https://www.faz.net/-gmg-7lxng

Menschwerdung : Durch die Perle gesprochen

Bild: Staatliche Museen zu Berlin / Stefan Büchner

Wann wurde der Mensch zum Menschen? Eine mögliche Antwort lautet: seit er sich schmückt. Es gibt die verschiedensten Motive, den Körper mit Rarem und Schönem herauszuputzen, aber selten geht es bloß um Dekoration.

          6 Min.

          Richard Burton mag Fehler gehabt haben, Geiz gehörte nicht dazu. Das vom Alkohol befeuerte Beziehungsdrama mit Elizabeth Taylor hielt einst die ganze Welt in Atem, doch die Geschenke des Schauspielers waren so großzügig wie ihre Schwäche für Diamanten legendär. Sie war seine „Cleopatra“ und eine Leinwandkönigin, die Hochkarätiges auch im alltäglichen Leben schätzte.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Niemand wusste das besser als Burton, der sie immerhin zweimal heiratete und unter anderem mit einem Smaragdensemble Stück für Stück beglückte. Als es nach ihrem Tod im Jahr 2011 bei Christie’s versteigert wurde, brachte jedes einzelne Teil mehrere Millionen und damit das Vielfache des Schätzwertes ein. Eine Summe, die sich nicht mehr mit der Größe und der Reinheit der Steine erklären lässt oder mit dem Können des namhaften Juweliers. Es ist seine Geschichte, die den Schmuck von Bulgari nun zu etwas Besonderem macht und den Reiz erhöht, ihn zu besitzen.

          Bilderstrecke
          Bildergalerie : Durch die Perle gesprochen

          Für den Menschen spielten solche Überlegungen schon immer eine Rolle. Glanz mag faszinieren, und Rarität bestimmt den Wert eines Stückes, entscheidend ist in vielen Fällen jedoch die Bedeutung. Schließlich dient Schmuck nicht einfach der eitlen Zier, sondern ist Symbol: für Status, gesellschaftlichen Rang, Amt, Klasse, Persönlichkeit, Geschlecht, Alter, Seelenzustand und Lebenssituation, sei es nun Trauer oder eine Ehe, die etwa mit einem Fingerring betont wird. Selbst über den Tod hinaus, wie das Grab der Pu-abi belegt (siehe „Das von Blättern . . .“).

          Anthropologen können zahlreiche Gründe nennen, warum sich Menschen schmücken, und dass sogar der Neandertaler dazu neigte, davon sind einige Archäologen seit langem überzeugt. „Schmuck dient dazu, eine Botschaft zu vermitteln, damals wie heute“, erklärt Marian Vanhaeren von der Universität in Bordeaux, „und wenn wir die Codes kennen, verstehen wir, was gemeint ist.“

          Es sei eine erste und wichtige Art der Kommunikation, sagt auch Cornelie Holzach vom Schmuckmuseum in Pforzheim. Der Mensch befriedige so seine gegensätzlichen Bedürfnisse von Zugehörigkeit und Individualität, schreibt Holzach in ihrer Einführung zum aufschlussreichen Bildband „25 000 Jahre Schmuck“, der einen Einblick gewährt in die Vitrinen und Schatzkammern der Staatlichen Museen zu Berlin. Dass neben filigranen Goldschmiedearbeiten darin Ketten aus Käfern oder Muschelscherben einen Platz erhalten, liegt in der Natur der Sache.

          Die Menschheit ist so kreativ, wie sie vielfältig ist, und was für eine Gruppe vielleicht nur ästhetischen Wert besitzt, ist für andere eine Kostbarkeit. Holzach nennt als Beispiel den Silberarmreif einer Frau aus Rajasthan. Diese erwirbt und trägt ihn als Vermögensanlage, während er für eine Europäerin vielleicht lediglich Dekor ist. Und da Schmuck nicht nur Informationen über seine Träger vermittelt und als Investition zu verstehen ist, sondern auch rituelle und kultische Aufgaben übernimmt, sind bei Material und Gestaltung kaum Grenzen gesetzt. Selbst Klang und Gerüche haben einen Stellenwert und sollen beachtet werden, während Amulette hingegen eher im Verborgenen bleiben.

          Halbnomaden haben im Gegensatz zu Stadtbewohnern keine Angst vor der Wildnis: Eine junge Samburu mit traditionellem Schmuck.
          Halbnomaden haben im Gegensatz zu Stadtbewohnern keine Angst vor der Wildnis: Eine junge Samburu mit traditionellem Schmuck. : Bild: Foto Birger Meierjohann

          Der moderne Mann verschenkt Schmuck heute zur Geburt eines Kindes, zu Weihnachten, als Liebesbeweis, oder er fühlt sich gar dem Valentinstag am 14. Februar verpflichtet. Tatsächlich nahm Richard Burton all das schon zum Anlass, um Elizabeth Taylor zu bescheren. 1969 wählte er dafür „La Peregrina“, eine tropfenförmige Riesenperle, die im 16. Jahrhundert im Golf von Panama gefunden wurde und lange Zeit zu den spanischen Kronjuwelen gehörte. Mit einer Länge von 25,50 Millimetern wiegt sie mehr als 50 Karat, obwohl durch die Verarbeitung im Laufe der Zeit etwas Perlmutt verlorenging. Umgeben von Rubinen, Diamanten und weiteren Perlen, adelt „La Peregrina“ heute jede Frau, die sie sich mit dem Collier um den Hals legt, das Liz Taylor von Cartier extra anfertigen ließ.

          Topmeldungen

          Prominenz ohne Abstand auf der Ehrentribüne des FC Bayern: unter anderem mit Ehrenpräsident Uli Hoeneß und Präsident Herbert Hainer (rechts daneben)

          Aufregung um FC Bayern : Münchner Eigentor

          Dass die Funktionäre des selbstverliebten FC Bayern ganz offensichtlich gegen das Hygienekonzept der Bundesliga verstoßen und sich so Millionen Menschen präsentieren, ist unfassbar naiv. Oder eine gezielte Provokation?

          Moria : Wie viele Flüchtlinge sollen kommen?

          Mehrere deutsche Städte wollen Flüchtlinge aus Griechenland aufnehmen. Ein Landrat von der CDU warnt deshalb vor einer „Sogwirkung“. Eine SPD-Oberbürgermeisterin hält das für zynisch.