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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum wir den Regenwald brauchen

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Wenn ein Ökosystem zerstört wird, kann es nicht so einfach wiederhergestellt werden: Jaguar in Mexiko. Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 04:23

Wenn ein Ökosystem zerstört wird, kann es nicht so einfach wiederhergestellt werden: Jaguar in Mexiko. Bild: AFP

Der Amazonas-Regenwald brennt. Das ist nicht nur schlecht für unsere Luft in Europa. Auch die Menschen vor Ort schaden sich nur selbst, wenn sie ihren Wald anzünden.

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          Viele Menschen nennen den Amazonas-Regenwald die „grüne Lunge der Welt“. Das liegt daran, dass Bäume giftiges CO2 in Sauerstoff umwandeln. Und den brauchen wir zum Atmen. CO2 kommt zum Beispiel durch Autos, Flugzeuge oder auch Fabriken in die Umwelt. Und der große Amazonas-Regenwald kann besonders viel CO2 aufnehmen. Der gute Nebeneffekt: gleichzeitig entlässt der Wald wieder eine große Menge an Sauerstoff. Diese Luft kommt uns auch in Europa zugute, obwohl der Amazonas weit weg in verschiedenen Ländern Südamerikas liegt.

          Das Gebiet ist allerdings bedroht. In Brasilien zerstören zahlreiche Brände große Teile des Waldes. Oft werden die Feuer von Bauern absichtlich gelegt. Die Landwirte benutzen die freien Flächen, in denen zuvor Flammen gewütet haben, um Rinder zu halten und Pflanzen anzubauen. Wo vorher bunte Vögel durch die Baumwipfel flogen und Jaguare durch das Unterholz schlichen, grasen später Rinderherden auf eintönigen Wiesen. Die Rinderzucht oder auch der Anbau von Nutzpflanzen wie Soja versprechen viel Geld. Deswegen unterstützt auch die Politik in Brasilien die Zerstörung des Regenwaldes. Und Brasilien steht nicht alleine da. Im Nachbarland Bolivien passiert dasselbe. Menschen überall auf der Erde sorgen sich darum, dass der schrumpfende Regenwald das Weltklima gefährdet.

          Die Verantwortlichen für die Brände denken dabei aber nicht daran, dass sie den Regenwald selbst brauchen. Für die Landwirtschaft braucht man nämlich Wasser – und das muss irgendwo herkommen. Bäume nehmen nicht nur Wasser auf, sondern geben es über ihre Blätter wieder in die Luft ab. Dieser Vorgang heißt Transpiration oder auch Verdunstung. Ein einzelner Baum kann mehrere hundert Liter Wasser pro Tag verdunsten. Das in die Luft abgebende Wasser kommt irgendwann natürlich wieder zurück zur Erde – der Wald macht seinen eigenen Regen. Je mehr Bäume sterben und je größer die freien Flächen werden, desto weniger regnet es. Viehbauern müssen teilweise schon Wasser ankarren, damit ihre Rinder etwas zu trinken haben. Und das nur, weil es wegen des fehlenden Regenwaldes zu trocken wird. Auch den übrig gebliebenen Bäumen schadet die Trockenheit.

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          Außerdem lässt sich auf den abgeholzten und verbrannten Flächen nichts langfristig anbauen. Es gibt so wenige Nährstoffe in den Böden, dass sie meistens für nur wenige Jahre benutzt werden können. Irgendwann wächst nichts mehr darauf und neue Flächen müssen her. Der Wald ist dann unwiederbringlich zerstört.

          Und mit ihm seine Bewohner: Im Amazonas-Regenwald leben so viele verschiedene Tiere und Pflanzen, dass Wissenschaftler davon ausgehen, jede zehnte Art auf der Erde komme dort vor. Viele Arten sind noch nicht einmal entdeckt worden. Alle Kreaturen zusammen geben dem Regenwald eine Atmosphäre, die sich anfühlt, als würde man einen eigenen, lebendigen Raum betreten. Von allen Seiten rufen und singen Tiere, das feuchte Klima ist allgegenwärtig. Die Regenwald-Bewohner sind voneinander abhängig, sie bilden ein System. Daher der Name Ökosystem. Zum Beispiel fressen Tapire die Früchte von Pflanzen und breiten so ihre Samen aus. Und wenn ein solches Ökosystem zerstört wird, kann es nicht so einfach wiederhergestellt werden. In Deutschland spricht man oft von Aufforstung, wenn neue Wälder angepflanzt werden. Der Amazonas-Regenwald existiert seit vielen Tausend Jahren. Die zahlreichen Tiere und Pflanzen, die sich in dieser Zeit entwickelt haben, lassen sich nicht so einfach wieder zurückbringen, ist das Ökosystem Regenwald einmal zerstört.
          Es ist zwar eine gute Idee, den Wald wieder aufzuforsten. Aber das, was den Regenwald ausmacht, bringt ihn nicht zurück.  

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