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Daimler : Teilzeit für Zetsche?

  • -Aktualisiert am

Dieter Zetsche Bild: AP

Jahrelang hat Dieter Zetsche die Macht bei Daimler auf sich konzentriert. Einige Daimler-Investoren wollen die Macht des Chefs begrenzen. Er solle langsam einen Kronprinz aufbauen.

          Wie viel Zetsche steckt in Mercedes? Sehr viel, bald 40 Jahre seines Lebens, beginnend mit der Diplomarbeit, hat Dieter Zetsche dem Konzern gewidmet. Und wie viel Zetsche braucht Daimler? Noch viel mehr, wäre aus seiner Sicht wohl die korrekte Antwort.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Keine Frage, der Daimler-Chef steht auf dem Zenit seines Ansehens, die Aktie auf dem Sechsjahreshoch. Kein Wunder, dass Dieter Zetsche, demnächst 61 Jahre alt, den Triumph auskostet. Geprügelt wurde er lange genug. Der Vorstandschef halte sich für unersetzlich, erzählen sie nun in Stuttgart. „Dr. Z.“ könne vor lauter Kraft kaum laufen, wollen andere Augenzeugen beobachtet haben.

          Am Mittwoch wartet der nächste Festtag: 5000 Aktionäre haben sich zur Hauptversammlung in Berlin angesagt. Daheim bleiben Zetsches hartnäckigste Gegner unter den Profi-Investoren, um nicht der plötzlichen Lobhudelei verdächtigt zu werden.

          Wer als Kritiker trotzdem anreist, wie etwa Ingo Speich, Fondsmanager der Union Investment, kann nicht anders als zuzugeben: „Derzeit läuft fast alles rund unter dem Stern. Daimler setzt mit der erfolgreichen Modelloffensive zur Aufholjagd an.“ Das ist der frohe Teil seiner Botschaft. Der unerfreuliche folgt zugleich.

          Zetsche solle kürzertreten, fordert Speich. Einen Teil der Verantwortung abgeben, Kronprinzen aufbauen - das verlangen mehrere Großaktionäre. Fehlt nur noch, dass jemand die Altersteilzeit für den Konzernchef ausruft.

          Jahrelang hat Dieter Zetsche die Macht im Konzern auf sich konzentriert: Er führt die Daimler AG, die Holding, und in Personalunion auch die „Mercedes Cars“, die mit Abstand wichtigste Sparte. Im Aufsichtsrat haben die Arbeitnehmer regelmäßig dagegen rebelliert, bisweilen sekundiert von einzelnen Kapitalvertretern, denen zu viel Macht in Manager-Hand widerstrebt.

          „Die Krönung für das Lebenswerk eines Managers ist es, rechtzeitig geeignete Nachfolger aufzubauen“

          Zetsche jedoch hat die Doppelrolle stets behauptet, mit Rückendeckung des Aufsichtsratsvorsitzenden Manfred Bischoff. Sein Argument war die eigene Leistung (für die er aus seiner Sicht jetzt die Früchte erntet) sowie die Beispiele der Konkurrenz: Martin Winterkorn hält es bei VW genauso, BMW-Chef Norbert Reithofer ebenso.

          Ausgerechnet jetzt, da es in Untertürkheim Rekorde hagelt, entflammt die Debatte neu: „Wir sehen die Doppelrolle sehr skeptisch und sind der Ansicht, Zetsche sollte den Stuhl bei Mercedes räumen“, sagt Stefan Bauknecht von der DWS, Deutschlands größter Fondsgesellschaft.

          Daran schließt sich schnell die Frage an: Wie hält es Zetsche mit der Rente mit 63? So alt wird er 2016 sein, wenn sein Vertrag ausläuft. Dass er gerne länger bliebe, versteht sich von selbst, schließlich hat er stets um eine längere Amtszeit gekämpft. Ihm diesen Wunsch jetzt schon zu erfüllen, dagegen sträuben sich die Profi-Investoren. „Wir halten es nicht für weise, den Vertrag für Dieter Zetsche vorzeitig zu verlängern“, sagt DWS-Fondsmanager Bauknecht, „seine Bilanz hat sich zuletzt gebessert, ist aber insgesamt allenfalls durchwachsen.“

          Gute Führung zeige sich auch darin, fügt er mokant an, einen Nachfolger einzuarbeiten und den „richtigen Zeitpunkt zu erkennen, um von Bord zu gehen“.

          Nicht viel anders klingt es von den Arbeitnehmern: „Die Krönung für das Lebenswerk eines Managers ist es, rechtzeitig geeignete Nachfolger aufzubauen“, sagt Michael Brecht, frischbestellter Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats und designierter Aufsichtsratsvize: „Es wäre für alle Beteiligten gut, mehr Kandidaten zu haben. Sind nur zwei, drei Namen im Spiel, ist die Gefahr groß, dass diese verbrennen, bevor es so weit ist.“

          Wann dieser Zeitpunkt sein wird, das lässt er offen. „Wir sind als Gewerkschaft generell für die Rente mit 63“, scherzt Brecht. „Die Zukunft von Dieter Zetsche muss aber nicht heute besprochen werden.“ Wie gesagt: Der Mann hat einen Vertrag bis Ende 2016. Dann hat „Dr. Z.“ die 40 Jahre Daimler voll.

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