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: Die Bühne der Besten

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Noch nie wurde in einem Fußballsommer so viel Geld ausgegeben. Egal aber, was man dabei von Summen wie den 100 Millionen Euro Ablöse für Gareth Bale halten ...

          4 Min.

          Noch nie wurde in einem Fußballsommer so viel Geld ausgegeben. Egal aber, was man dabei von Summen wie den 100 Millionen Euro Ablöse für Gareth Bale halten mag, fest steht: Noch nie gab es auch so viel spielerische Qualität in Europa - noch nie so viel Qualität, wie sie nun in der neuen Saison der Champions League zu erwarten ist. Sie ist endgültig die Bühne der Besten der Welt geworden.

          Mit Bale, der von Tottenham zu Real Madrid wechselte, und mit dem Brasilianer Neymar, der vom FC Santos für 57 Millionen nach Barcelona ging, ist das Sammelalbum der Superstars komplett. Nun fehlt in der Champions League nur noch Radamel Falcao. Der kolumbianische Knipser-König folgte aber lieber dem Geld und ging zum Oligarchen-Klub und Aufsteiger AS Monaco.

          Es ist eine besondere Saison, eine WM-Saison. Aber eigentlich ist immer WM-Saison, wenn die Champions League am Ende des Sommers beginnt. Sie hat sich zu einer alljährlichen, von September bis Mai im Zweiwochenrhythmus zelebrierten Fußball-Weltmesse entwickelt. Eine Art WM ohne Nationalhymnen und Flaggen - ein europäisches Weltturnier, dessen Teams nicht durch Herkunft und Pass, sondern durch Geschäftsmodelle und Geldquellen großer Klubs bestimmt werden.

          Weil dieser Markt funktioniert, weil der Wettbewerb die weltbesten Kicker nicht nur alle vier Jahre vier Wochen lang zusammenbringt, sondern jeden Herbst und jeden Frühling, und weil das Publikum das honoriert, ist die Champions League so groß geworden. Ihre Ausgabe 2013/14 wird vielleicht schwerer zu gewinnen sein als je zuvor. Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des Titelverteidigers Bayern München, sprach im „Kicker“ von „zehn bis zwölf Klubs, die volles Rohr angreifen werden. Vor allem die Engländer wollen die Dominanz der Premier League verteidigen.“ Es werde „wieder ein Stück schwieriger, als es ohnehin schon war“.

          Vergangene Saison fanden die Bayern in Europa keinen Konkurrenten, der ihnen wirklich gefährlich wurde - außer Borussia Dortmund im Endspiel. Das hochklassige Finale von Wembley führte zu Debatten darüber, ob die deutschen Klubs die Herrschaft von Spaniern und Engländern übernommen hätten. Eine seriöse Antwort darauf ist unmöglich. Nahezu alle Vereine, die für den Titel in Frage kommen, haben im Sommer aufgerüstet. Sieben der Top-Ten-Klubs in Europa verpflichteten neue Trainer. Fast alle haben auch groß eingekauft.

          Der Neue bei Real, Carlo Ancelotti, kann darauf bauen, mit Bale und Cristiano Ronaldo nun die beiden schnellsten Flügelspieler der Welt zu haben, dazu das neue Supertalent Isco. Gerardo Martino, der Tito Vilanova in Barcelona ablöste, darf auf ein ebenso aufregendes Offensiv-Duo hoffen, sollte er die Talente von Lionel Messi und Neymar miteinander in Einklang bringen. Und wohl kaum noch einmal wird man ein Barça-Team sehen, das es einem Gegner so leicht macht wie die von Messis Verletzung und Vilanovas Krebserkrankung geschwächte Elf im Halbfinale gegen die Bayern.

          Die Krise des spanischen Klubfußballs betrifft diese beiden Riesen nicht - dafür Klubs wie Sevilla oder Valencia, die ihre Besten nach England verkaufen mussten. Dort profitiert man dank des neuen Milliarden-Fernsehvertrags der Premier League und der Privatzuschüsse einiger Milliardäre von der Geldnot der Spanier. Manchester City holte die Offensivkönner Álvaro Negredo und Jesus Navas aus Sevilla, dazu Stevan Jovetic aus Florenz. Nach zwei Spielzeiten, in denen das eher auf Kraftmeierei als auf Spielwitz ausgerichtete Team schon in der Vorrunde ausschied, ist City nun deutlich europäisch-filigraner ausgerichtet. Es dürfte vor allem durch die taktische Finesse des neuen Trainers Manuel Pellegrini, der 2006 Villarreal ins Halbfinale und 2013 Malaga ins Viertelfinale führte, ein gefährlicher Vorrundengegner der Bayern sein.

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