Eizellen eingefroren : Für immer gebärfähig
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Eizellen, eingefroren in flüssigem Stickstoff Bild: Fricke, Helmut
In Amerika überlisten Frauen die biologische Uhr. Sie lassen ihre Eizellen einfrieren und vertagen das Kinderkriegen. Der Trend wird zum großen Geschäft. Auch in Deutschland.
Leahjane Lavin spricht seit kurzem gerne von ihren „Jungen und Mädchen“. Dabei hat die Marketing-Managerin aus New York keine Kinder, ja, sie weiß nicht einmal, ob sie jemals welche haben will. Die „Jungen und Mädchen“ sind im Moment nicht mehr als Eizellen, es sind Lavins potentielle Kinder irgendwann in der Zukunft. Die 34 Jahre alte Frau hat vor einigen Wochen ihre Eizellen einfrieren lassen, für den Fall, dass es einmal schwierig für sie wird, auf natürlichem Wege Mutter zu werden. Zum Beispiel wenn der Mann fürs Leben auf sich warten lässt und erst auftaucht, wenn ihre fruchtbare Zeit sich dem Ende nähert oder gar schon vorbei ist.
So wie Lavin machen es heute immer mehr Amerikanerinnen. Das Einfrieren der Eizellen eröffnet ihnen die Chance, ihre Fruchtbarkeit auf dem Stand von heute zu konservieren und das bedrohliche „tick-tack-tick-tack“ der biologischen Uhr zu stoppen. Es erlaubt ihnen damit zum Beispiel, sich auf ihre Karriere zu konzentrieren, ohne sich ständig Gedanken übers Kinderkriegen zu machen. Es ist die Erfüllung eines Traums: Wenn man schon nicht für immer jung bleiben kann, dann wenigstens (fast) für immer gebärfähig. Denn mit den in jüngeren Jahren eingefrorenen Eizellen wird es leichter, noch mit Mitte vierzig oder gar fünfzig Mutter zu werden.
Reproduktionsmediziner sprechen von „Social Freezing“. Ähnlich wie das Verhüten mit der Antibabypille wird das Einfrieren von Eizellen zu einem Instrument der Lebensplanung ohne einen akuten medizinischen Grund wie zum Beispiel ein Krebsleiden, das die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Es ist eine weitere Option in einem ohnehin schon reichhaltigen Angebot, das in den Vereinigten Staaten zur Verfügung steht, um bei der Erfüllung eines Kinderwunsches nachzuhelfen. Viele der in Amerika verbreiteten Methoden wie das Anheuern von Leihmüttern oder der Kauf fremder Eizellen sind in Deutschland verboten. Aber das Einfrieren der eigenen Eizellen ist auch hierzulande erlaubt und wird praktiziert, wenn auch noch nicht in dem Umfang wie in Amerika. „Wir haben in Deutschland fünf Jahre Rückstand“, sagt Jörg Puchta, Chefarzt am Kinderwunsch Zentrum an der Oper in München, das seit 2012 eine eigene Abteilung für „Social Freezing“ betreibt.
„In fünf Jahren wird das gang und gäbe sein“
Der Markt für Dienstleistungen und Medikamente rund um Reproduktion wird auf ein globales Volumen von 4 Milliarden Dollar geschätzt. Und „Social Freezing“ wird immer wichtiger. Im „Fertility Center“ der New York University steht die Methode heute für ein Drittel aller Behandlungen, während es vor fünf Jahren erst 5 Prozent waren, sagt James Grifo, einer der leitenden Ärzte des Instituts. In der Münchener Praxis von Jörg Puchta haben im vergangenen Jahr 300 Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen - eine Verdreifachung gegenüber 2012. Dabei meint Leahjane Lavin, dass der Durchbruch erst noch bevorsteht: „In fünf Jahren wird das gang und gäbe sein. Aber heute gibt es noch immer viele Frauen, die sich gar nicht mit so etwas befassen, weil sie damit beschäftigt sind, in den großen New Yorker Banktürmen Karriere zu machen.“