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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wie man Weihnachtsgeschenke umweltfreundlich verpacken kann

Schon selbst ein Geschenk: Einpackpapier aus den dreißiger bis fünfziger Jahren auf einem Markt in St. Petersburg, Florida Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 05:33

Schon selbst ein Geschenk: Einpackpapier aus den dreißiger bis fünfziger Jahren auf einem Markt in St. Petersburg, Florida Bild: Picture-Alliance

Wer seine Weihnachtsgeschenke auf herkömmliche Weise verpackt, tut der Umwelt keinen Gefallen. Dabei gibt es eine ganze Reihe guter Ideen, Glitzerpapier und Plastikschleifen zu ersetzen – aus der Natur und aus fernen Ländern.

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          Weihnachtsmänner, Engel, Schneeflocken, Sternchen, Elche, Einhörner – im gesamten Wohnzimmer verteilt. Jedes Jahr an Weihnachten dasselbe: Oft nur wenige Stunden, nachdem wir uns kurz vor der Bescherung hingesetzt haben, um noch schnell die Socken für Mama einzupacken, liegt das Geschenkpapier mit allem, was darauf abgebildet ist, schon wieder unbeachtet auf dem Boden. Neben all dem anderen Geschenkpapier. Und das in unzähligen Wohnungen, in jedem Dorf, jedem Viertel, jeder Stadt, in Dutzenden Ländern.

          Ein ungeheurer Papierverbrauch. Alles für die wenigen Sekunden, in denen wir das Geschenk in der Hand halten, tasten, schütteln und horchen, was drin sein könnte, und es dann aufreißen. Und es ist ja nicht gerade so, dass wir ansonsten immer weniger Papier verwenden würden. Obwohl wir ja alle eigentlich immer digitaler geworden sind, ist der Papierverbrauch in Deutschland pro Kopf seit 1991 von siebzig Kilogramm pro Jahr auf 243 Kilogramm gestiegen. Papier herzustellen verbraucht Unmengen an Holz, Wasser und Energie. Fast jeder zweite Baum, der gefällt wird, um daraus etwas herzustellen, wird zu Papier weiterverarbeitet.

          Wir sollten darauf achten, Papier einzusparen. Auch an Weihnachten. Oder wir sollten hier zumindest nur Geschenkpapier kaufen, das aus Altpapier hergestellt wurde. Um recyceltes Papier herzustellen, wird gegenüber Papier aus frischen Fasern nur etwa die Hälfte der Energie und nur ein Drittel der Wassermenge benötigt. Für recyceltes Papier müssen außerdem keine Frischfasern importiert werden. Die haben oft den Weg aus Brasilien hinter sich. Das ist nicht nur deswegen ein Problem, weil der Transport nach Deutschland so viel Energie verschlingt: Sehr oft kommt dann das Holz für die Papierproduktion aus Urwaldgebieten. Dort werden Bäume gefällt, damit bei uns Geschenke hübsch verpackt werden können. Wer allerdings beim Geschenkpapier-Kauf auf das Umweltzeichen „Blauer Engel“ achtet, geht sicher, dass für die Herstellung nur Altpapier verwendet wurde.

          Noch viel besser für die Umwelt ist es aber, wenn wir Geschenkverpackungen verwenden, die wir nicht extra kaufen müssen. Vieles, was das herkömmliche Geschenkpapier ersetzen kann, haben wir nämlich oft schon irgendwo zu Hause in der Wohnung. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt. Denn neben der guten, alten Zeitung eignen sich auch veraltete Landkarten und Stadtpläne oder Packpapier aus Post-Paketen. Auch das Papier, in dem Schuhe in Schuhkartons eingewickelt sind, lässt sich verwenden. Gerade wenn man Packpapier mit Absicht zerknittert, sieht es, verziert mit Trockenblumen und Bast als Ersatz für die klassische Geschenkschleife, ziemlich gut aus. Statt Trockenblumen zu kaufen, ist es natürlich noch besser, vor dem Geschenkeeinpacken im Wald hübsche Blätter, Zweige oder Misteln zum Verzieren zu sammeln.

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          Man kann Geschenke aber auch in etwas anderem als Papier überreichen. Wer ein Geschenk in Tüchern oder Stoffresten bekommt, kann die danach einfach für das nächste Geschenk verwenden. In Japan haben solche Tücher sogar einen Namen: Furoshiki. Die können auf viele verschiedene Arten gebunden werden und sind ein echter Hingucker unterm Weihnachtsbaum. Eine kurze Internetsuche genügt, um Anleitungen dafür zu finden.

          Von einer überklebten und bemalten leeren Chips-Röhre bis hin zu Einmachgläsern gibt es aber auch unendlich viele andere Möglichkeiten. Zumindest solange wir nicht zusätzliche Energie verbrauchen, um Ersatz für Geschenkpapier zu finden. Es wäre zum Beispiel umweltfreundlicher, altes Geschenkpapier, das noch im Keller liegt, zu benutzen, als sich extra ins Auto zu setzen und zwanzig Kilometer zu fahren, um im Kaufhaus nach alten Schuhkartons zu fragen.

          Wir sollten jetzt auch nicht mehr Chips als sonst essen oder – dann hätten wir es ganz falsch verstanden – mehr Pakete bestellen, um mehr Verpackungsmaterial zu haben. Es wäre auch nicht die beste Idee, Einmachgläser extra für das Geschenk zu besorgen. Denn es könnte ja auch sein, dass die nach Weihnachten nie wieder benutzt werden, irgendwo auf einem Regal einstauben und beim nächsten Ausmisten weggeschmissen werden. Dann wäre Glas verschwendet, das noch aufwendiger herzustellen ist als Geschenkpapier. Und wir hätten alles nur verschlimmbessert.

          Und auch wenn die Verpackung noch so umweltfreundlich ist – am besten wäre es für die Umwelt ja eigentlich, wenn Geschenke gar nicht eingepackt würden. Das mag erst einmal verrückt klingen. Haben wir doch alle von Kind auf gelernt, dass Geschenke bis ganz zum Schluss eine Überraschung sind. Und bei den meisten kann es ja so bleiben, wenn wir uns um umweltfreundliche Alternativen zum herkömmlichen Geschenkpapier bemühen. Aber vielleicht sehen manche Geschenke ja auch ohne Verpackung, nur mit Blättern, Tannenzweigen oder Blumen verziert, unterm Weihnachtsbaum schon ziemlich toll aus. Wir könnten uns ja auch überlegen, wie es trotzdem bis zur Bescherung ein Geheimnis bleibt, was wir verschenken. Wer sagt, dass sich Traditionen nicht ändern können? Es wäre ein zusätzliches Weihnachtsgeschenk – an die Umwelt. Und damit an uns alle.

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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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