu helfen. Doch die Rückkehrer sind nicht immer willkommen bei denen, die ausgeharrt haben, weil diese den im Westen Ausgebildeten mit ihrem Know-how und ihrer Effizienz vorwerfen, keine echten Patrioten zu sein. Nebenher haben sie natürlich Sorge, von den besser Qualifizierten aus dem Job gedrängt zu werden. Das lähmt den Wiederaufbau, was schon deshalb tragisch ist, weil es in Südsudan zwar an vielem mangelt, nicht aber an Geld.

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