https://www.faz.net/-gmq-6t7hl

Unter Bankern : Immer Ärger mit dem Zins

  • Aktualisiert am

Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass die fortzeugend immer Böses muss gebären. Wie in Schillers "Wallenstein" ergehe es im Augenblick der Commerzbank, lästern die Banker von der lieben Konkurrenz in Frankfurt derzeit gern beim Mittagessen.

          1 Min.

          Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass die fortzeugend immer Böses muss gebären. Wie in Schillers "Wallenstein" ergehe es im Augenblick der Commerzbank, lästern die Banker von der lieben Konkurrenz in Frankfurt derzeit gern beim Mittagessen. In der Krise hat die Commerzbank einmal Staatsgeld genommen. Jetzt kann sie machen, was sie will, sie liegt immer falsch.

          Nimmt sie niedrige Zinsen von ihren Kunden, fluchen die Politiker, die gerettete Bank mache ihren örtlichen Sparkassen und Volksbanken das Leben schwer. Nimmt sie hingegen hohe Zinsen, wettert die Politik, zum Bürgerabzocken habe man die gelbe Großbank nun wirklich nicht gerettet.

          So geschehen wieder in der vergangenen Woche: Kaum war eine Übersicht über die (zum Teil ja wirklich unverschämt hohen) Zinsen für die Überziehung des Girokontos veröffentlicht, da meldete sich die FDP zu Wort. "Es ist sehr ärgerlich, dass ausgerechnet die Commerzbank, die wir mit staatlichen Mitteln gestützt haben, den Kunden mit die höchsten Zinsen abverlangt", sagte deren verbraucherpolitischer Sprecher, Erik Schweickert. Mit 13,24 Prozent für Dispositionskredite langt die Bank nun wirklich nicht gerade bescheiden zu - wenn man bedenkt, wie wenig Zinsen es derzeit für Erspartes gibt. Die Commerzbank lag damit sogar in der oberen Gruppe.

          Man erinnere sich an den umgekehrten Fall. Er ist noch gar nicht so lange her. Im April gab es Gerüchte, die Commerzbank plane, jedem Neukunden statt 50 bis zu 100 Euro zu zahlen, wenn er ein Girokonto eröffne. Damals erhob sich in der Provinz der Protest. Selbst im idyllischen Weil am Rhein schimpfte der Bürgermeister: Dafür habe man die Bank nun wirklich nicht gerettet, dass sie jetzt mit Steuergeldern den regionalen Instituten die Kunden abjage. Der Vorschlag war vom Tisch, bevor er offiziell verkündet wurde.

          Das Ganze wird besonders grotesk, wenn man bedenkt, dass es sogar eine Auflage der EU-Kommission war, dass die Commerzbank nie bei den Habenzinsen die Beste und bei den Sollzinsen die Mildeste sein darf. Zumindest dort nicht, wo sie einen Marktanteil von mehr als fünf Prozent hat. Was also könnte passieren, wenn die Bank die Dispozinsen deutlich herabsetzen und Neukunden deutlich mehr Geld schenken würde? Sie könnte sogar verklagt werden.

          Topmeldungen

          Bestatter am Limit : „Die schiere Menge macht einen völlig fertig“

          In der Pandemie stapeln sich in vielen Krematorien die Särge. Vor allem im Osten, wo sich besonders viele Menschen mit Corona anstecken, kommen die Bestatter kaum hinterher. Das Virus verändert auch den Umgang mit dem Tod.
          Die Impfung ist nicht die einfache schnelle Lösung in der jetzigen Krise: Impfzentrum in der Festhalle in Frankfurt am Main

          Impfstrategie : Mit Privilegien ist keine Pandemiepolitik zu machen

          In den Vereinigten Staaten verfolgt Joe Biden eine klar wissenschaftsgeleitete Strategie in der Pandemiebekämpfung. Auch die deutsche Politik sollte davon nicht abgehen. Was hat die Regierung jetzt für Möglichkeiten?
          Spät zum Sympathieträger geworden: George W. Bush (Aufnahme von 2017)

          Positionierung gegen Trump : Plötzlich sieht George W. Bush gut aus

          Zwei der umstrittensten Politiker der vergangenen Jahrzehnte werden plötzlich mit Lob überschüttet: George W. Bush und Dick Cheney. Weil sie sich gegen Trump positionieren. Manche sehen die Republikaner schon auf dem Weg der Heilung.