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Helga Urbans Gartenoase in Frankfurt : Weiß, duftend, Seelenbalsam

Pflanzenmutter: Helga Urban, die in ihrem Garten selten zum Sitzen kommt. Bild: Gilli, Franziska

Helga Urban hat sich in Frankfurt ein Gartenparadies geschaffen. Längst berät sie andere, hält Vorträge, schreibt Bücher. Warum Gärtnern nicht zur therapeutischen Arbeit genutzt wird, ist ihr völlig unverständlich.

          Der Vorgarten lässt schon erahnen, welch grünes Kunstwerk sich hinter dem Zweifamilienhaus im Frankfurter Stadtteil Eschersheim verbirgt. Denn vorne wie hinten folgen die Pflanzen demselben Konzept. Es gibt nur eine Farbe: Weiß. Dass ihr Garten einmal monothematisch und damit außergewöhnlich sein sollte, das haben Klaus und Helga Urban zu einem Zeitpunkt beschlossen, da durften sie nur einen kleinen Grünstreifen zwischen den Garagen und dem Miethaus bewirtschaften, in dem sie seinerzeit wohnten.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mittlerweile haben sie auf rund 200 Quadratmetern ihr grün-weißes Paradies geschaffen, mit mehr als 100 Kamelien, Dutzenden von Rosen und unzähligen anderen Pflanzen, darunter viele Raritäten wie unterschiedliche Arten der Mexikanischen Orange, einen chinesischen Perlstrauch bis hin zu besonderen Sorten der Narzisse. Nur eines vermisst man auf den ersten Blick: Es gibt keine Sitzgruppe, weder auf der Terrasse noch als Freisitz. Bei dem einzigen Stuhl, den man entdecken kann, besteht die Sitzfläche aus Pflanzen, in der Mitte thront ein Stiefmütterchen, selbstverständlich in Weiß.

          „Sitzgelegenheiten?“, fragt Helga Urban und lacht über die Frage, die offenbar nur Pflanzen-Laien stellen können. Wann sollte sie sitzen. Für Besucher gibt es, an die Hauswand gelehnt, eine Bank. Urban braucht die nicht einmal, um ihre Gartenschuhe anzuziehen. Die stehen an der Tür zum Garten so bereit, dass sie jederzeit hineinschlüpfen kann.

          Grüne Oase: Der Garten von Helga Urban in Frankfurt ist ein virtuoses Arrangement aus grünen Pflanzen und weißen Blüten.

          Denn ein Garten, wie die Urbans ihn haben, braucht Pflege. Täglich. Vier bis fünf Stunden verbringt die heute 72 Jahre alte Wahl-Frankfurterin in ihrem Reich, zupft, schneidet, jätet, knipst Verblühtes ab, schaut unter die Blätter, damit sich dort weder Läuse noch sonstiges Ungeziefer breitmacht. Denn bei Urban wird nicht gedüngt und nicht gespritzt. Sie gibt ihren Pflanzen dennoch keinerlei Anlass, dass die sich vernachlässigt fühlen könnten. Ein zweiwöchiger Urlaub sei weder im Frühjahr noch im Sommer denkbar, „vielleicht im November ist so etwas möglich“.

          Urban ist Autodidaktin. Als sie 1985 ihren Garten „trotz des dazugehörigen Hauses“ erwarb, freute sie sich unbändig, endlich das Gärtnern ausprobieren zu können. Rosen wurden gekauft, die zum Einzug geschenkte erste Kamelie ausgepflanzt. Doch bald wurde ihr klar, dass es so einfach nicht ist. „Ich habe so viele Fehler gemacht, gerade auch mit den Kamelien“, sagt sie. Aus ihren Erfahrungen hat Urban nicht nur gelernt, sie hat 2013 gemeinsam mit Thomas Hagen daraus „Das Gartenbuch für Anfänger“ gemacht. Darin beschreibt sie, wie aus ihrem ersten „Hurra“ ein „Hilfe, ich habe einen Garten“ wurde. Vor allem gesteht sie ein, dass die Entscheidung, von nun an zu gärtnern, ihr Leben „mehr verändert hat als jede andere Entscheidung zuvor“.

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