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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum die Katastrophe von Moria passieren konnte

All das hat dazu geführt, dass die Zahl der Flüchtlinge in Moria lange immer weiter gewachsen ist. Manche sagen deshalb, es sei der griechischen Regierung ganz recht, wenn dort so schlimme Zustände herrschen. Denn das halte viele Flüchtlinge in der Türkei vielleicht davon ab, sich auf den Weg nach Lesbos zu machen: das Lager Moria als Abschreckungsmaßnahme.

Doch auch die EU trägt eine gehörige Mitschuld an der Lage. Seit 2016 hat sie viel weniger syrische Flüchtlinge aus der Türkei aufgenommen als ursprünglich vereinbart. Genau das ist aber der wichtigste Punkt: Viel zu viele Politiker in Europa, die in schönen Sonntagsreden über Mitmenschlichkeit und Solidarität sprechen, sind eigentlich überhaupt nicht bereit, Verantwortung für Menschen in Not zu übernehmen. Sonst würden sie nämlich eine größere Zahl von Flüchtlingen bei sich aufnehmen. Vor allem die deutsche Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bemüht sich deshalb schon seit Jahren, einen gerechten Verteilmechanismus für die Flüchtlinge und Migranten zu erreichen, um die Last gleichmäßig unter allen EU-Ländern aufzuteilen. Wenn Mittelmeerländer wie Griechenland oder Italien nicht mehr fast alle Flüchtlinge und Migranten alleine aufnehmen und versorgen müssten, sondern alle 27 Mitgliedsstaaten je nach ihrer Größe, wären Lager wie Moria nicht mehr so überfüllt. Dann könnten die Menschen dort auch in besseren Verhältnissen auf ihre Asylentscheidung warten. Aber diese Verteilung lehnen vor allem Länder wie Ungarn, Tschechien oder Polen kategorisch ab. Auch in Ländern wie Frankreich oder Deutschland machen Parteien wie der Front National oder die AfD immer wieder Stimmung gegen die Aufnahme von Flüchtlingen und Migranten.

Lieber schnell umschalten auf die Sportschau

Es ist ein alter Reflex: Wie nach jeder erschütternden Meldung über gekenterte Flüchtlingsboote im Mittelmeer fordern auch nach dem Brand von Moria wieder viele Politiker, jetzt müsse Europa helfen, dieses Mal aber wirklich! Zum Beispiel, indem ein Land wie Deutschland mehrere tausend Asylbewerber vom griechischen Festland aufnimmt. Das ist aller Ehren wert – aber es steht zu befürchten, dass diese Solidarität schnell vergessen ist, wenn Moria wieder aus den Hauptnachrichten verschwindet. Die EU tut sich schwer mit der Solidarität. Das zeigt schon die Tatsache, dass Angela Merkel und der französische Präsident Macron sich am Donnerstag mit anderen EU-Ländern vorerst nur darauf einigen konnten, 400 unbegleitete Minderjährige aus Moria aufzunehmen.

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Das ist der tragischste Grund von allen, warum es den Menschen in Moria so schlecht geht: Weil Europa sich viel zu lange vor seiner Verantwortung gedrückt hat. Und weil vielen die eigene Bequemlichkeit im Zweifel näher ist als das Schicksal namenloser Flüchtlinge in einem fernen Lager in Griechenland. Das gilt übrigens nicht nur für manche Politiker, sondern auch für viele von uns Bürgern. Wenn wir im Fernsehen Bilder aus einem Flüchtlingscamp sehen, dann finden wir das einen Moment lang ganz furchtbar – und danach schalten wir um auf die Sportschau und haben die Bilder schon wieder vergessen.

Den Menschen von Moria ist aber nicht damit geholfen, wenn wir jetzt, nach dem Brand, für ein paar Tage entsetzt sind. Sondern nur, wenn uns ihr Schicksal an keinem Tag egal ist.

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