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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was wir über die Zukunft wissen können

Holzweg Hellseherei: Der Blick in die Kugel sieht eindrucksvoll aus, ergibt aber nur Erfundenes. Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 06:31

Holzweg Hellseherei: Der Blick in die Kugel sieht eindrucksvoll aus, ergibt aber nur Erfundenes. Bild: Picture-Alliance

Auch wenn Hellseherei, Wahrsagerei und Prophezeiungen nicht dazugehören: Es gibt Wege, etwas über die Zukunft sagen zu können – mit einem Blick in die Vergangenheit und mit Mathematik.

          3 Min.

          Der Mensch sieht gerne in die Zukunft. Ganz genau zu wissen, was morgen kommt, wem würde das auch nicht gefallen? Das macht Spaß, und wenn wir es geschickt machen, könnten wir reich werden damit. So eine Kristallkugel für den Blick voraus wäre schon extrem wertvoll, keine Frage. Leider funktioniert die Zukunftsvorhersage offenbar noch nicht so gut. Die reichsten Menschen der Welt sind jedenfalls keine Wahrsager.  Zukunftsforscher sind auch nicht reich, aber immerhin arbeiten sie mit Methoden, die auf einem gesicherten Wissen aufbauen. Sie spüren Trends auf. Sie lernen aus der Vergangenheit und sie versuchen das Chaos der wirklichen Welt zu verstehen, ehe sie sich an Vorhersagen wagen.  Wahrscheinlich gibt es so etwas wie Zukunftsforscher, seit es Menschen gibt. Ganz einfach, weil wir besser vorbereitet und erfolgreicher sein können, wenn wir nach vorne blicken.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          „Wer nicht an die Zukunft denkt, der wird bald große Sorgen haben.“ Das stammt von dem chinesischen Philosophen Konfuzius, und vielleicht steckt darin der wahre Grund, warum der Mensch ungern einfach in der Gegenwart lebt und mit seinen Erinnerungen. A propos: Das Gehirn arbeitet übrigens genauso wie die Zukunftsforschung. Unsere Erinnerungen sind nicht deshalb im Gedächtnis gespeichert, weil wir da oben drin gerne in Nostalgie schwelgen. Nein, viele, die meisten Erinnerungen sogar, werden immer wieder abgerufen, weil sie uns helfen, die Zukunft zu planen und besser in der Zukunft zurecht zu kommen.

          Das heißt nicht, dass wir damit mehr über die Zukunft wissen. Wir sind nur besser vorbereitet. Wenn wir wenigstens ungefähr etwas über die Welt von morgen wissen wollen, dann nützt es uns natürlich, möglichst viel darüber zu wissen, wie die Welt aufgebaut ist, wie sie funktioniert. Und dafür haben wir die Wissenschaft und ihre Instrumente. Nehmen wir das Klima. Wenn wir heute wissen wollen, wie warm es ist in der Zeit, wenn einmal unsere Enkel die Erde bewohnen, dann gibt es ganz viele Faktoren, von denen das abhängt. Und ganz viele davon kennt man ziemlich exakt, sie sind Physik: Die Bahn der Erde um die Sonne und damit die Sonneneinstrahlung zum Beispiel. Wir haben in der Physik und in den mehr als vierhundert Jahren seit Galileo Galilei, Johannes Kepler und den anderen großen Naturforschern auch in der Astronomie so viel Wissen über die Planeten und Sonnen angehäuft, dass die Strahlung der Sonne sehr gut bekannt ist. Auch was Meeresströme und Luftströmungen regelt, wie die Gase in der Luft entstehen und verschwinden, welche  Rolle der Boden, die Pflanzen und die Meere spielen – über all das wissen wir schon viel.

          Nicht nur das: Die Wissenschaft hat es in der Sprache der Mathematik so in Formeln gepackt, dass man damit im Computer das Klima quasi nachbauen  kann. Wir können das Klima simulieren. Wie gut wir das können, zeigt sich daran, ob wir das Erdklima im Mittelalter oder noch früher simulieren können. Um zu wissen, wie das Klima war, brauchen wir auch wieder ein Gedächtnis: In Baumringen, Tropfsteinhöhlen oder in den Ablagerungsschichten am Grund von Seen, auch in der chemischen Zusammensetzung von Gesteinen kann man viel erfahren, ob es damals kalt, heiß oder eher nass war. Unsere Natur ist voll von Klimaarchiven, die fast so genau wie ein Fieberthermometer funktionieren.

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