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FAZ Plus Artikel Richtiger Umgang mit dem Geld : Das sind die zehn Finanzgebote für 2019

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Illustration Bild: Getty

Das Vermögen gerecht verteilen, ein Haus bauen. Und: Was tun mit der Freizeit im Ruhestand? Unser Autor meldet sich im neuen Jahr mit seinen zehn Finanzgeboten zurück. So wappnen Sie sich finanziell für jede Lebenslage.

          In meiner Jugend habe ich geschimpft wie ein Rohrspatz, die Zehn Gebote und ihre Erläuterungen von Martin Luther auswendig lernen zu müssen. Heute bin ich dankbar, dass Widerstand zwecklos war. Die Zehn Gebote geben Halt in guten wie in schlechten Tagen. Wäre es da nicht sinnvoll, etwas Ähnliches für den Umgang mit Geld zu besitzen? Was würden Sie aufschreiben, wenn Sie zehn Gebote über den Umgang mit Geld formulieren sollten? Mir ist bewusst, dass das nicht leicht ist, doch ich habe es einfach mal ausprobiert. Hier sind für 2019 – und darüber hinaus – meine zehn Gebote für Ihr gutes Geld.

          Bemühe dich um Arbeit. Mir ist bewusst, dass viele Menschen arbeiten wollen, aber keine Arbeit finden. Ihnen kann ich nur wünschen, dass sie 2019 endlich Arbeit finden. Den in Lohn und Brot stehenden Menschen wünsche ich Arbeit, die ihnen so leicht wie möglich von der Hand geht. Sie gibt dem Leben nicht nur Sinn, sondern verleiht ihm auch Struktur. Und sie wirft die Erträge ab, die wir zum Leben benötigen. Arbeit ist in meinen Augen die einzige Geldanlage, die wir Menschen „etwas“ beeinflussen können. Das ist bei Anleihen, Immobilien und Aktien nicht der Fall. Daher wünsche ich Ihnen, dass Sie aus Ihren Talenten etwas machen, weil Sie mit „konkurrenzlosen Spitzenleistungen“ die höchsten Renditen erzielen werden.

          Gib nur aus, was du vorher verdient hast. Wenn auf dem Lohnzettel steht, dass monatlich 5000 Euro ausgezahlt werden, sollte diese Zahl ernst genommen werden. Es ist zwar nicht verboten, monatlich 6000 Euro auf den Kopf zu hauen, doch auf Dauer wird das bestimmt nicht gut gehen. Vielleicht verstehen Sie jetzt, warum ich kein Freund von Kreditkarten und Überziehungslinien bin. Sie sind die süßeste Verführung ins finanzielle Verderben, und ich kann Ihnen nur den guten Rat geben, auf diese Dinge zu verzichten. Es ist nicht leicht, doch es gibt ein Leben ohne Karten und Kredite!

          Meide den Konsum auf Pump. Ich habe nichts gegen Autos, Computer, Fernseher, Handys und Urlaube. Ich bin nur gegen den Konsum auf Pump, weil diese Schulden der Vorhof der Hölle sind. Sie kaufen sich Sachen, die Sie nicht brauchen, um Leuten zu imponieren, die Sie nicht mögen, und dafür gehen Sie auch noch freiwillig in den Schuldenturm? Bitte fragen Sie einmal Ihr Herz, ob Sie das wirklich wollen. Ich habe eher das Gefühl, dass Sie sich nach Anerkennung und Freiheit sehnen. Das gibt es freilich weder bei Banken noch in Supermärkten!

          Ersetze alle Schäden, die du angerichtet hast. Es ist der Lauf der Dinge, dass wir Schäden verursachen. Dafür müssen wir die Verantwortung tragen und den Schaden ersetzen. Punkt – nein Ausrufezeichen! Gott sei Dank, dass die meisten Schäden nur Bagatellen sind. Gelegentlich gehen sie aber doch ins Geld, und in solchen Lebenslagen hilft nur eine gute Privathaftpflichtversicherung mit einer Deckung von 50 Millionen Euro bei Schäden aller Art. Sie kostet keine 100 Euro im Jahr und darf in keinem Haushalt fehlen!

          Sorge für den Fall langer Krankheit vor. Erwerbsunfähigkeit ist harte Kost. Der Körper streikt, und die Krankenkasse zahlt nicht mehr. Die Invalidenrente ist in aller Regel ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Sozialamt mag Ihre letzte Hoffnung sein, doch ich habe das Gefühl, dass Sozialhilfe in fatale Abhängigkeit führt. Mir erscheint die private Rente die bessere „Vorsorge“ zu sein. Das kostet zwar Geld, doch sie nährt den Stolz, dem Staat nicht auf der Tasche zu liegen. Sollten auch Sie dieser Meinung sein, rate ich Ihnen von Unfallversicherungen ab und empfehle Ihnen den Abschluss einer Rente für den Fall der Erwerbsunfähigkeit.

          Denke an deine nächsten Angehörigen. Falls Sie ums Leben kommen, kann Ihnen der „Rest“ egal sein. Wenn es Ihnen, was ich sehr hoffe, aber nicht gleichgültig ist, was mit Ihrem Ehepartner und Ihren Kindern passiert, sollten Sie umgehend Ihre aktuellen Versicherungen überprüfen. Das gilt sowohl für Mütter als auch für Väter! Haben Sie eine Risikolebensversicherung mit fallender Todesfallleistung? Sollte das wider Erwarten nicht der Fall sein, dann multiplizieren Sie, wenn die Kinder noch klein sind, Ihr monatliches Nettoeinkommen mit 120 und schließen Sie entsprechende Verträge ab. Dann sind Ihre Liebsten wenigstens finanziell für zehn Jahre gut versorgt.

          Baue ein Haus, und tilge die Schulden. Falls Sie es sich leisten können, sollten Sie ein Haus bauen. Das Eigenheim ist die einzige Geldanlage, von der Sie schon in frühen Jahren etwas haben. Bitte lassen Sie aber die „Kirche“ im Dorf stehen, wenn ich das so ausdrücken darf. Warum? Nun ja, auch Sie müssen, wenn Sie nicht im Lotto gewonnen haben, eine Hypothek aufnehmen, und Sie sollten diesen Kredit, egal wie niedrig die Zinsen sind, bis zum 50. Geburtstag tilgen. Sonst werden Sie an Haus und Garten nur wenig Freude haben. Die Ausbildung der Kinder und der Aufbau der Zusatzrente im Alter gehen dermaßen ins Geld, dass die Rückzahlung der Hausschulden zuvor abgeschlossen worden sein sollte.

          Spare für die Zeit im Alter, auch wenn es dafür keine Zinsen gibt. Die gesetzliche Rente und das schuldenfreie Eigenheim sind solide Fundamente der Altersversorgung. Sie werden in vielen Fällen aber nicht ausreichen, weil die Ansprüche höher sind. Da hilft nur private Vorsorge, und es spielt keine Rolle, wie hoch die Zinsen sind. Das Kapital ist wichtiger als der Zins! Bitte fangen Sie mit dem Sparen so früh wie möglich an, doch verzetteln Sie sich nicht. Vor dem Sparen steht (fast) immer die Tilgung von Schulden! Danach folgen Anleihen und Aktien – am besten in Form physischer und preisgünstiger Indexfonds.

          Genieße den Ruhestand. Bereiten Sie sich nach dem 55. Geburtstag in aller Ruhe auf die Zeit nach dem Berufsleben vor, da Sie es mit 67 nicht schaffen werden, den Schalter von einer Stunde auf die andere umzulegen. Packen Sie die Dinge, für die Sie während des Berufslebens nicht genügend Zeit hatten, so zügig wie möglich an, und lassen Sie dafür auch den einen oder anderen Euro springen. Damit meine ich freilich weniger Kreuzfahrten, sondern eher Dinge, die Ihnen wirklich am Herzen liegen. Nichts ist schlimmer, als mit 75 Jahren wohlhabend, aber krank zu sein und akzeptieren zu müssen, dass das Leben gelaufen ist. Auch Sie können die Uhr des Lebens nicht zurückdrehen!

          Gib dein Vermögen rechtzeitig und gerecht aus der Hand. Wir wissen zwar, dass das letzte Hemd keine Taschen hat, doch beim Schenken und Teilen bekleckern wir uns nur selten mit Ruhm. Bitte schenken Sie mit warmer Hand, und teilen Sie so gerecht wie möglich. Dafür ist in der Regel ein Testament nötig, und falls Sie noch keines haben, dann wird es höchste Zeit, zu Füller und Papier zu greifen. Sonst liegt auf Ihrem guten Geld ein verhängnisvoller Fluch und zwar nicht nur 2019, sondern für alle Ewigkeit! Oder soll auf Ihrem großen Grabstein stehen, dass Sie die geizigste Frau oder der reichste Mann auf dem ganzen Friedhof sind?

          Frankfurter Allgemeine Zeitung

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