https://www.faz.net/-1qk-vafp

Sarkozy in Libyen : Uran gegen Technologie

  • Aktualisiert am

Gaddafi grüßt Sarkozy Bild: dpa

Präsident Sarkozy hat sich mit Libyens Staatschef Gaddafi geeinigt, bei der Nutzung der Atomenergie zu kooperieren. Demnach wird Frankreich Technologie für einen zivilen Reaktor liefern, im Gegenzug erhält es Uran.

          Libysches Uran für den staatlichen französischen Nuklearkonzern Areva gegen französische Atomkrafttechnologie für Libyen: So lautet in groben Umrissen der Handel, den der französische Staatspräsident Sarkozy bei seinem Besuch in Tripolis am Mittwochabend mit dem libyschen Staatschef Gaddafi abgeschlossen hat.

          Der Text des „Memorandums über die Kooperation zur friedlichen Nutzung der Kernenergie“, den Sarkozy und Gaddafi unterzeichneten, ist geheim und wird der Öffentlichkeit wohl auch nicht zugänglich gemacht werden. Bekannt wurde am Donnerstag hingegen, dass im Juli eine Delegation aus Mitarbeitern von Areva und des staatlichen Kommissariats für Atomenergie (CEA) nach Libyen gereist war, um die Möglichkeiten eines Reaktorbaus auf libyschem Boden zu prüfen. Das sagte der Generalsekretär des Elysée-Palastes, Claude Guéant, der an der Seite Cécilia Sarkozys die Verhandlungen zur Ausreise der bulgarischen Krankenschwestern und des Arztes geführt hatte. (Siehe dazu: Cécilia Sarkozy: „Nützliche Mittlerrolle“)

          „Libyen als Modell für andere Länder“

          Der Atom-Tauschhandel spielte offensichtlich für die libysche Seite eine entscheidende Rolle. Nach Worten des libyschen Regierungschefs Mahmoudi Bagdadi soll der Reaktorbau nahe der Hauptstadt Tripolis erfolgen und in einem Zeitraum von fünf bis sechs Jahren fertiggestellt sein. Offiziell wird die Notwendigkeit der zivilen Nutzung der Kernenergie mit dem Projekt der Wasserentsalzung begründet, die viel Energie verbraucht. Mit der Wasserentsalzungsanlage soll aus Meereswasser Trinkwasser gewonnen werden.

          Sarkozy rechtfertigte den geplanten Transfer der Atomkrafttechnologie an das bis 2003 von der internationalen Staatengemeinschaft geächteten Regime Gaddafis. „Wer zu sagen wagt, dass die zivile Nutzung der Atomkraft dem nördlichen Ufer des Mittelmeers vorbehalten bleibt und dass die arabische Welt nicht verantwortungsbewusst genug dafür ist, der demütigt sie und bereitet einen Krieg der Zivilisationen vor“, sagte Sarkozy.

          Er fügte hinzu, dass Libyen sich 2003 von seinem Atomwaffenprogramm abgekehrt habe. „Libyen kann als Modell für andere Länder dienen“, sagte Elysée-Generalsekretär Guéant. Präsident Sarkozy deutete an, dass das Nuklearabkommen auch Vorzüge für den französischen Staatskonzern Areva mit sich bringe. So verfüge Libyen über 1600 Tonnen Uran-Reserven; weiteres Uran werde vermutlich in den nächsten Jahren im Süden des Landes gefunden werden.

          „Strategische Partnerschaft“

          Gaddafi und Sarkozy vereinbarten auch ein französisch-libysches Forschungsprogramm, mit dem mögliche Uranbestände aufgespürt werden sollen. Der Kooperationsvertrag, den die beiden Staatsoberhäupter unterzeichneten, umfasst insgesamt fünf Bereiche: die nukleare Zusammenarbeit, den Wissenschaftsaustausch, die Hochschulkooperation, den kulturellen Austausch sowie die Rüstungszusammenarbeit.

          Die französische Rüstungsindustrie verspricht sich von der „strategischen Partnerschaft“ mit Libyen neue Marktchancen. Über die Details der Rüstungsvereinbarung und mögliche Waffenexporte an Libyen wurde in Paris nichts bekannt. Sarkozy lobte hingegen die Bereitschaft Gaddafis, an der geplanten Mittelmeerunion aktiv teilzunehmen. Sarkozy schrieb Staatschef Gaddafi ins Gästebuch: „Ich bin glücklich, in Ihrem Land zu sein, um über die Zukunft zu reden.“ (Siehe dazu: Sarkozy in Libyen: „Wir haben ein Problem gelöst, das ist alles“)

          Topmeldungen

          F.A.Z.-Interview : Merz traut sich ein Ministeramt zu

          Der unterlegene Kandidat für den CDU-Vorsitz ist bereit, „mit ganzer Kraft in die Politik zu gehen“. Ein exklusives Gespräch mit Friedrich Merz über seine Ambitionen, seine Rede auf dem Parteitag und über Gerüchte, mit denen er nichts anfangen kann.

          Klimaschutz : Umwelthilfe will Tempolimit 120 auf Autobahnen

          Die Deutsche Umwelthilfe prozessiert fleißig, um Fahrverbote in vielen Städten durchzusetzen. Nun gehen die Aktivisten einen Schritt weiter. Sie prüfen, ob sich ein Tempolimit von 120 auf deutschen Autobahnen juristisch erzwingen lässt.