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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Ob es unter Schriftstellern einen Sieger geben kann

Hier kann man auch Kunstrichtern bei der Arbeit zusehen: Die Jury für den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 02:25

Hier kann man auch Kunstrichtern bei der Arbeit zusehen: Die Jury für den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Bild: dpa

Ob bei Filmen, Gemälden oder Büchern: Immer wieder werden Künstler zu Preisträgern gekürt, als könnte man ihre Werke wirklich miteinander vergleichen. Gerade in Klagenfurt kann man wenigstens zusehen, wie uneins sich die Kunstrichter sind.

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          Manche Noten im Zeugnis sind schwer zu verstehen. Eine Fünf in Kunst etwa, wenn man sich doch tagelang mit einem Bild abgemüht hat und es einem selbst gefällt, dem Lehrer aber nicht. Der müsste dann eigentlich erklären, was an dem Bild nicht richtig ist, was nicht stimmt – aber gibt es das überhaupt, richtige und falsche Bilder? Wer entscheidet das? Denn anders als in der Mathematik, wo man meist sehr schnell erkennt, ob eine Aufgabe richtig oder falsch gelöst worden ist, kommt es hier auf denjenigen an, dem das Bild – oder ein anderes Kunstwerk wie ein literarischer Text oder ein Musikstück – vorgelegt wird.  

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          In dieser Woche treffen sich wieder viele Menschen, die sich für Literatur interessieren, in der österreichischen Stadt Klagenfurt. Sie hören vierzehn Schriftstellern zu, die drei Tage lang nacheinander ihre Texte vorlesen. Sieben Menschen beurteilen diese Texte und bilden dafür eine Jury, eine Gruppe von Kunstrichtern. Am Ende verleihen sie Preise – einen Hauptpreis, ein paar Nebenpreise. Die meisten der Schriftsteller, die in Klagenfurt vorgelesen haben, gehen dabei leer aus.

          Anders als in anderen Jurys, wo sich die Juroren hinter verschlossenen Türen treffen, ist wenigstens ein Teil der Klagenfurter Jurydiskussion öffentlich. Am Ende entscheiden sie zwar wieder geheim, aber vorher konnten die Schriftsteller und die Menschen im Publikum hören, welche Argumente die Juroren ausgetauscht haben. Manchmal sagen sie dabei Dinge, auf die man selbst nie gekommen wäre, und entdecken in den Texten etwas, das einem selbst verborgen geblieben ist. Manchmal staunt man aber auch, wie blind manche Juroren für manche Texte sind. Oft wird jedenfalls deutlich, wie unterschiedlich Texte auf unterschiedliche Leser wirken.

          Vielleicht ist das viel wichtiger als die Frage, wer am Ende den Preis kriegt (wenn man sich nicht selbst um den Preis bewirbt natürlich). Ein Urteil über einen Text ist nur so lange gültig, wie einem dieses Urteil einleuchtet. In Klagenfurt kann man sich diesem Urteil anschließen oder nicht. Manchmal kann man sogar ein bisschen darüber schmunzeln. So wie man es auch über eine schlechte Note tun sollte, die nach einem Geschmacksurteil entstanden ist, das man selbst nicht nachvollziehen kann.

          Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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