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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum Regentropfen unterschiedlich groß sein können

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Aus der Nähe ein Spektakel: Regentropfen fallen auf ein Autodach. Bild: Picture-Alliance

Durchs Fenster betrachtet wirken Regentage ziemlich eintönig. Dabei haben nicht einmal die Regentropfen immer dieselbe Größe. Wie groß sie sind, wenn sie bei uns ankommen, hängt auch von der Höhe der Wolken ab.

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          Wenn dunkle Gewitterwolken aufziehen und schon ein leises Grollen in der Ferne zu hören ist, lässt meistens auch der Regen nicht lange auf sich warten. Manchmal landet sogar einer der dicken Tropfen auf der Nasenspitze. Nieselregen wiederum ist so fein, dass die einzelnen Tropfen kaum spürbar sind. Aber warum ist das so?

          Um zu verstehen, warum es große und kleine Tropfen gibt, müssen wir uns zunächst anschauen, wie Regen überhaupt entsteht. In der Schule wird oft erzählt, dass sich aufsteigende Luft abkühlt und daraufhin der enthaltene Wasserdampf an winzigen Teilchen in der Luft kondensiert, also wieder zu Wasser wird. Mit der Zeit kondensiert immer mehr Wasserdampf, bis der Tropfen irgendwann auf die Erde fällt. Klingt gut, ist aber leider nicht ganz richtig. Wenn auf diese Art und Weise Regen entstünde, würde es ewig dauern, bis die Tropfen ausreichend groß sind, und es würde nie regnen. Je größer der Tropfen nämlich wird, umso langsamer wächst er durch Kondensation.

          Hier in Mitteleuropa ist es sogar so, dass sich wegen der niedrigen Temperaturen in den Regenwolken zunächst Eiskristalle statt Wassertropfen bilden – sogar im Hochsommer. Um größer zu werden, müssen die winzigen Eiskristalle zusammenstoßen. Und hier kommt der Wind ins Spiel: Im Bereich der Wolken gibt es viele verschiedene Luftströmungen, die die kleinen, leichten Eiskristalle ständig in alle Richtungen durcheinanderwirbeln. Dabei stoßen sie zusammen und verhaken sich ineinander. Mit jedem Zusammenstoß entstehen größere Schneeflocken, die manchmal auch wieder zerbrechen. Ab einer bestimmten Größe sind diese Schneeflocken schwer genug und fallen Richtung Erde. Auf dem Weg dahin kann es passieren, dass sie auf kleinere Eiskristalle stoßen, die weiter unten durch die Luft schweben, und sich auch mit ihnen verhaken. Je größer eine Schneeflocke ist, umso größer ist auch die Chance, dass sie mit anderen zusammenstößt.

          Bild: F.A.Z.

          Auf dem Weg zum Boden wird es immer wärmer, bis die Schneeflocke einen Bereich mit Temperaturen um 0°C erreicht und sich langsam in einen Regentropfen verwandelt. Diese Zone nennt man Schmelzzone. Ähnlich wie Pappschnee auf der Erde kleben diese halb geschmolzenen Schneeflocken besonders gut zusammen, so dass sich bei Zusammenstößen besonders große matschige Tropfen bilden können. Je mehr Wasser ein solcher Schneematschtropfen enthält, umso schneller fällt er. Doch auch Regentropfen werden nicht unendlich groß.

          Sie fallen so schnell, dass die Tropfen von der Luft, durch die sie fallen, wie von einem Fahrtwind plattgedrückt werden. Für Regentropfen, die größer als fünf Millimeter sind, ist dieser Gegenwind so stark, dass er den Tropfen zu einer kleinen Blase aufbläht, bis sie zerplatzt. Übrig bleiben unzählige kleine Wassertropfen. Platzt der Tropfen unterhalb der Schmelzzone, haben die kleinen Tropfen schlechte Chancen, noch mit anderen zusammenzustoßen. Bei hohen Lufttemperaturen kann es sogar vorkommen, dass die Tröpfchen auf ihrem Weg zur Erde verdunsten und nie den Boden erreichen.

          Ein durchschnittlicher Regentropfen ist übrigens einen halben bis einen Millimeter groß. Größere und kleinere Tropfen kommen selten vor, da große häufig aufplatzen und kleine meist schon verdunstet sind, bevor sie den Boden erreichen.

          Bei Nieselregen hängen die Wolken sehr weit unten. Turbulenzen, die die Wassertropfen gegeneinander schubsen, gibt es nur sehr wenige. Die Tropfen fallen also im Grunde aneinander vorbei, ohne sich groß zu berühren. Deswegen sagen manche Menschen auch „es regnet Bindfäden“, weil die Tropfen herunterfallen wie am Schnürchen. Ganz anders sieht es bei Gewittergüssen aus: Hier herrscht kräftiger Aufwind in den Wolken, der die Tropfen und Eispartikel immer wieder durcheinander wirbelt. Die größten Regentropfen schaffen es als erste, dem Wind zu entkommen und auf den Boden zu fallen, deswegen sind die ersten Tropfen vor einem Gewitterregen besonders groß.

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