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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wann eigentlich Weihnachten ist

Mehr als fünfhundert Jahre alt ist diese Krippenszene, deren Künstler man nicht namentlich kennt und deshalb „Meister des Hausbuchs“ nennt. Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 07:06

Mehr als fünfhundert Jahre alt ist diese Krippenszene, deren Künstler man nicht namentlich kennt und deshalb „Meister des Hausbuchs“ nennt. Bild: Picture-Alliance

Die einen feiern am 24. Dezember Weihnachten, die anderen am Tag danach, und wieder andere sogar erst zwei Wochen später: Ausgerechnet bei einem unserer größten Feste gibt es ein großes – und interessantes – Durcheinander.

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          Wann Weihnachten ist? Blöde Frage, klar Fall, werden jetzt alle rufen, am 24. Dezember. Aber so klar ist das gar nicht. Es gibt nämlich Länder gleich nebenan, in denen wird Weihnachten erst am 25. Dezember groß gefeiert. Und Länder, ein bisschen weiter weg, in denen Weihnachten sogar erst am 7. Januar gefeiert wird. Wie kann es sein, dass sich die Leute da nicht einig sind, bei einem so großen und wichtigen Fest, an dem die Christen die Geburt Jesu feiern und viele, viele Menschen mehr einfach so, mit ihrer Familie oder ihren Freunden?

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Das liegt daran, dass Jesus vor über zweitausend Jahren geboren wurde. Und zwar – jeder, der die Weihnachtsgeschichte kennt, weiß das – unter furchtbaren Bedingungen: auf Reisen, ohne Hilfe von Ärzten oder Hebammen, nicht einmal in einem richtigen Haus, sondern in einem Stall. Und selbst damit, dass sie in diesem Stall unterkommen konnten, hatten Maria und Josef noch Glück gehabt. Heute wird es bei uns gleich amtlich aufgeschrieben, wenn ein Kind auf die Welt gekommen ist, wer die Eltern sind und wie es heißen soll. Das war aber nicht immer so, erst recht nicht bei Kindern einfacher Leute wie einem Zimmermann und seiner Frau unterwegs.

          Dass Jesus einmal so wichtig werden würde, hat damals ja noch kaum einer gewusst: Maria hat es schon einige Zeit vor der Geburt von einem Engel gesagt bekommen, und die Hirten, die dann zur Krippe geeilt sind, haben es danach gleich von einer ganzen Engelsschar erzählt bekommen. Aber als sie es dann weitererzählt haben, haben sie das Datum ganz sicher nicht miterzählt. Einige von ihnen wussten bestimmt nicht einmal, welchen Tag sie hatten, die meisten konnten wohl nicht lesen und schreiben, und überhaupt hat man die Tage und Monate und Jahre damals noch ganz anders gezählt als heute. Das macht das alles natürlich etwas kompliziert.

          Bild: F.A.Z.

          Es hat noch ein paar hundert Jahre gedauert, bis ein Mönch im Jahr 525 den Vorschlag gemacht haben soll, bei der Jahreszählung mit der Geburt Christi noch einmal von vorne anzufangen. Vorher haben die Menschen zum Beispiel von der Gründung der Stadt Rom an gezählt oder vom Herrschaftsbeginn ihres Königs. Wenn man das Geburtsjahr Jesu allerdings mit dem heutigen Wissen nachrechnet, ist da irgendwie der Wurm drin, und Jesus müsste eigentlich im Jahr 2 oder 1 vor oder im Jahr 1 nach Christi Geburt geboren worden sein. Dabei ist König Herodes, der ihn gleich nach der Geburt, so sagt die Bibel, töten lassen wollte, selbst schon im Jahr 4 vor Christi Geburt gestorben. Und Quirinus, der zur Zeit der Geburt „Landpfleger von Syrien“ war, wie es in der biblischen Weihnachtsgeschichte heißt, damit die Leute eine Ahnung haben, wann das alles passiert sein soll, hatte dieses Amt erst in den Jahren 6 und 7 nach Christi Geburt. Hier stimmt also etwas nicht.

          Für Reisende in Bethlehem

          Aber die Jahreszahl war ja auch gar nicht unsere Frage, sondern die nach dem Tag. Es waren Kirchenväter, also Leute, die vor Jahrtausenden großen Einfluss in Glaubensfragen hatten, die auf die Idee gekommen waren, Weihnachten zu feiern. Ursprünglich wohl als Fest für die Leute, die ins Heilige Land gepilgert sind, also eine Glaubensreise in die Gegend gemacht haben, in der Jesus gelebt haben soll.

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