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: Cuban kann alles kaufen - nur keinen Titel

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New York. Selbst für reiche Männer kann eine Stadt wie New York ein hartes Pflaster sein. Das mußte Mark Cuban neulich bei einem Ausflug in das Nachtleben von Manhattan feststellen. Da stand er vor einer kleinen, exklusiven Bar und ...

          Von Jürgen Kalwa

          New York. Selbst für reiche Männer kann eine Stadt wie New York ein hartes Pflaster sein. Das mußte Mark Cuban neulich bei einem Ausflug in das Nachtleben von Manhattan feststellen. Da stand er vor einer kleinen, exklusiven Bar und wedelte mit tausend Dollar, doch die Türsteher ließen sich nicht beeindrucken. Also sorgte er in einem anderen Lokal für Stimmung. "Sag ihnen, ich bin Milliardär. Dann kommen sie schon rüber", rief er einem seiner Begleiter zu, der sich darum bemühte, weibliche Gäste an den Tisch zu locken.

          Wie wohlhabend der Besitzer der Dallas Mavericks tatsächlich ist, weiß wahrscheinlich nicht mal sein Steuerberater ganz genau. Nach Meinung des Wirtschaftsmagazins Forbes rangiert der Arbeitgeber von Dirk Nowitzki auf jeden Fall unter den 200 reichsten Amerikanern. Sein Vermögen? Um die 1,8 Milliarden Dollar. Aus seinen Besitztümern macht der 46 Jahre alte Selfmade-Unternehmer, der als Teenager mit dem Verkauf von Plastikmüllbeuteln oder Briefmarken Geld machte, kein Geheimnis. Neben einer 2500 Quadratmeter großen Villa in Dallas nennt er Wohnungen in New York, Los Angeles und Miami sein eigen. Dazu kommt ein 40 Millionen Dollar teures Düsenflugzeug, mit dem er von einem Ort zum anderen jettet. "Aber ich nehme an, die größte Extravaganz ist, wenn man nie nach dem Preis fragen muß", sagte er unlängst in einem Interview dem amerikanischen "Playboy". "Man braucht nur seine Kreditkarte dabeizuhaben. Das reicht."

          Vor sechs Jahren war Mark Cuban nichts anderes als einer jener Leute, die mit viel Erfolg auf der ersten Welle des Internet-Booms gesurft waren und ihren Laden rechtzeitig vor dem Crash an einen größeren Interessenten verkauft hatten. Cubans Firma hieß "broadcast.com", der Käufer "Yahoo" bezahlte mit einem Aktienpaket in Milliardenhöhe. Von soviel Geld kann man sich zwar viele Spielzeuge kaufen, aber zum Eintritt in die schillernde Hemisphäre der amerikanischen Promiwelt reicht es nicht. So erwarb der Sohn eines Autopolsterers aus Pittsburgh, der zwischendurch in Los Angeles ohne Erfolg eine Schauspielerkarriere probiert hatte, im Jahr 2000 die Dallas Mavericks - eine Mannschaft, die sich in den Jahren davor den Ruf eines permanenten sportlichen Fiaskos erworben hatte. Der Preis von 280 Millionen Dollar war kein Hemmschuh. Seine erste offizielle Handlung war, noch mehr Geld auszugeben: Er sorgte dafür, daß die Spieler auswärts in teureren Hotels wohnen, er bestellte besseres Essen im Mannschaftsflugzeug und schuf Arbeitsplätze für neun Assistenztrainer.

          Solches Engagement ist teuer. Genauso wie seine wiederholten Ausbrüche, bei denen er am liebsten die Schiedsrichter der NBA kritisiert. Erst in der vorigen Woche vergatterte ihn die Liga abermals zu einer Geldstrafe von 200 000 Dollar, weil er beim ersten Play-off-Spiel der Mavericks gegen die San Antonio Spurs auf den Platz gelaufen war, um sich über eine Entscheidung zu beschweren. Da Cuban den Betrag jeder Buße noch einmal an eine wohltätige Organisation überweist, haben ihm seine Ausfälle inzwischen mehr als drei Millionen Dollar gekostet.

          Machen die Mavericks Gewinn? "Nicht im geringsten", sagt Cuban, dessen Klub im Jahr 115 Millionen Dollar einnimmt und davon 96 Millionen Dollar an Spielergehältern ausschüttet. "Ich habe das nicht richtig angefaßt", gibt er offen zu. "Ich habe zu sehr auf meine Basketball-Leute gehört."

          Entscheidet der Freizeitbasketballer ganz alleine, kommt - sportlich gesehen - auch nichts Besseres dabei heraus. So ließ Cuban vor zwei Jahren seinen quirligen Spielmacher Steve Nash nach Arizona ziehen, um zum ersten Mal Geld zu sparen. Die Quittung bekam das Team sieben Monate später, als es in der zweiten Play-off-Runde gegen Nash und dessen neuen Klub, die Phoenix Suns, chancenlos verlor. Kaum war die Saison vorbei, da trennte sich Cuban von einem weiteren Star. Michael Finley ist inzwischen bei den San Antonio Spurs unter Vertrag, jener Mannschaft, gegen die die Mavericks gewinnen müssen, wenn sie ihr Ziel erreichen wollen: den Meisterschaftserfolg.

          Das Hirn des Mannes arbeitet unermüdlich. Weshalb ihn sein Engagement im Profibasketball auch nicht auslastet. Verstärkt widmet er sich Filmprojekten. Ein Achtungserfolg gelang ihm im vergangenen Winter, als der von ihm mit Freunden produzierte Streifen "Good Night, and Good Luck" für mehrere Oscars nominiert wurde. Weitere Filme sind in Arbeit. Cuban ist Teilhaber einer Filmproduktionsgesellschaft, einer Vertriebsfirma, einer Filmkunstkinokette und eines Fernsehsenders. So jemand ist denn auch mit der Vermarktung der NBA nicht zufrieden. "Wir haben ein großartiges Produkt", sagt er. "Unsere Spieler sind charismatische Figuren. Aber wir promoten das Spiel nur bei jenem Publikum, das uns ohnehin mag." Cuban möchte, daß man in der Liga so denkt wie er: "Breit und schnell." Aber die anderen 29 Teambesitzer scheinen seinen Einsatz nicht zu teilen. Sie bremsen ihren omnipräsenten Kollegen lieber aus.

          Nach sechs Jahren in profilierter Position gibt sich Cuban selbst noch keine Bestnote für die geleistete Arbeit. Es fehlt nicht nur der Meistertitel, es mangelt an einer überragenden Präsenz der Marke "Mavericks" außerhalb von Texas. Mark Cuban gibt sich bescheiden: "Hoffentlich kann ich die Mavs an den Punkt bringen, wo sie als Marke auf der nationalen Bühne eine Rolle spielen."

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