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Oscar-Moderator MacFarlane : Gegen jede Regel

  • -Aktualisiert am

Seth MacFarlane bei der Oscar-Verleihung Bild: AP/dpa

Mit seinem grobianischen Humor schockierte Moderator Seth MacFarlane bei den Oscars auch deutsche Zuschauer. Doch der Auftritt des bösen Buben hat Methode, berichtet Nina Rehfeld.

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          Charlize Theron fasste sich konsterniert an die Stirn. Auch wie Naomi Watts das Lächeln im Gesicht gefror, sahen Hunderte Millionen in aller Welt am Fernseher. Schon mit seiner Eröffnungsnummer „We Saw Your Boobs“ entsetzte Moderator Seth MacFarlane am vergangenen Sonntag ganz offenbar das Oscar-Publikum im Dolby Theatre in L.A. Zwar war die Einlage ein gutgelauntes Showliedchen - das freilich prominente Schauspielerinnen und die Filme aufzählte, in denen sie mit entblößtem Oberkörper zu sehen waren: Streep, Jolie, Hathaway. Im Falle von Kate Winslet war die Liste etwas länger; Jennifer Lawrence konnte lächelnd-triumphierend die Faust ballen, weil sie bisher noch immer aufgetreten ist, ohne sich zu sehr zu entblößen. Halb Amerika wand sich peinlich berührt bis angewidert im Fernsehsessel, und weltweit wunderte man sich einmal mehr über den seltsamen Humor der Amerikaner.

          Doch genauso war es auch gedacht. Schließlich hatten der übertragende Fernsehsender ABC und die Oscar-Produzenten Neil Meron und Craig Zadan den notorischen bad boy MacFarlane mit einer gewissen Skandallust verpflichtet, um ein junges Publikum zurückzugewinnen. Und wenn man sich der Ansicht anschließt, dass der Moderator, nicht die Filme, das wichtigste Zugpferd für Hollywoods wichtigste Gala sind, dann ist die Rechnung aufgegangen. Der Name des Mannes, den vorher nicht viele kannten, schon gar nicht in Deutschland, ist inzwischen in aller Munde: Das war ja krass! Unter jungen amerikanischen Zuschauern zwischen 18 und 34 legte die Fernsehübertragung der Veranstaltung um 20 Prozent zu.

          Dass übrigens, wie sich herausstellte, sowohl Watts als auch Theron eingeweiht waren und ihre vermeintlichen Reaktionen vorab aufgenommen hatten - aufmerksame Beobachter bemerkten das gleich an der Garderobe der beiden Damen -, unterstreicht den Status, den MacFarlanes grobianischer Humor in den Vereinigten Staaten genießt.

          MacFarlane bricht bereits als Neunjähriger Tabus

          Seit mehr als zehn Jahren schon vermengt MacFarlane in seiner animierten Serie „Family Guy“ Furz-, Brech- und Geschlechtsteilwitze mit gezielten politischen Tabubrüchen; präpubertäre Albernheiten stehen neben vielschichtigen popkulturellen Anspielungen, und MacFarlanes Fans sehen darin sein Genie. Das mag damit zusammenhängen, dass der amerikanische Hang zur öffentlichen Höflichkeit ein bisweilen stickiges Klima der political correctness hervorgebracht hat - ein gewisser Brachialhumor scheint da für viele Amerikaner einen befreienden Reiz zu haben.

          Themen, die in der amerikanischen Öffentlichkeit, wenn überhaupt, mit Seidenhandschuhen angefasst werden - Sex, Religion, Hautfarbe -, kommen hier unter die Räder. In einer Episode von „Family Guy“ sitzen die Hauptfigur, Peter Griffin, und seine Frau Lois auf einer Kreuzfahrt beim Kapitänsdinner, und als der Käpt’n eine schwelgerische Erinnerung an eine Nordlicht-Sichtung schließt, versucht Peter ihn mit einer total unangebrachten Story auszustechen: „Lois und ich fahren also rauf nach Vermont, um eine Abtreibung vornehmen zu lassen, aber der Arzt hat nur einen Arm. Ich sage zu Lois: Du willst von einem Einarmigen eine Abtreibung machen lassen?“ Also dreht das Paar um, fährt nach Hause, und bald darauf wird Tochter Meg geboren.

          Noch ein Hit: Mark Wahlberg und Kumpel in MacFarlanes Film „Ted“
          Noch ein Hit: Mark Wahlberg und Kumpel in MacFarlanes Film „Ted“ : Bild: dapd

          Derlei Tabubrüche übte MacFarlane schon früh. Als Sohn eines Lehrers und einer Schulsekretärin in Connecticut zur Welt gekommen, veröffentlichte er als Neunjähriger einen Comicstrip mit dem Titel „Walter Crouton“ in der Lokalzeitung seines Heimatortes Kent. Bereits damals stieß er sein Publikum vor den Kopf, etwa mit Scherzen über die heilige Kommunion.

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