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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wenn man neu angeheiratete Verwandte nicht mag

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Von Familie, mit Familie: Prinz Harry und Meghan Markle Ende November bei der Bekanntgabe ihrer Verlobung Bild: Picture-Alliance

Die Königin von England und der Brautvater ihres Enkelsohns sind kein Einzelfall: Immer wieder kommt es vor, dass Familienangehörige einander nicht mögen, obwohl deren Kinder heiraten. Und dann?

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          Am Samstag heiraten in London der englische Prinz Harry und die amerikanische Schauspielerin Meghan Markle. Damit wird nicht nur Meghan, sondern ein bisschen auch ihre Familie auf einmal zu Verwandten der Royals, also der britischen Königsfamilie. Während sich aber Harry und Meghan einander ganz bewusst ausgesucht haben, weil sie sich lieben, kann man das von deren Familien nicht gerade behaupten: Die sind jetzt einfach verwandt, obwohl sie das nie wollten. Meghans Vater hat sich sogar bei der Queen schon richtig unbeliebt gemacht, weil er mit Tricksereien versucht hat, durch die  Hochzeit seiner Tochter Geld zu verdienen. Das ist peinlich!

          Katrin Hummel

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Leider kommt es gar nicht so selten vor, dass durch eine Hochzeit auf einmal Leute zur Familie gehören, mit denen man lieber nicht verwandt wäre. Es gab sogar vor über dreißig Jahren mal eine Fernsehserie, die sich mit dem Thema beschäftigt hat. Sie heißt „Ich heirate eine Familie“, und darin verschweigt eine Frau ihrem neuen Partner zunächst, dass sie Kinder hat – weil sie Angst hat, dass ihn das abschrecken könnte. Als er von ihnen erfährt, entschließt er sich aber trotzdem, die Frau und mit ihr ihre ganze Familie zu heiraten.

          Im wirklichen Leben sind leider nicht alle Menschen so tolerant – und manchmal passen Menschen ja auch wirklich nicht gut zueinander. Wenn Eltern einen Sohn oder eine Tochter haben, die jemanden heiratet, dessen oder deren Familie die Eltern nicht mögen, haben sie eigentlich nur eine vernünftige Möglichkeit: Möglichst wenig Zeit mit den neuen Verwandten zu verbringen und, wenn es doch mal sein muss, tapfer die Zähne zusammenzubeißen. Denn nur, weil man jemanden nicht sympathisch findet, muss das ja nicht gleich bedeuten, dass man diesen Menschen nicht respektieren kann, wenn ein Treffen unvermeidlich ist.

          Bestimmen können Eltern darüber nicht

          Anders sieht es im Vorfeld einer Hochzeit aus: So lange das Kind noch nicht geheiratet hat, können seine Eltern oder Geschwister ruhig ehrlich sagen, was sie an den Eltern oder Geschwistern dieses Menschen stört. Wichtig ist, dass sie nicht einfach rumjammern, sondern sachlich und in einem ruhigen Ton reden. Und sie sollten sich auch bewusst machen, wie ihre eigenen Vorlieben und Abneigungen zustande gekommen sind. Dann werden sie nämlich eventuell merken, dass sie Vorurteile haben. Dass sie also zum Beispiel denken: „Diese Familie wohnt in einem tollen Haus mit großem Garten und Swimmingpool, und wir nicht, also muss diese Familie sich als was Besseres fühlen als wir.“ 

          Wenn Eltern oder Geschwister solche Gedanken offen äußern, dann kann der Mensch, der heiraten will, das besser annehmen. Und im Zweifel sagen: „Ich tue trotzdem, was ich für richtig halte.“ Die Eltern müssen das dann respektieren, denn sie können nicht über ihre erwachsenen Kinder bestimmen, sondern müssen zulassen, dass die ihren eigenen Weg gehen und in gewissen Punkten ganz andere Vorstellungen haben als sie selbst. Wenn sie das nicht tun und ihrem Kind vorschreiben wollen, in welche Familie es einheiraten soll, dann führt das beim Kind nur zu erbitterter Gegenwehr.

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          Früher war das alles ganz anders. Noch vor hundert Jahren war es gang und gäbe, dass Eltern über die Partnerschaften ihrer Kinder entschieden haben. Denn je nachdem, wen die Kinder heirateten, kam das – zum Beispiel, wenn eine Tochter einen Bauernsohn wählte, dessen Eltern viel Land besaßen – im Idealfall der ganzen Herkunftsfamilie zugute. Oft ging es damals wirklich nur ums Geld. Heute spielen auch andere Argumente eine Rolle – zum Beispiel die Bildung. Prinzipiell ist es aber so, dass Eltern sich möglichst mit ihrer Einschätzung zurückhalten sollten. Denn wenn zwei Menschen sich lieben, wissen sie meist selbst am besten, was gut für sie ist. Und ob die Eltern damit klarkommen, ist dann gar nicht so wichtig.

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