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Präsidentenwahl : Hillary Clinton wirft Rivalen Schlammschlacht vor

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Kontrahenten mit harten Bandagen: Hillary Clinton und Barack Obama in Las Vegas Bild: REUTERS

Hillary Clinton stehe für „ein korruptes, ineffizientes System in Washington“ und bleibe ehrliche Antworten auf schwierige Fragen schuldig, werfen John Edwards und Barack Obama der demokratischen Senatorin vor. Die frühere First Lady wehrt sich.

          In einer weiteren Fernsehdebatte haben sich die in Meinungsumfragen führenden demokratischen Präsidentschaftskandidaten einen heftigen Schlagabtausch geliefert. Die derzeit favorisierte Senatorin Hillary Clinton verwahrte sich bei der vom Sender CNN übertragenen Debatte in Las Vegas gegen die Angriffe ihrer schärfsten Konkurrenten Barack Obama und John Edwards und sprach von einer „Schlammschlacht“ gegen sie.

          „Wenn jemand mit Dreck wirft, sollte man sicher sein, dass wenigstens die Fakten stimmen und nicht aus dem Drehbuch der Republikaner stammen“, sagte sie an Edwards gerichtet. Der hatte ihr zuvor vorgeworfen, für „ein korruptes, ineffizientes System in Washington“ zu stehen, sich nicht entschieden genug für einen Rückzug aus dem Irak einzusetzen und in der Iran-Politik faktisch die Politik der Regierung Bush zu unterstützen. Obama warf Frau Clinton vor, „klare Antworten auf harte Fragen schuldig zu bleiben“, zumal im Streit um den Irak-Krieg und in der Iran-Politik, stattdessen vertrete sie Positionen wie die republikanischen Präsidentschaftskandidaten Rudy Giuliani und Mitt Romney.

          Streit über Irak-Krieg und die Iran-Politik

          Neben Obama und Edwards positionierten sich in der Debatte auch der Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, Senator Christopher Dodd und der Abgeordnete Denis Kucinich links von Frau Clinton in den grundlegenden außenpolitischen Streitfragen etwa über den Irak-Krieg und die Iran-Politik. Obama sprach sich abermals für einen Abzug der amerikanischen Kampftruppen aus dem Irak binnen 16 Monaten aus. Senator Joseph Biden vertrat wie Frau Clinton eine zentristische Position und hob seine umfangreiche außen- und sicherheitspolitische Erfahrung hervor.

          In der Gesundheitspolitik warf Frau Clinton ihren Herausforderern vor, mit dem Verzicht auf die Forderung nach einer gesetzlichen Krankenversicherung für alle Amerikaner nur halbherzige Lösungen zur Reform des Gesundheitswesens vorzuschlagen. Obama erwiderte, das Problem für die meisten der 47 Millionen Amerikaner ohne Versicherungsschutz sei nicht die fehlende gesetzliche Verpflichtung zur Versicherung, sondern dass die schnell gestiegenen Versicherungsprämien unbezahlbar seien.

          In Umfragen liegt Clinton vorn

          In der Diskussion über die Einwanderungspolitik versuchte Frau Clinton ihren Fehler in der jüngsten Debatte in Philadelphia wettzumachen, als sie keine klare Antwort auf die Frage zu geben wusste, ob illegale Einwanderer - ihre Zahl wird auf zwölf Millionen geschätzt - von den einzelnen Bundesstaaten Führerscheine erhalten sollten, um den Straßenverkehr sicherer zu machen und ihnen Zugang zu Haftpflichtversicherung für ihre Fahrzeuge zu eröffnen. In Las Vegas sprach sie sich - wie Edwards - gegen die Ausgabe der in Amerika faktisch als Personalausweise genutzten Führerscheine für illegale Einwanderer aus. Obama befürwortete das.

          In den landesweiten Umfragen liegt Clinton vorn. In Iowa jedoch, wo die Vorwahlen am 3. Januar mit einer Wählerversammlung beginnen, zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen von Clinton, Obama und Edwards ab. Alle anderen Bewerber scheinen bereits zu einer Zuschauerrolle verurteilt zu sein. „Lasst uns die Schlammschlacht beenden“, sagte der Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson. Aber dann sparte er selbst nicht mit Attacken und warf Edwards eine Klassenkampf-Rhetorik, Obama einen Krieg zwischen den Generationen und Clinton eine zweideutige Haltung zum Irak-Krieg vor.

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