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Schmierstoffe : Bei Fuchs Petrolub läuft's wie geschmiert

Bild: F.A.Z.

Es gibt nur wenige Firmen, die ohne größeren Gewinneinbruch durch die Finanzkrise gekommen sind. Der Schmierstoff-Hersteller Fuchs Petrolub gehört dazu. Dass das Unternehmen die Krise so gut bewältigt hat, hat einige Arbeitsplätze gekostet.

          Es gibt nur wenige Firmen, die ohne größeren Gewinneinbruch durch die Finanzkrise gekommen sind. Der Mannheimer Schmierstoff-Hersteller Fuchs Petrolub gehört dazu. Dass das Unternehmen die Krise so gut bewältigt hat, hat einige Arbeitsplätze gekostet. Nach der Krise steht die Firma umso besser da.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das gilt zumindest so lange, bis die Rohstoffpreise wieder kräftig steigen. Wenn die anziehen, hat auch Fuchs Petrolub wieder höhere Kosten. Zwar kann der Konzern dann möglicherweise seine Preise erhöhen, aber das geht nicht von jetzt auf gleich. Falls die Kosten demnächst wieder höher werden, müssen Anleger vielleicht in Kauf nehmen, dass der Gewinn eine Zeit lang langsamer steigt.

          Kritischer Blick auf die Bewertung der Aktie

          Grundsätzlich hat die Firma aber gute Aussichten. Fraglich bleibt da, ob sie noch günstig genug ist. Einige Analysten haben die Aktie schon zurückgestuft, weil der Kurs in den vergangenen Monaten extrem angezogen hat. Jetzt empfiehlt nur noch die Hälfte der Analysten die Aktie zum Kauf. Ein Schnäppchen ist sie also sicher nicht. Doch der Preis - rund das Elffache des Jahresgewinns - ist auch noch nicht übertrieben hoch. Wer seine Aktien eine Weile behalten möchte, kann Fuchs Petrolub in seine Überlegungen aufnehmen.

          Es wird keinen „Dividendenrückschritt“ geben

          Gut, dass Stefan Fuchs Spezial-Schmierstoffe verkauft: Die Nische ist sehr attraktiv. Im Gespräch erklärt der Vorstandsvorsitzende von Fuchs Petrolub die Eigenheiten des Schmierstoffgeschäfts, sowie die Expansions- und Ertragsaussichten.

          Herr Fuchs, Sie machen Schmierstoffe. Für wen?

          Die braucht man überall da, wo Reibung zwischen sich berührenden Oberflächen entsteht. Zum Beispiel in Autos, Straßenbaumaschinen, aber auch in Fahrstühlen und Förderbändern, oft auch in der Metallbearbeitung. Wir haben 10 000 verschiedene Rezepturen.

          Das klingt so, als hänge Ihr Geschäft sehr an der Konjunktur.

          Nein. Auch wenn die Nachfrage teilweise konjunkturanfällig ist, reagieren nicht alle unsere Abnehmer auf die gleichen Zyklen. Die Schmierstoffe braucht man ja nicht nach Konjunkturzyklen, sondern nach Wartungszyklen. Und wer sich neue Maschinen spart, braucht für die alten umso mehr Schmierstoffe. Trotzdem haben in der Finanzkrise viele Branchen gleichzeitig gelitten.

          Sie haben 2009 trotzdem einen Rekordgewinn geschafft, zum Teil durch Personalabbau.

          Wir haben das aber auch deshalb geschafft, weil wir die Wertschöpfung erhöht hatten. Die im Jahr 2008 stark angestiegenen Rohstoffkosten konnten erst mit einem gewissen Zeitverzug, das heißt Anfang 2009, weitergegeben werden. Dass wir auch unser Personal und die Kosten an die Krise angepasst haben, war ein weiterer Effekt.

          Haben Sie schon ein Gefühl dafür, wie es im ersten Halbjahr gelaufen ist?

          Wir wollen dieses Jahr das höchste Ergebnis vor Zinsen und Steuern in der Unternehmensgeschichte schaffen. Ich bin weiter zuversichtlich, dass uns das gelingt, denn es gibt momentan keine großen Änderungen im Geschäftsverlauf, auch wenn der Markt nervös ist.

          Stellen Sie dann wieder Leute ein?

          Nun bekommen wir nicht unseren alten Umsatz von 2008 zurück. Aber wir wollen 100 neue Stellen in Vertrieb und Forschung besetzen, vor allem in Wachstumsregionen wie Asien und Südamerika.

          Wie wollen Sie denn längerfristig wachsen - durch Firmenkäufe?

          Wir können zukaufen, wenn es passt, aber wir stellen darauf nicht unsere alleinige Strategie ab. Erst mal sollte man daran denken, von innen heraus zu wachsen. Wir wachsen gerade in allen unseren drei Regionen Europa, Amerika und Asien, und wir haben unser Investitionsprogramm während der Krise nicht gestoppt.

          Aber der Markt schrumpft.

          Ja. Die Kunden wollen weniger Schmierstoffe, dafür aber bessere. Das ist unsere Domäne. Wir müssen keine großen Mengen verkaufen, sondern können auch kleine Mengen hochwertiger Produkte verkaufen und hohe technologische Anforderungen erfüllen

          Können wir dann davon ausgehen, dass die Dividende weiter steigt?

          Wir hatten seit dem Börsengang im Jahr 1985 noch kein Jahr ohne Dividende, und wir haben sie im Durchschnitt pro Jahr um acht Prozent gesteigert. Jetzt ist immer noch Luft nach oben. Es wird keinen Rückschritt geben.

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