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René Adler im Gespräch : „Fußball-Deutschland weiß, was ich kann“

  • Aktualisiert am

Schöner Flieger: René Adler zeigt in Hamburg altbekannte Qualitäten Bild: dapd

René Adler gehört schon jetzt zu den positiven Überraschungen der noch jungen Bundesliga-Saison. Im Interview spricht der Torhüter des Hamburger SV über seine famose Rückkehr, seinen Traum von der Nationalmannschaft und seine Buchführung.

          6 Min.

          Bevor Sie im Sommer zum Hamburger SV gewechselt sind, waren Sie acht Monate verletzt, machten eine ganze Saison kein einziges Bundesligaspiel für Bayer Leverkusen. Denken Sie manchmal: Was wäre, wenn ich mich nicht verletzt hätte?

          Nicht mehr, das bringt mich nicht weiter. Als Sportler musst du immer nach vorne schauen, der HSV ist ein neues Kapitel, ein Neuanfang und eine neue Chance. Mir war von vornherein klar, dass ich hier wieder meine Leistung bringen werde. Man verlernt das Torwartspiel nicht einfach so. Aber ich brauche Spiele, ich bin ein Wettkampftyp, das komplette Gegenteil von einem Trainings-Weltmeister. Früher haben wir immer gesagt: Am Wochenende wird das Geld verdient.

          Erst komplett aus dem Fokus, nun sogar wieder ein Kandidat für die Nationalmannschaft - das wäre eine famose Rückkehr, oder?

          Fußball-Deutschland weiß, was ich kann, das habe ich oft genug gezeigt. Trotzdem sehe ich mich noch nicht wieder bei der Nationalmannschaft. Ein Traum bleibt es jedoch, ich kann mich ja schlecht hinsetzen mit 27 und sagen: Das Thema ist für mich abgehakt, egal, was passiert. Allerdings bin ich heute viel entspannter und kann sagen: Wenn alles so bleibt, dann ist es auch okay. Dann habe ich öfter mal frei, kann mit meiner Freundin wegfahren und den Golfschläger in die Hand nehmen. Aber natürlich bin ich Sportsmann, und da wäre mir die andere Variante weitaus lieber.

          Respekt der Teamkollegen: Arslan und Berg umarmen ihren Torhüter
          Respekt der Teamkollegen: Arslan und Berg umarmen ihren Torhüter : Bild: AFP

          Sie kämpfen mit einer Reihe von jungen Leuten um die beiden Plätze hinter Manuel Neuer - wie erleben Sie die neue Torhüter-Generation um ter Stegen, Zieler und Leno?

          Das sind richtig gute Torhüter, keine Frage. Noch vor einiger Zeit wäre es undenkbar gewesen, dass ein Talent schon mit Anfang zwanzig in der Bundesliga oder Nationalmannschaft spielt. Aber Manuel und ich haben das salonfähig gemacht, die Trainer haben keine Scheu mehr, so junge Leute spielen zu lassen. Nun müssen wir uns gegen die Maschinerie durchsetzen, die wir eingeleitet haben.

          Heutzutage reichen ja schon ein paar Spiele, um Nationalspieler zu werden. Ich will das gar nicht schlechtreden, das ist ein Jugendtrend, und ich denke, dass der Trend sogar dorthin geht, dass die Spieler noch jünger werden. Aber das oberste Kriterium ist die Leistung, und wenn die stimmt, dann sollte keinem Spieler die Chance verwehrt bleiben, in die Nationalmannschaft zurückzustoßen.

          Zählt denn Erfahrung gar nichts mehr?

          Das wäre gefährlich, denn es spielen so viele Faktoren eine Rolle, um sein Können jedes Wochenende abzurufen: familiäre Probleme, Liebeskummer, die Fans pfeifen einen aus, der Trainer steht nicht auf dich - Torhüter sind Menschen und keine Maschinen. Mit den Jahren lernst du aber, diese Dinge für den Moment auszublenden. Zudem verhalte ich mich heute in manchen Situationen ganz anders als noch vor fünf Jahren. Bei Freistößen und Flanken habe ich dazugelernt, bei Eins-gegen-eins-Situationen bleibe ich manchmal länger stehen. Erfahrung auf höchster Ebene ist immer noch etwas anderes als Erfahrung im Jugendbereich. Ein Torwart wird mit zwanzig niemals so gut sein, wie er mit dreißig ist.

          Als Ihr ehemaliger Torwarttrainer Rüdiger Vollborn Sie mit fünfzehn das erste Mal gesehen hat, meinte er: Das ist der nächste Nationalkeeper! Waren Sie sich der eigenen Stärke immer bewusst?

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