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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum es Nationalfeiertage gibt

Ein solcher Tag zeigt: Wir gehören zusammen

Mit so einem alten Feiertag kann Indien zwar nicht dienen. Dafür hat das Land als einziges gleich drei nationale Feiertage. Jedes Jahr zelebriert Indien die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich, das Inkrafttreten der ersten indischen Verfassung – und den Geburtstag des „Vaters der Nation“, Mahatma Gandhi. Kein Wunder, dass da die beiden Staaten neidisch werden, die keinen offiziellen Feiertag vorweisen können. In Dänemark gibt zwar den Tag des Grundgesetzes, aber die Leute haben nicht einmal mehr einen halben Tag frei, und in Großbritannien fehlt ein Nationalfeiertag komplett. Es gibt viele Briten, die das ändern möchten, die auch an einem Tag im Jahr ihr Vereinigtes Königreich feiern wollen. Sie wurden in den letzten Jahren immer lauter. Vielleicht wird es also bald einen „Britain Day“ oder einen „UK Day“ geben.

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Das wäre angesichts des Brexits wahrscheinlich gar nicht schlecht, denn ein Nationalfeiertag ist nicht nur eine große Party, er erfüllt auch einen wichtigen Zweck. Staaten bestehen meistens aus vielen unterschiedlichen Regionen, wo Menschen leben, die anders sprechen und andere Gepflogenheiten haben als ihre Landsleute eine Region weiter. Da muss man nur an die Bayern und die Hamburger denken. Ein Tag wie der 3. Oktober ist wichtig, um zu zeigen: Wir gehören alle zusammen, wir haben eine gemeinsame Geschichte und eine gemeinsame Identität, wir sind ein Land. Denn eine starke Gemeinschaft macht auch ein Land stärker.

Ein Tag, zwei Bedeutungen

Aus diesem Grund hatten die DDR und die Bundesrepublik schon Nationalfeiertage, bevor sie wieder zu einem Land wurden. Damals dienten die Feiertage auch der Abgrenzung von dem jeweils anderen System: Die DDR feierte am 7. Oktober den Gründungstag ihrer kommunistischen Republik. Die Bundesrepublik auf der anderen Seite nahm den bedeutendsten Aufstand in der DDR zum Anlass und machte aus dem 17. Juni einen nationalen Feiertag.

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Im Sommer 1953 hatten in der DDR mehrere hunderttausend Arbeiter gegen die sozialistische Diktatur und für freie Wahlen demonstriert. Fast vierzig Menschen starben, weil die Armee versuchte, die Proteste gewaltsam niederzuschlagen. Die Regierung der DDR bemühte sich, die Demonstrationen aus dem Gedächtnis ihres Staates zu löschen, aber die Bundesrepublik feierte den 17. Juni jedes Jahr als Tag der deutschen Einheit. Sie wollte damit die demokratischen Widerstandskämpfer in der DDR würdigen und zeigen, dass Deutschland trotz allem zusammengehörte.

Für die Ureinwohner kein Grund zur Freude

Dabei ist es wichtig, dass eine Nation ihren Feiertag mit Bedacht wählt. Sonst kann das mit dem Stiften einer gemeinsamen Identität nach hinten losgehen. Der 9. November, an dem vor dreißig Jahren in Berlin die Mauer gefallen ist, die Ost- und Westdeutschland, die DDR und die damalige Bundesrepublik, voneinander getrennt hatte, kam deshalb nicht in Frage, weil im Jahr 1938, also im Nationalsozialismus, in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November Tausende Synagogen, jüdische Betstuben, Friedhöfe, Geschäfte und Wohnungen angegriffen, geplündert und zerstört worden sind.

Die Australier gedenken jedes Jahr am 26. Januar der Ankunft der ersten Engländer auf dem ozeanischen Kontinent vor mehr als 300 Jahren. Das Problem: Die Engländer waren nicht die ersten Menschen, die Fuß auf das australische Festland setzten. Die Aborigines waren vorher da und wurden von den englischen Einwanderern jahrhundertelang unterdrückt. Es ist also verständlich, dass die Aborigines ihr Land lieber an einem anderen Tag feiern würden.

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