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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Die Sache mit dem Trampolinspringen

Am Strand, im Garten, in Tobehallen und im Fernsehen: Trampolinspringen ist ein beliebtes Vergnügen. Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 05:36

Am Strand, im Garten, in Tobehallen und im Fernsehen: Trampolinspringen ist ein beliebtes Vergnügen. Bild: Picture-Alliance

Trampolinspringen macht Spaß und ist eigentlich ganz einfach. Aber wie funktioniert es genau? Warum klappt’s manchmal doch auf einmal nicht? Und wie wird ein Sport daraus?

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          Immer mehr Menschen begeistern sich fürs Trampolinspringen. Allerorten eröffnen spezielle Hallen, in denen man sich so richtig austoben kann. Der Fernsehsender RTL feiert das Vergnügen sogar mit einer eigenen Sendung: Auch an diesem Freitagabend hüpfen die Kandidaten in „Big Bounce“ wieder um die Wette durch einen Parcours.

          Jeder, der schon mal auf einem Trampolin gesprungen ist, weiß, wie viel Spaß das macht. Und dass es eigentlich ganz einfach ist. Eigentlich, weil sich eben doch manchmal zeigt, dass es auch schiefgehen kann. Aber wie genau? Was macht es, wenn alles klappt, zum Kinderspaß und was zur olympischen Sportart? Was passiert genau beim Trampolinspringen, mit dem Körper und dem Schwung? Wir haben zwei Leute gefragt, die sich aus unterschiedlichen Gründen damit auskennen: eine Trampolinlehrerin und einen Physiker.

          Lea Windau freut sich über die neue Popularität des Trampolins. Sie verbindet mit ihrem Sport „ein Gefühl von großer Kontrolle“ über sich selbst, „das Gefühl zu fliegen“ und natürlich „ganz, ganz viel Spaß“. Neben einem guten Trampolin kommt es beim Springen auf das Körpergewicht und die Muskelverteilung an. Vor allem die Bauch- , Rücken- und Beinmuskulatur sind gefordert. „Füße, Knie und Rücken müssen schon was aushalten können“, berichtet Windau.

          Mit dem Trampolinturnen, das Lea Windau an der Sporthochschule Köln unterrichtet, haben die spektakulären Hindernisläufe im Fernsehen eher wenig zu tun. Der Reiz der Randsportart, die erst seit dem Jahr 2000 olympisch ist, zeigt sich eher dem geschulten Auge. Bei einem Wettkampf müssen die Athleten zwei Übungen springen: Zu jeder Übung gehören zehn Sprünge und Elemente wie Saltos oder Schrauben. Zuerst kommt eine Pflichtübung und dann die Kür, die nach Ausführung und Schwierigkeit beurteilt wird. Ein Lasermessgerät nimmt die Zeit ab, in der ein Sportler während einer Übung in der Luft ist. „Da können bei einer Übung schon mal zwanzig Sekunden zusammen kommen“, sagt Lea Windau. Auf dem Wettkampftrampolin markieren rote Linien ein Rechteck, aus dem die Sportler nicht herausspringen dürfen. Ein Sturz vom Trampolin ist dramatisch und kommt zum Glück nur selten vor. „Das Verletzungsrisiko nicht höher als bei anderen Sportarten“, sagt sie.

          Ein Training im Verein läuft so ab, dass auf das Aufwärmen erstmal ein Krafttraining mit dem eigenen Körper folgt. Dann springen die Sportler sich ein. Schließlich üben sie ihre Sprünge.

          Das Netz, auf dem sie trainieren, ist zwischen Spiralfedern eingespannt. Sie sind es, die den Menschen auf dem Trampolin in die Höhe schnellen lassen. Kinder kennen solche Spiralfedern zum Beispiel von Kugelschreibern. Das Netz ist aus Nylonfäden gewoben. Bei den rechteckigen Wettkampftrampolinen fallen die Maschen etwas gröber aus als beim runden Gartentrampolin. Außerdem kann man auf Wettkampftrampolinen viel höher springen als auf gewöhnlichen Geräten. Leistungssportler katapultieren sie sogar bis zu zehn Meter hoch in die Luft.

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          Das wird möglich durch die Federkraft der Spiralfedern. Wenn Physiker „Kraft“ sagen, meinen sie etwas anderes, als viele Leute vielleicht denken. Der Physikdidaktiker Thomas Wilhelm von der Goethe-Universität Frankfurt erklärt das so: „Manche halten eine Kraft für etwas, das man haben kann.“ Dabei ist es genau umgekehrt. „Eine Kraft wirkt immer von außerhalb auf eine Person ein“, sagt er. Und beim Trampolinspringen wirken zwei Kräfte: die Federkraft und die Erdanziehungskraft.

          Durch die Federkraft kommt man hoch und durch die Erdanziehungskraft wieder herunter. Im Einzelnen ist das mit der Federkraft beim Trampolin so: Die Spiralfedern dehnen sich, wenn man auf das Netz draufspringt. Und wenn sich dann die Federn wieder zusammenziehen, heben sie das Netz, das den Menschen in die Höhe katapultiert.

          Wenn eine Person das Netz verlässt, wirkt auf sie im Wesentlichen nur noch die Erdanziehungskraft. Durch sie wird der Mensch auf dem Weg nach oben immer langsamer und langsamer. Und wenn er wieder herunterfliegt, wird er wegen eben dieser Kraft immer schneller und schneller. Die Erdanziehungskraft zieht den Menschen an wie alle anderen Massen auch. Warum sich aber alle Massen gegenseitig anziehen, wissen selbst die Physiker nicht. „Das ist immer noch ein Forschungsthema in der Theoretischen Physik“, sagt Wilhelm.

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          Beim Hüpfen können Menschen durch die Federkraft der Erdanziehungskraft ein bisschen trotzen und durch die Luft fliegen. Lea Windau erklärt, wie man am besten springt: „Wer mit leicht gebeugten Knien und einer ansonsten aufrechten Körperhaltung auf dem Trampolin aufkommt, fliegt auch gerade wie ein Pfeil wieder nach oben.“ Zu weit nach vorne oder hinten beugen sollte man sich also nicht, sonst landet man am Ende noch neben dem Trampolin. „Kinder springen meistens schon intuitiv richtig“, sagt Windau. „Wenn sie aufkommen, gehen sie ein bisschen in die Hocke. Und wenn sie nach oben schnellen, versuchen sie sich wieder zu strecken.“

          Beim Hüpfen im Garten und beim Springen in der Turnhalle können Kinder viel lernen. Sie trainieren, Körperteile in Raum und Zeit miteinander zu koordinieren. Außerdem müssen sie ihren eigenen Rhythmus finden, um gleichmäßig und dynamisch zu hüpfen. Beugen sie sich in der Luft zu weit nach vorn, müssen sie reagieren, um wieder auf beiden Füßen aufzukommen. Das Spiel auf dem wackeligen Grund stärkt ihre Orientierungsfähigkeit und ihren Gleichgewichtssinn. Und nicht zuletzt erfordert es Mut, den festen Boden unter den Füßen zu verlassen.

          In der RTL-Sendung „Big Bounce“ kämpft sich ein Kandidat durch den Hüpf-Parcours.

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