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Wie erkläre ich's meinem Kind? : Warum Tierarten heute schneller aussterben als die Dinosaurier

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Heimatlos: Orang-Utan auf von Feuern zerstörter Waldfläche in Borneo Bild: BOS Deutschland e.V.

Vermutlich war es ein Asteroideneinschlag, der vor vielen Millionen Jahren zum Aussterben der Dinosaurier geführt hat. Das klingt schnell, aber es ist nichts im Vergleich zum heutigen Verschwinden von Tier- und Pflanzenarten.

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          Natürlich kann man sagen: Auch Arten leben nicht ewig. Die Dinosaurier sind das beste Beispiel. Von ihnen gab es extrem viele, dann kam eine globale Katastrophe, die vermutlich durch einen riesigen Asteroideneinschlag auf der Erde ausgelöst wurde, und bald darauf waren die meisten Dinos verschwunden. Trotzdem lief das Aussterben der Arten damals eher langsam ab, jedenfalls im Vergleich mit dem Aussterben der Tier- und Pflanzenarten von heute. Staub- und Aschepartikel haben die Sonneneinstrahlung damals verringert, das Klima veränderte sich nach und nach. Heute ereignen sich die Veränderungen auf der Erde um ein Vielfaches schneller. Die Lebensräume schrumpfen, weil der Mensch immer mehr davon beansprucht. Auch das Klima verändert sich so schnell, dass die meisten Lebewesen nicht mehr mitkommen. Sie finden nichts zu fressen, leiden an Wassermangel, kommen mit den Temperaturen und den verschobenen Jahreszeiten nicht klar oder erkranken durch die Schadstoffe, die der Mensch hinterlässt. Der Nachwuchs bleibt dann oft aus. Das Allerschlimmste aber ist: Es geht alles einfach zu schnell. Viele Arten sind Spezialisten und haben keine Zeit mehr, sich in ihrem Verhalten anzupassen.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Im Wald zum Beispiel leben heute nur noch halb so viele Tiere wie vor fünfzig Jahren, das ist durch eine große Studie in dieser Woche bekannt geworden. Es betrifft weltweit Vögel, Säugetiere, Amphibien und Reptilien. Auf den Wiesen, in den Bächen und Seen ist das nicht anders, oft sogar noch schlimmer.

          Um das Verschwinden der Insekten und Vögel tatsächlich zu sehen und zu hören, muss man eigentlich nur regelmäßig in die Natur gehen. Donald Trump, der amerikanische Präsident,  kann das nicht sehen. Er hört auch nicht zu. Er geht offenbar nur zum Golfspielen raus. Auf dem Golfgrün aber stirbt keine einzige Art, weil dort überhaupt keine Tiere geduldet werden. Das Artensterben in der Natur kümmert Trump deshalb nicht – und auch, weil ihm jeder Quadratmeter Erde, der nicht vom Menschen bewirtschaftet wird, nutzlos erscheint.

          Deshalb hat er in dieser Woche eine für die Erhaltung bedrohter Arten geradezu skandalöse Entscheidung getroffen: Sein Minister hat angekündigt, ein zentrales Naturschutz-Gesetz aufzuweichen, das seit fast fünfzig Jahren selten gewordene Arten wie den Weißkopfseeadler oder den Buckelwal vor dem Aussterben gerettet hat. Der Vielfraß, auch das eine selten gewordene Art in Nordamerika, droht nun zu verschwinden, weil Firmen leichter Naturflächen für ihre Zwecke nutzen und damit ökologisch zerstören können. Vor allem Unternehmen, die Rohstoffe abbauen, Holz fällen und Gas oder Öl fördern wollen, profitieren davon. Die Bedürfnisse der Arten werden bei der Entscheidung über eine Baugenehmigung jetzt immer weniger berücksichtigt. Ob eine Art gefährdet ist, fällt immer weniger ins Gewicht.

          Heute rechnet man, dass schon eine Million von den insgesamt etwa acht Millionen Arten auf der Erde stark bedroht ist. Mehr denn je. Trotzdem gab es lange Hoffnung: Nach den frühen, großen Umweltskandalen und spätestens seit dem „Erdgipfel von Rio“ vor fast dreißig Jahren war viel mehr über Natur- und Artenschutz geredet worden. Sozusagen auf die Welt gekommen war die Umweltbewegung vor mehr als fünfzig Jahren. Damals ist das Buch „Der stumme Frühling“ erschienen. Die amerikanische Biologin Rachel Carson hat darin über Insektengifte und das drohende Massensterben der Arten geklagt.  Auch das amerikanische Naturschutzgesetz, das jetzt aufgeweicht werden soll, war vom Geist dieser Umweltschützer geprägt. Und im selben Jahr, es war 1973, ist auch das weltweite Artenschutzübereinkommen „Cites“ unterschrieben worden, und zwar von den allermeisten Nationen der Welt.

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          Ende dieser Woche tagen die Cites-Staaten wieder. Diesmal in Genf. Bei diesem Abkommen geht es um stark bedrohte Tiere, die auf dem Weltmarkt gehandelt werden. Also um solche, die Menschen irgendwo auf der Welt wirtschaftlich nutzen – sei es, weil sie wie beim Elfenbein die Stoßzähne der Elefanten vermarkten wollen, weil man Tiere für die Trophäen oder für Leder jagen möchte oder Haifischflossen als Delikatesse schätzt, oder weil Sammler die Tiere gerne in Käfigen oder Terrarien fernab ihrer natürlichen Lebensräume halten möchten. Das gilt zum Beispiel für Frösche und Reptilien. Auch Liebhaberei kann also zum Aussterben von Arten führen. Die Cites-Konferenzen sind deshalb eine der vielen politischen Bühnen, auf denen es mittlerweile buchstäblich ums Ganze geht – nämlich ums Überleben. Positive Nachrichten gibt es leider immer noch viel zu selten von solchen Treffen.

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