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Rating-Agenturen : S&P wehrt sich gegen politischen Beschuss

Torsten Hinrichs, Geschäftsführer von S&P in Deutschland Bild: Privat

Die Rating-Agenturen stehen wegen ihres Verhaltens in der europäischen Schuldenkrise unter Druck. Unangemessen oder voreilig wird ihr Handeln genannt. Standard & Poor's beruft sich dagegen auf seine Unabhängigkeit.

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          Mit harscher Kritik müssen sich im Zuge der südeuropäischen Schuldenkrise die internationalen Rating-Agenturen auseinandersetzen. Die EU-Kommission kritisierte am Mittwoch ungewöhnlich scharf die Senkung der Bonitätsnote Portugals durch die Moody's. „Das ist eine unglückselige Episode und wirft Fragen über das Verhalten der Ratingagenturen und deren Weitblick auf“, sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zu Wochenbeginn hatte schon die Stellungnahme der Agentur Standard & Poor's (S&P) für Verstimmung gesorgt, dass die Durchführung des französischen Vorschlags, zur Beteiligung privater Gläubiger an der Rettungsaktion für Griechenland als teilweiser Zahlungsausfall (Selective Default) zu betrachten sei.

          „Bewusste Provokation gegenüber den europäischen Steuerzahlern“

          Während die in Griechenland investierten Banken das Land stabilisieren wollten, stellten die Rating-Agenturen ihnen Hindernisse in den Weg, sagte etwa das österreichische Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank, Ewald Nowotny, dem ORF. Die Verhandlungen mit den Agenturen gestalteten sich schwierig. Diese seien mit Blick auf Griechenland strenger und aggressiver als etwa in ähnlichen Fällen in Südamerika.

          „Unangemessen und wenig hilfreich“, nannte der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon laut Medienberichten die Stellungnahme von S&P. Die Ratingagenturen hätten vor der Finanzkrise als Frühwarnsystem und bei der Einschätzung von Risiken eklatant versagt. Wenn diese nun notwendige Rettungsmaßnahmen der Euroländer und des Internationalen Währungsfonds erschwerten, könne das nur als bewusste Provokation gegenüber den europäischen Steuerzahlern gewertet werden.

          Italienische Börsenaufsicht ermittelt

          In Italien befragte die Börsenaufsicht Consob am Montag S&P-Mitarbeiter zu ihrer kritischen Bewertung des Sparpakets der Regierung. S&P hatte diese am Freitagmittag nach Verabschiedung des Vorhabens veröffentlicht. Die Börsenaufsicht kritisierte, Einzelheiten des Sparpakets seien gar nicht offiziell bekannt gewesen, die Bewertung der Ratingagentur fuße also auf Indiskretionen der Presse. Auch der Zeitpunkt der Veröffentlichung sei fraglich, da die Bewertung die Börsenkurse hätte beeinflussen können.

          Ähnlichen Vorwürfen sieht sich Moody's wegen seiner Einschätzung zu italienischen Bank-Aktien ausgesetzt. Auch die Aufsichtsbehörde für die Ratingagenturen, die ESMA (European Securities and Markets Authority), soll sich in der kommenden Woche mit den Vorgängen befassen, wie der Sprecher der Consob sagte.

          S&P weist Vorwürfe zurück

          Torsten Hinrichs, Geschäftsführer von S&P in Deutschland, kann die Heftigkeit der Vorwürfe nur schwer nachvollziehen. Den Agenturen Mutwillen oder einen verborgenen Plan zu unterstellen, sei sehr weit her geholt und entbehre jeder faktischen Grundlage. „Wir arbeiten seit Jahren nach veröffentlichten und transparenten Kriterien. Auf unseren Internet-Seiten kann jeder, der will, mit wenigen Klicks nachlesen, nach welchen Kriterien unsere Bewertungen zustande kommen“. Man arbeite nicht anders wie in allen früheren Fällen, etwa seinerzeit während der Russlandkrise.

          Den Vorwurf, ein schwieriger Diskussionspartner zu sein, kann Hinrichs gar nicht verstehen. „Das würde ja voraussetzen, dass es Diskussionen gibt. Aber damit würden wir ja als Berater tätig, was uns die europäische Regulierung explizit verbietet. Die Politik hat sich Regeln gegeben, die ihr Handeln an unseren Ratings ausrichtet. Jetzt fällt es ihr schwer, zu akzeptieren, dass wir unsere Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel setzen wollen.“

          Französische Umschuldungsvorschläge bieten keine adäquaten Gegenwert

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