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Kommentar : Schach unterm Korb

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Es gibt beschaulichere Orte, um ein Schachspiel zu beobachten; wie zwei Verteidigungsspezialisten unter gleichen Voraussetzungen ihre Reihen ordnen, sich belauern, aus Niederlagen lernen und immer wieder mit neuen pfiffigen Lösungen aufwarten.

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          VON JÖRG STRATMANNEs gibt beschaulichere Orte, um ein Schachspiel zu beobachten; wie zwei Verteidigungsspezialisten unter gleichen Voraussetzungen ihre Reihen ordnen, sich belauern, aus Niederlagen lernen und immer wieder mit neuen pfiffigen Lösungen aufwarten. Auch auf diese Weise ließe sich die spannende Auseinandersetzung sehen, in der die Opel Skyliners Frankfurt und GHP Bamberg um die deutsche Basketball-Meisterschaft spielen.
          Natürlich wird bei dieser Variante des taktischen Hin und Her mit härtestem Körperkontakt und vor lärmenden Fans gespielt. Es ist gewiß nicht nach jedermanns Geschmack, daß dabei nicht so sehr das spektakuläre schnelle Spiel, sondern die möglichst undurchdringliche Defensive im Vordergrund steht. Eine Art Schachspiel zwischen gewieften Trainern eben, das aber eine andere aufregende Seite dieses Spiels zeigt. Und deshalb steht diese Finalserie zweier Teams, von denen eines an diesem Sonntag (17.15 Uhr im DSF) zum ersten Male Meister wird, dem deutschen Basketball ausgezeichnet zu Gesicht.
          Das Spiel hat es hierzulande in diesem Jahr mit einigen zusätzlichen Gegnern zu tun gehabt. Zwar ist Basketball längst beim jungen Publikum angekommen. Wo früher auf den Straßen gekickt wurde, dribbeln coole Kids die Kugel durch die Beine und werfen sie auf Körbe in Garageneinfahrten. Doch sosehr sich alle Klubs bemühen, neue Freunde zu gewinnen, indem sie in ihren Hallen ein immer professioneller gestyltes Spektakel bieten: Überall war zugleich zu spüren, daß die Etats schrumpfen. Große Sponsoren halten sich zurück. Die neuen Hallen bleiben teuer, das Fernsehen kann sich trotz des spannenden Endes nicht entschließen, sich längerfristig zu binden. Und dort, wo nicht ausgefuchste Kenner des Spielermarktes, sondern reine Geschäftsleute die Durststrecke auszugleichen versuchten, gerieten Vereine in Schwierigkeiten. Hagen mußte sich auf halber Strecke aus der Liga zurückziehen. Und ob dem Mitteldeutschen BC, einem ähnlichen Fall, die Spielberechtigung für die kommende Saison erteilt oder verweigert wird, muß das Schiedsgericht der Liga entscheiden. Es hat sich kürzlich vertagt. Da kann es nur guttun, daß nach insgesamt vierzehn Jahren, in denen nur zwei Klubs die Meisterschaft beherrschten, so oder so ein frischer Wind weht.
          Das werden sie beim gescheiterten Titelverteidiger Alba Berlin, der seinerzeit den siebenmaligen Meister Leverkusen ablöste, natürlich anders sehen. Gerade dort werden sie nach dem Aus gegen Bamberg mit frisch poliertem Ehrgeiz darangehen, den Titel zurückzuerobern. Aber andere Klubs haben gesehen, was selbst in schwierigen Zeiten möglich ist. Pokalsieger Köln ist auf besserem Wege, die Balance zwischen Sport und PR zu finden. In Bonn, dem vierten nur knapp unterlegenen Halbfinalisten, können sie ihrem anhänglichen Publikum bald eine angemessene Halle bieten, die andere schon haben.
          Das alles führt zwar international noch nicht weiter. Und man ist sich längst nicht einig, in welche Richtung der Ball rollen soll. Aber so, wie sie um die Meisterschaft spielen, kommt Basketball an. Darauf ließe sich aufbauen.

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