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Michael Quast : Der Theaterdirektor als Nachbarschaftshelfer

Voller neuer Ideen: Michael Quast. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Gute Freunde stehen zusammen: Mit der Reihe „Brückenkopf Romantik“ wirbt Michael Quast im Frankfurter Cantate-Saal für das geplante Romantikmuseum.

          Wie es Michael Quast knapp drei Wochen nach der ersten Vorstellung der „Fliegenden Volksbühne“ im Frankfurter Cantate-Saal geht, steht bei Goethe. Der lässt seinen Theaterdirektor zu Beginn des „Vorspiels auf dem Theater“ im „Faust“ sagen: „Die Pfosten sind, die Bretter aufgeschlagen, und jedermann erwartet sich ein Fest.“ Nicht weniger als ein Fest erhoffen sich von Quast auch Frankfurts Kulturpolitiker, die dem Schauspieler und Volksbühnen-Prinzipal den leerstehenden Saal am Großen Hirschgraben bis Mai überlassen haben, als Trostpreis auf Zeit und Ersatz für die eigene Bühne in Sachsenhausen, die den Sparbeschlüssen der Stadt zum Opfer fiel.

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nichts weniger als ein Fest will auch Quast, der sich in diesen Wochen mit dem fürs Erste ständigen Spielort vertraut macht. „So langsam kriegt man ein Gefühl dafür, wie toll das hier ist.“ Er entdeckt aber auch einiges, mit dem er nicht gerechnet hat. Die Klimaanlage unter der Bühne zum Beispiel, die den Saal kühlt, indem sie Eiswürfel produziert. Sie springt immer dann an, wenn sie es für nötig hält, lässt sich nicht ausstellen und bringt mit ihrem Brummen die Bretter der Bühne zum Vibrieren.

          Improvisieren an allen Ecken und Enden

          Unter den Produktionen, die Quast auf den Weg gebracht hat, seit er im Frühjahr mit den Planungen für den Aufenthalt seiner Truppe im Cantate-Saal beginnen konnte, sind daher keine Kammermusikabende, an die er ursprünglich auch einmal gedacht hatte. Gleich mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen hingegen unterstützt er das vom nebenan gelegenen Goethehaus geplante Romantikmuseum, aus dessen Finanzierung sich die Stadt ebenfalls zurückziehen musste. Bis Mai macht die Reihe „Brückenkopf Romantik“ auf das Museum aufmerksam, das nun zur Hälfte aus Spenden finanziert werden muss und dessen rührige Sammler so schnell wie möglich die 2 von 8 Millionen Euro aufbringen wollen, die noch fehlen.

          Zusammenstellen konnte Quast die zwölf Aufführungen der Reihe zum Teil aus eigenen Produktionen und dem Repertoire, das Freunde im Programm haben. Das entspricht dem Lebensgefühl am neuen Spielort: „Wir improvisieren an allen Ecken und Enden.“ Für die Romantikveranstaltungen hat er im Untergeschoss des Cantate-Saals eine zweite kleine Bühne eingerichtet, die auch für andere Aufführungen nützlich sein wird, mit einem schnell verlegbaren Boden und achtzig Stühlen, von der Saalbau für je einen Euro gekauft. Bei Bedarf lassen sich auf der schön geschwungenen Fünfziger-Jahre-Treppe auch Sitzkissen auslegen.

          310.000 Euro für die Volksbühne

          Gefördert wird der „Brückenkopf Romantik“ vom Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main. Da sich die Reihe trotzdem nicht ganz selbst trägt, sind Quast Spender herzlich willkommen, auch für einzelne Veranstaltungen - was dem Romantikmuseum recht sein muss, kann seinem Unterstützer nur billig sein. Die ersten Wochen der „Fliegenden Volksbühne“ am neuen Ort seien finanziell gemischt ausgefallen, sagt Quast. „Wirtschaftlich vernünftig wäre es gewesen, erst im Januar zu beginnen“, fügt er hinzu. „Aber ich wollte Flagge zeigen.“ Das auch deshalb, weil er aus der Stadtgesellschaft nach dem Scheitern der Paradieshof-Pläne ähnliche Unterstützung erfahren hat wie das Goethehaus. So erhält er ein „Startkapital“ von der BHF-Bank-Stiftung. Bis es ausgezahlt ist, hat er für Betriebskosten und Vorstellungen (inzwischen sind es allein bis zum Jahresende rund 90) allerdings nur die 60 000 Euro, mit denen die Stadt die „Fliegende Volksbühne“ schon seit geraumer Zeit unterstützt. „Im Augenblick leben wir auf Pump.“

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