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: Die vielen Leben der Ingrid Betancourt

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Betancourts Ehemann Lecompte dürfte diese Worte als schrillen Missklang wahrgenommen haben. Aber er musste wie viele andere Familienangehörige von Entführten einsehen, dass sich in der langjährigen Geiselhaft die Persönlichkeit verändert. Die Amerikaner schildern Betancourt ganz anders als der liebevoll um sie bemühte Pérez. Sie sei herrschsüchtig, arrogant und egoistisch gewesen, berichteten sie zur Überraschung der Öffentlichkeit. Sie habe sie bei den Wächtern der Guerrilla als CIA-Agenten angeschwärzt und sie damit in Gefahr gebracht, behaupten die Amerikaner. Außerdem habe sie versucht, bei der Essenszuteilung den Löwenanteil für sich zu ergattern. Als sie nach ihrer Entführung in das gleiche Lager gebracht wurden, in dem Betancourt gefangen gehalten wurde, habe sie sich beschwert, weil das Camp bereits voll sei. Über das Auftreten Betancourts beschwerte sich sogar der Farc-Anführer Raúl Reyes. Entsprechende Bemerkungen sind in den Computern gefunden worden, die nach dem Angriff auf sein Camp in Ecuador vor einem Jahr sichergestellt wurden. Bei dem Angriff kam Reyes ums Leben.

Der Noch-Ehemann Lecompte hatte schon als Mitgründer der - politisch unbedeutenden - Partei "Grüner Sauerstoff" als PR-Mann originelle Slogans für Betancourt konzipiert. Bei fast allen öffentlichen Aktionen, bei denen auf das Geiselschicksal Betancourts aufmerksam gemacht wurde, war er treibende Kraft. Auch er verbreitete die Kunde, dass seine Frau todkrank sei. Er ließ über der Urwaldgegend, in der er sie vermutete, von einem Flugzeug aus 22 000 Fotos von Betancourts beiden Kindern abwerfen, die nicht einmal seine eigenen waren. Sie stammten aus der ersten, 1990 geschiedenen Ehe Betancourts mit dem französischen Diplomaten Fabrice Delloye, der bei illustren Politikern und Staatsmännern immer wieder Druck zu machen versuchte, dass sie sich für die Freilassung seiner früheren Gattin einsetzten.

Beide Ehemänner haben dazu beigetragen, dass der Entführungsfall weltweit publik und Betancourt als Symbolfigur für alle in Kolumbien Entführten wahrgenommen wurde. Wegen der engen Bindungen der Familie nach Frankreich war dabei Paris besonders wichtig. Umso größer war die Enttäuschung Lecomptes, als seine Frau am Befreiungstag keine anerkennenden Worte für seinen Einsatz fand, ihn kühl und formell begrüßte. Als er dann auch noch von ihrer Kumpanei mit dem Mitgefangenen Pérez erfuhr, beschloss Lecompte, auf das Scheidungsbegehren Betancourts mit der Gegenklage zu antworten. Er will wenigstens seine "Würde" wiederhergestellt wissen.

Während Betancourts Ehe in die Brüche ging, ist es der Frau von Eladio Pérez gelungen, das Ehebündnis zu retten. Sie hat ihm den Seitensprung mit Betancourt verziehen. Und Betancourt? Sie ist abgetaucht und schweigt einstweilen. Aber sie schreibt. In einem Buch über ihre Gefangenschaft wird sie ihren Männern ihr Verhalten vielleicht erklären.

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