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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum es Streit über Weihnachtswünsche geben kann

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Staunende Kinderaugen: ein Weihnachtsgeschenk für Erwachsene Bild: Picture-Alliance

Sich etwas zu wünschen, ist für die meisten Kinder eine ganz einfache Sache. Und Weihnachten ist dafür eine ausgezeichnete Gelegenheit. Warum es trotzdem mitunter kompliziert ist mit den Geschenken und wie man da rauskommt.

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          Wie geht das denn? Da soll man sich was wünschen, weil es zu Weihachten doch nun mal Geschenke gibt, und dann wird an den Wünschen herumkritisiert? Kaum ist klar, dass der Weihnachtsmann oder das Christkind weniger mit den Päckchen unterm Tannenbaum zu tun haben, als früher erzählt wurde, wird es für Kinder kompliziert. Mit dem, was sie selber verschenken, aber auch mit dem, was sie bekommen.

          Denn natürlich darf sich grundsätzlich jeder wünschen, was er will. Das wäre ja auch noch schöner, wenn man auch beim Wünschen gesagt bekommen würde, was ein richtiger Wunsch ist und was ein falscher. Aber so etwas gibt es eben doch, egal ob klar ausgesprochen, verlegen herumgedruckst oder nur durch einen gequälten Gesichtsausdruck gezeigt: Weihnachtswünsche, die irgendwie nicht passen. Die unangemessen sind.

          Meistens haben dann Kinder das Gefühl, mit ihrem Wunsch etwas falsch gemacht zu haben. Dabei haben oft genug die Erwachsenen verpasst, sich genauer zu überlegen und sorgfältiger zu sagen, wie das mit den Weihnachtswünschen am besten gemacht wird.

          Wenn zum Beispiel die Großeltern fragen, womit sie ihrem Enkelkind eine Freude machen können, geht es natürlich erst einmal um nichts anderes als um das Bedürfnis, etwas Passendes, Schönes zu schenken. Und um die Bitte um Hilfe bei der Auswahl, denn Großeltern sind oft eben nicht so vertraut mit dem, was für das jeweilige Enkelkind das gerade Passende ist.

          Aber dann geht es auch darum, ob ein Geschenk zu den Großeltern passt. Sie sollten idealerweise ja auch etwas mit dem anfangen können, worüber sich ihr Enkel freut. Die Eltern des Kindes sollten damit einverstanden sein. Und das Geschenk sollte auch so viel kosten, wie Weihnachtsgeschenke dieser Großeltern für ihre Enkelkinder üblicherweise kosten. Wie viel das ist, das hängt ganz von der Familie und den Umständen ab.

          Es ist ein unangenehmes Gefühl für Großeltern, wenn sie einen Geschenkwunsch nicht erfüllen können oder wollen, weil er zu teuer wäre. Und es ist genau so ein unangenehmes Gefühl für Kinder, wenn ihr Wunsch aus diesem Grund zurückgewiesen wird: Sie fühlen sich, als würden sie für gierig oder maßlos gehalten. Selbst wenn besonders umsichtige Kinder fragen, was es denn kosten darf, um dieses Missverständnis zu vermeiden, kann ihnen, wenn es doof läuft, vorgeworfen werden, sie wollten möglichst viel für sich herausholen. Dabei wollen sie sich und anderen eigentlich nur eine Enttäuschung ersparen.

          Manchmal wirkt es so, als würde zu Weihnachten aus Angst vor Enttäuschungen ein ziemlicher Eiertanz aufgeführt. Aber kann man den vermeiden? Vielleicht sind es die Eltern, die das am besten können: Indem sie ihre Kinder um einen Wunschzettel bitten, auf dem sich am besten Wünsche verschiedener Art und Größe finden. Indem sie ihren Kindern rechtzeitig und liebevoll sagen, dass höchstwahrscheinlich nicht alle Wünsche auf diesem Zettel erfüllt werden. Und dass es leider auch nicht weiterhilft, einfach nur einen Wunsch draufzuschreiben, den dafür aber riesengroß.

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          Wenn ein Pony aus Sicht der Erwachsenen als Geschenk nicht in Frage kommt, dann ändert sich an den Argumenten blöderweise wenig dadurch, dass das Kind auf diese Weise deutlich macht, wie viel ihm an einem Pony liegt. Aber wenn Eltern mit Ruhe und Geduld zeigen, dass sie verstanden haben, wie wichtig dieser Wunsch ist, und dass sie sich vielleicht ja sogar selbst wünschen würden, diesen Wunsch erfüllen zu können, dann ist das Kind darüber zwar nicht weniger traurig, aber mit der Traurigkeit zumindest nicht so allein.

          Das gilt natürlich nicht nur für Ponys oder Hunde oder andere Geschenke, an denen ganz schön was hängt, sondern für alle Wünsche, die auf dem Zettel gelandet sind. Vielleicht wissen manche Eltern gar nicht so genau, was für eine tolle Gelegenheit Wünsche sind, um etwas über ihr Kind zu erfahren. Dabei können Eltern am besten abschätzen, welcher Wunsch vielleicht zu welchem Familienmitglied passt und tatsächlich zu einem Geschenk werden könnte. Mit Ruhe, Geduld und Verständnis – das sind auch insgesamt keine so schlechten Zutaten für die Vorbereitungen aufs Weihnachtsfest. In der Adventszeit fehlen sie den gestressten Erwachsenen leider oft viel mehr als ihren Kindern. Dabei wären sie an sich schon ein tolles Geschenk, ein Vorweihnachtsgeschenk.

          Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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