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Grandhotel „Peninsula Paris“ : Palast der République

Im zentralen Restaurant des „Peninsula Paris“ Bild: AP

Anderssein an der Seine: Paris hat schon wieder ein neues Grandhotel bekommen. Die alten mit den großen Namen müssen aufrüsten.

          3 Min.

          Es hat zwei Jahre gedauert, das Hotel „Majestic“ an der Avenue Kléber zu bauen, 1908 war es fertig. Rund hundert Jahre später waren viereinhalb Jahre Arbeit, drei Denkmalbehörden und viele Millionen nötig, um das nach dem Zweiten Weltkrieg als Unesco-Zentrale und später als Konferenzzentrum des Außenministeriums genutzte Gebäude in seiner ursprünglichen Funktion wiederauferstehen zu lassen: Herausgekommen ist das perfekte moderne Grandhotel.

          Barbara Liepert

          Verantwortlich für das Ressort „Reise“ in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit dem Anfang August eröffneten „Peninsula Paris“ gibt die asiatische Hotelgruppe ihr Debüt in Europa. Das Mutterhaus in Hongkong gilt vielen als Nonplusultra in der Luxushotellerie, vom Helikopter-Shuttle auf dem Dach über die Rolls-Royce-Flotte bis zu den Lämpchen, die nachts den Weg ins Bad weisen. Wenn in einer Suite in Paris das Licht (oder der Nagellacktrockner unter dem Schminkspiegel) angeht, wurde das vorher in einem Labor getestet, in dem jedes Detail der Gästezimmer aufgebaut wird: Dort wird erfunden, was übermorgen Standard werden soll.

          Deshalb sind nun in jedem der geräumigen Zimmer rund 2,5 Kilometer Kabel verlegt. Das Spa und die Garage sind unter der Erde versteckt, das Gebäude wurde dazu in ein Korsett gepackt und drei Stockwerke unterhöhlt. Ein Aufwand, der eine Milliarde Gerüchte befeuerte, genauso wie das Heer der besten Restauratoren der Stadt, das hier jahrelang an den Wänden und Säulen klebte. Über 40 000 Blattgoldfolien wurden von Hand aufgetragen, die Restaurierung der Deckengemälde in der kleinen Zigarrenlounge hat zehn Monate gedauert, nur der japanische Whiskey in der Bar ist noch nicht eingetroffen - dafür ist der Geist von Gershwin, der hier „Ein Amerikaner in Paris“ geschrieben hat, noch da.

          Im Kreis der Luxushotels

          Der kleine, feine Kreis der Luxushotels in Paris wird seit einigen Jahren größer, und das bringt vor allem die alten Kästen aus dem Takt. Asiatische Hotelbetreiber und Investoren aus dem Mittleren Osten dominieren den Markt. Das „Royal Monceau“, ein Raffles-Hotel, hat, wie das „Peninsula“, Besitzer aus Qatar; das „Shangri La“ hat im 16. Arrondissement einen Palast bezogen, das „George V“, ein Four-Seasons-Hotel, gehört dem saudischen Prinz al-Walid, das „Plaza Athénée“ hat im vergangenen August nach monatelanger Renovierung wieder eröffnet und gehört dem Sultan von Brunei; das „Mandarin Oriental“ versteckt sich hinter einer modernen Fassade in der Rue Saint Honoré zwischen Armani, Dior und Zimmerli. Da wirkt das „Le Bristol“ mit der deutschen Oetkerfamilie im Rücken ganz exotisch, auch hier wurden jüngst 150 Millionen in die Verschönerung des Hauses investiert.

          Und weil sich die Neuen mit ihren Spa-Bereichen und Michelin-Sternen gegenseitig überbieten, haben alteingesessene Grandhotels dichtgemacht - um sich ordentlich herauszuputzen: das „Ritz“ schon im August vor zwei Jahren, ebenso das „Crillon“ nebenan. Und wenn es stimmt, was Eric Boonstoppel im Dezember beteuert hat, dann wird eines nicht so fernen Tages im einstigen Kaufhaus „La Samaritaine“ an der Seine bald noch ein Hoteltempel entstehen, unter dem Dach des Luxusartikelimperiums LVMH.

          Sehr reiche Gäste sind meist die willkommensten. Sie schmutzen genauso viel wie herkömmliche Touristen, lassen aber viel mehr Geld in der Stadt. Nur: Wer in Paris spektakuläre Preise verlangen möchte, muss Spektakuläres bieten. Am hysterischsten hat das das „Raffles“ getan und Philippe Starck verpflichtet. Der hatte bereits vorher im Geiste Dalís das „Meurice“ eingerichtet (der mal eine Herde Schafe in seine Suite lud). Starck ist wie ein Wilder durch das „Royal Monceau“ marschiert und hat Schönes und auch gar nicht Schönes hineingerümpelt, bis die Türen nicht mehr zugingen. Im verhältnismäßig leeren weißen Spa beruhigt sich das Auge, bei „Clarins My Blend“ kann man sie schließen und die eigene Haut analysieren lassen und dann eine individuelle, à la minute gemischte Creme mit nach Hause nehmen und schauen, ob man bald besser aussieht.

          Stillschweigen über den Kaufpreis

          Die ersten Stimmen werden laut, der Markt am oberen Ende der Hotellerie könnte gesättigt sein, Paris sei nicht London - dort sind die Nächte im Luxushotel noch teurer (kein Wunder, dass Peninsula dort bald das zweite Haus in Europa eröffnen wird). Der Wettbewerb in der Luxushotellerie geht immer mehr ins Detail, das meiste davon kann man klauen: Die Floristen des „Georges V“ fingen an, Blumen schräg anzuschneiden und asymmetrisch in die Vasen zu stellen, wenig später sah man das in Santiago und zuletzt im neuen „Interconti“ in Davos.

          Über den Kaufpreis der Pariser „Peninsula“-Immobilie ist nicht viel zu erfahren, nur, dass die in der französischen Presse kolportierten Beträge, mal 850 Millionen, mal über eine Milliarde Euro, falsch sind. Immerhin lässt sich der Direktor des Pariser Hauses, Nicolas Béliard, Zahlen zu den Renovierungskosten entlocken: zwischen 430 und 450 Millionen waren nötig, damit hier sehr reiche Menschen viel Geld zurücklassen.

          Es gibt eine herrliche Kurzgeschichte von Sébastien Lapaque, „Der Sturm auf den Eiffelturm“, in der ein paar Dichter versuchen, den Eiffelturm in die Luft zu sprengen, diesen „Schrotthaufen“, der nachts blinkt und tagsüber die Aussicht verdirbt. Für Pariser wäre es vermutlich gar nicht so schlimm, wenn er plötzlich nicht mehr da wäre, wie das Brandenburger Tor, man benutzt es nie und übersieht es irgendwann. Aber kein Tourist, vor allem aus Übersee, kommt daran vorbei; auch vom Dach des „Peninsula“ sieht man ihn blinken.

          2018, wenn alle „Palace“-Hotels und die, die eines sein sollten, eröffnet haben, könnte es sein, dass die Preise sinken. Allerdings mit Sicherheit nicht auf Berliner Niveau, sonst könnten sie gleich dichtmachen.

          Peninsula Paris

          Das „Peninsula“ hat 200 Zimmer und Suiten und kostet ab etwa 1000 Euro die Nacht (www.peninsula.com).

          Im „Royal Monceau“ ist das Zimmer ein bisschen günstiger, ins „Clarins My Blend“-Spa kommt man auch als externer Besucher, sonntags ist Brunch, und damit auch die Kleinen vergnügt bleiben, backt der Michelin-Chef währenddessen mit ihnen Pizza, oder ein DJ erklärt sein Tun (www.raffles.com/paris).

          In derselben Gegend sind auch das „Georges V“, das „Plaza Athénée“ und das „Shangri La“; das „Mandarin Oriental“ und das „Le Bristol“ sind in der Rue du Faubourg Saint-Honoré.

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