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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum es Mädchen- und Jungsfarben gibt

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Es gibt Menschen in Unternehmen, die sich damit beschäftigen, wie ein Produkt aussehen und präsentiert werden muss, damit es möglichst viele Menschen kaufen. Diese Abteilung nennt sich „Marketing“. Marketing-Forscher haben herausgefunden, dass es sich für Unternehmen lohnt, wenn sie für Mädchen und Jungs verschiedene Spielsachen herstellen und sie verschieden präsentieren, weil sie dann mehr verdienen. Wenn Bagger nur für Jungs vorgesehen sind und Puppen nur für Mädchen, dann kauft eine Mutter für ihren Sohn und ihre Tochter beides. Eigentlich könnten sie sich ja eine Spielsache teilen oder weitergeben, wenn das ältere Geschwisterchen schon zu alt dafür geworden ist.

Auf den ersten Blick ist es natürlich nicht schlimm, dass viele Mädchen lieber mit Puppen spielen und viele Jungs lieber mit Baggern. Aber dass es so ist, hat eben auch was damit zu, dass Mädchen und Jungs es nicht anders kennen. Und nur, weil das die gängige Vorstellung ist, heißt das noch lange nicht, dass sie immer stimmt. Denn es gibt auch Jungs, die die Farbe Pink mögen und Mädchen, die lieber mit der Carrera-Bahn spielen als mit Puppen – und daran ist nichts falsch. Genau das deuten die Werbung und die Verpackung für solche Produkte aber an. Sie transportieren indirekt die Botschaft: „Das ist nicht für dich, weil du ein Mädchen bist!“

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Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass manche Kinder andere Kinder auslachen und mobben, weil sie ihre Vorlieben für Spielsachen komisch finden oder ihre Klamotten als nicht passend bewerten. Deswegen passen sich viele Kinder lieber an oder überlegen erst gar nicht, ob sie nicht vielleicht auch die Spielsachen, die angeblich für das andere Geschlecht sind, interessant finden könnten.

Für manche ist das besonders schwer. Es gibt nämlich auch Kinder, die biologisch gesehen zwar Mädchen sind, sich aber eigentlich eher als Junge fühlen, und andersherum. Für solche Menschen ist es sehr schwierig, einen Platz in dieser stark in männlich und weiblich geteilten Welt zu finden. Ihnen schlägt, auch von Gleichaltrigen, viel Missverständnis entgegen. Vielleicht mag ein Kind, das sich als Junge fühlt, auch wenn es biologisch gesehen ein Mädchen ist, keinen pinken Glitzerpulli tragen, sondern lieber ein grünes Hemd. In diesem Fall wäre es hilfreich, wenn es mehr Produkte gäbe, die nicht für ein bestimmtes Geschlecht gemacht werden.

Auch sonst kann diese Einteilung in Mädchen und Jungs darin behindern, ihre Interessen herauszufinden. Denn wenn Mädchen gar nicht erst dazu kommen, mal mit Robotern oder Autos zu spielen, wieso sollten sie sich später dafür interessieren, echte Roboter oder Autos zu bauen? Natürlich spielen in die spätere Entscheidung, welchen Beruf man ausüben möchte, noch viele andere Dinge hinein. Doch weil es noch viel mehr Erwartungen an Jungs und Mädchen in einer Gesellschaft gibt, wie sie sich verhalten sollen und was richtig für sie sei, müssen die Spielsachen ja nicht auch noch dazu beitragen.

Auch Erwachsene denken übrigens in dieser Einteilung – sie sind es ja auch in der Regel, die Spielsachen und Klamotten für ihre Kinder einkaufen. Deshalb sorgen Menschen wie der britische Popstar Harry Styles auch immer noch für Aufsehen, wenn sie etwas Ungewöhnliches anziehen. Auf dem Cover der amerikanischen Modezeitschrift „Vogue“ trug Styles im vergangenen Jahr ein Kleid, und das, obwohl er ein Mann ist. Das wurde in der Erwachsenen-Welt stark diskutiert. Wenn man länger drüber nachdenkt, war daran aber eigentlich überhaupt nichts schlimm. Wem tut das schon weh, wenn ein Mann sagt: „Das Kleid gefällt mir, das trage ich einfach“? Styles selbst hat sich aus freien Stücken dazu entschieden, etwas Ungewöhnliches zu machen. Und weil es so ungewöhnlich ist, finden wir das erst mal komisch. Das ist eine ganz normale Reaktion. Der Popstar aber schadet damit niemandem – genauso, wie ein Mädchen niemandem schadet, wenn es lieber mit Baggern als mit Puppen spielt.

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