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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum Mückenstiche jucken

Einmal Volltanken: Stechmücke auf menschlicher Haut Bild: Picture-Alliance

Auch der schönste Sommerabend kann zum Albtraum werden, wenn um einen herum plötzlich mehr Mücken als Freunde sitzen. Wenn sie stechen, beginnt es zu jucken – auch wenn von den Mücken selbst eher ein Betäubungs- als ein Juckmittel kommt.

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          Mücken sind nervig, gar keine Frage. Ob es das Surren, der Stich oder das Jucken danach ist, das am meisten stört, dazu hat wohl jeder eine andere Meinung. Wie stark ein Mückenstich juckt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. In Deutschland gibt es ungefähr fünfzig Mückenarten, von denen allerdings immer nur die Weibchen stechen. Sie brauchen die Proteine, also ein spezielles Eiweiß, in unserem Blut, um Eier legen zu können. Dafür bohren sie ihren Rüssel in unsere Haut und beginnen, unser Blut einzusaugen. Wäre das alles, würden wir die Stiche wahrscheinlich kaum bemerken. Doch die Mücke hat ein Problem: das Plasma.

          Plasma ist ein Bestandteil unseres Bluts, der schon bei der kleinsten Verletzung Klümpchen bildet, die eine Wunde verschließen und dafür sorgen, dass möglichst wenig Blut austritt. Diese Klümpchen würden den dünnen Rüssel der Mücke verstopfen. Also nutzt sie einen Trick. Bevor sie anfängt, Blut zu saugen, leitet sie ihre Spucke in unsere Blutbahn. Der Speichel der Mücke enthält ebenfalls spezielle Proteine, die den Bereich um den Einstich betäuben und verhindern, dass das Blut Klümpchen bildet. Unser Körper wiederum erkennt die Proteine der Mücke als Fremdkörper und schlägt Alarm. Sofort schickt er Histamin los.

          Dieses Hormon kommt vor allem in Allergie-Zellen vor und ist verantwortlich dafür, dass unser Körper bei einer allergischen Reaktion körperfremde Stoffe abwehren kann. Es sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße weiten und sich im Gewebe um den Stich Flüssigkeit sammelt. Als Botenstoff teilt Histamin dem Gehirn außerdem mit, wo gerade eine allergische Reaktion im Gange ist. Anschließend stimuliert es die Juckfasern. Die funktionieren so ähnlich wie Schmerzfasern, nur transportieren sie statt dem Signal „autsch“ das Signal „es juckt“.

          Das sollte man jedoch besser ignorieren, denn ein aufgekratzter Mückenstich juckt nur noch mehr, außerdem kann er sich durch das Aufkratzen entzünden und eine Narbe bilden. Besser man legt etwas Kaltes auf den Stich. Diese Temperaturveränderung lenkt den Körper vom Juckreiz ab und sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße wieder zusammenziehen und der Mückenstich weniger stark anschwillt. Eine andere Möglichkeit ist ein thermischer Stichheiler. Der sieht aus wie ein Stift mit einer platten Spitze und funktioniert wie beim Frühstückseikochen: Die Spitze wird vorsichtig auf den Stich gedrückt und erwärmt, um das Protein, also das Eiweiß aus dem Speichel der Mücke, zu zerstören. Genau wie beim Frühstücksei werden die Mückeneiweiße durch die Wärme fest und können dadurch in unserem Körper keine Reaktionen mehr auslösen. Eine andere Möglichkeit gegen das Jucken sind Insektenstifte aus der Apotheke. Diese enthalten ein Antihistaminikum, also einen Wirkstoff, der sozusagen als Gegenspieler in unserem Körper dafür sorgt, dass das Histamin nicht mehr wirkt. Denn ohne Histamin lässt auch der Juckreiz nach.

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          Am besten hilft gegen juckende Stellen allerdings immer noch, sich gar nicht erst stechen zu lassen. Aber wie? Lange glaubte man, Mücken würden von Licht angezogen. Stimmt nicht, wissen wir heute. Mücken werden durch Wärme und durch unseren Körpergeruch angelockt. Wenn wir nach einem heißen Sommertag verschwitzt durch die Gegend laufen, finden das die kleinen Plagegeister besonders appetitlich. Neben Schweiß gibt unser Körper über die Haut auch Aminosäuren ab, dazu über die Haut und beim Ausatmen Kohlenstoffdioxid, CO2. Je mehr wir davon ausatmen, umso anziehender wirken wir auf Mücken.

          Was wir ausatmen, können wir leider nicht beeinflussen. Wie wir riechen, schon. Um sich die Quälgeister vom Hals zu halten, hilft gründliches Duschen. Man kann sich auch mit Mückenschutzmitteln einsprühen. Wen die Mücke nicht riechen kann, den sticht sie auch nicht. Mückenschutz sollte man allerdings vor dem ins Bett Gehen wieder abwaschen, damit er nicht über Nacht in die Haut einziehen kann. Ansonsten sind lange Kleidung und Mückenschutzgitter eine prima Sache. Dann kann man auch in Frieden bei offenem Fenster schlafen.

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