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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum manche Erwachsene keine Kinder mögen

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Die kindliche Sorge ist nicht allein ein Phänomen unserer Zeit: Shirley Temple und Claude Gillingwater im Jahr 1938 im Spielfilm „Just Around the Corner“. Bild: Picture-Alliance / Everett Collection

Manche Erwachsene wirken, als würden sie Kinder nicht mögen. Und es gibt Erwachsene, die tatsächlich keine Kinder mögen. Beides kann seine Gründe haben. Die besten Gründe gibt es dafür, sich daraus nichts zu machen.

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          Es gibt ja Erwachsene, die begegnen Kindern und lassen sich sofort auf die Knie fallen, um stundenlang mit Begeisterung Lego zu spielen. Oder sie basteln mit Leidenschaft mit den Kindern. Oder sie erzählen ihnen Geschichten oder toben mit ihnen. Und dann gibt es die Erwachsenen, die das alles nicht wollen. Dann denken die Kinder oft: Der oder die mag uns nicht. Einige wenige Erwachsene sagen sogar selbst über sich, sie würden keine Kinder mögen. Es gibt sogar Cafés, Restaurants und Hotels, in denen Erwachsene unter sich bleiben und Kinder keinen Zutritt haben. Aber warum eigentlich?

          Dazu muss man erst mal wissen, dass nicht alle, die mit Kindern nicht viel anfangen können, sie nicht mögen. Es ist nämlich so, dass sich Erwachsene untereinander ganz anders verhalten als Kinder. Und wenn jemand immer nur mit anderen Erwachsenen zu tun hat und kaum mit Kindern, dann weiß er erst mal gar nicht, wie das mit Kindern noch mal geht. Er ist also unsicher, und wenn wir unsicher sind, gibt es meist zwei Möglichkeiten: entweder wir ziehen uns zurück, oder wir sagen etwas Unpassendes. Bei beidem fühlt das Gegenüber sich nicht besonders gemocht.

          Weil diese Unsicherheit nachlässt, je mehr man mit Kindern zu tun hat, sind manche erst von Kindern richtig begeistert, wenn sie irgendwann eigene haben. Die kennen sie, da wissen sie, wie man sie zum Lachen bringt und wofür sie sich begeistern – das ist dann viel leichter als mit Kindern, die man selten sieht. Es gibt umgekehrt natürlich auch Menschen, die keine eigenen Kinder möchten, aber es lieben, mit ihren Nichten oder Neffen zu spielen.

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          Dann gibt es noch Erwachsene, die sich von Kindern fernhalten, weil sie gern selbst welche hätten und es nicht geklappt hat. Manche von ihnen sind dann traurig, dass ihre Freunde und Verwandten Kinder bekommen haben und sie nicht. Es fühlt sich dann nicht an wie ein Trost, dass sie ab und zu für eine Stunde mit ihnen spielen dürfen, sondern tut weh. Diese Erwachsenen haben mit allen anderen, von denen Kinder denken, dass sie sie nicht mögen, eines gemeinsam: Man kann von außen nicht erkennen, was los ist. Obwohl die einen gern mehr mit Kindern zu tun hätten und die andern gern weniger.

          Bei den wenigen Erwachsenen, die Kinder wirklich nicht mögen, ist es meistens so, dass sie schnell angestrengt oder genervt sind von ihnen. Das sind oft Leute, die es in ihrem Leben gern ruhig und ordentlich haben. Die es nicht mögen, wenn jemand Lärm macht, klebrige Hände hat und über alberne Witze lacht. Also alles, was Kinder ganz prima und normal finden. Viele von diesen Erwachsenen würden Kinder durchaus mögen, wenn die sich benehmen würden wie Erwachsene. Aber das ist ein bisschen viel verlangt. Schließlich benehmen sich auch viele Erwachsene selten wie Erwachsene.

          Was man sich jedenfalls merken sollte, ist dieser Satz: Der hat nichts gegen mich, der findet nur ganz andere Sachen gut als ich. Diesen Satz kann man später im Leben immer wieder brauchen. Weil nämlich auch Erwachsene ziemlich viel Zeit damit verbringen, sich zu fragen, warum der Kollege oder die Bekannte sie nicht mögen. Aber das führt zu gar nichts. Man kann mal überlegen, ob man vielleicht unhöflich war oder den anderen aus Versehen irgendwie verärgert hat. Und wenn die Antwort auf beides nein lautet – dann muss man sich keine Gedanken machen. Es gibt niemanden, der von allen Menschen auf der Welt gemocht wird. Darum geht’s nämlich auch gar nicht im Leben. Es geht darum, ein paar Leute zu finden, mit denen man sich richtig, richtig gut versteht. Ob das drei sind oder zehn oder dreißig, das ist Geschmackssache. Aber es müssen keine fünfzig sein. Also kann man auf den einen oder anderen, der einen nicht mag, getrost verzichten.

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