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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was manche Leute gegen die Fußball-WM 2022 haben

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Kritisiert nicht nur die Arbeitsbedingungen beim Stadionbau in Qatar: Toni Kroos Bild: Picture-Alliance

Eigentlich müssten sich alle auf die Fußball-WM im nächsten Jahr freuen: die Fans und die Fußballspieler. Stattdessen sprechen manche Länder darüber, ihre Mannschaft gar nicht erst hinzuschicken. Aus Protest.

          4 Min.

          Kein Tag hat den Fußball der jüngsten Vergangenheit, der Gegenwart und der näheren Zukunft so beeinflusst wie der 2. Dezember 2010. Damals haben 22 Männer in Zürich entschieden, wo zwei Weltmeisterschaften stattfinden sollen: Die von 2018 in Russland, dem größten Land der Erde, die von 2022 in Qatar, einem arabischen Emirat, deutlich kleiner und deutlich reicher als zum Beispiel das Bundesland Thüringen.

          Christoph Becker
          (chwb.), Sport

          Schon Wochen vorher war die Frage aufgetaucht, ob diese Entscheidung vielleicht mit Geld beeinflusst werden sollte. Dabei soll ja nicht das Land eine WM ausrichten, das denen, die das entscheiden, heimlich am meisten Geld zusteckt, sondern das Land mit dem besten Plan und den besten Voraussetzungen unter den Bewerbern. Journalisten der Londoner „Sunday Times“ hatten wie Detektive nachgeforscht und waren sicher, dass zwei dieser 22 Wahlberechtigten, der Mitglieder der Exekutive des Internationalen Fußball-Verbandes Fifa, bei der Wahl für ein bestimmtes Land als Gastgeber der Weltmeisterschaft stimmen würden, weil sie dafür bezahlt werden. Es sind später noch mehr Einzelheiten darüber bekannt geworden, was da alles läuft. Nicht nur bei der Entscheidung im Dezember 2010, sondern zum Beispiel auch bei der, die vorher schließlich Deutschland zum Gastgeber der WM 2006 bestimmt hatte. Der Internationale Fußball-Verband wurde zum Inbegriff dafür, dass man Entscheidungen einfach kaufen kann – zum Inbegriff für Bestechung oder Korruption, so die Fachwörter dafür. Die Empörung war so groß, dass ein paar Jahre später, im Jahr 2015, auch Joseph Blatter gestürzt wurde, der Präsident des Verbands.

          Bild: F.A.Z.

          Die erfolgreichen Bewerber aus Qatar sagen bis heute, sie haben die Weltmeisterschaft nicht durch Bestechung erlangt. Die jüngste Anklageschrift amerikanischer Staatsanwälte in der ganzen Korruptionsgeschichte mit der Fifa behauptete im April 2020, drei südamerikanische Mitglieder hätten dafür Geld bekommen, ihre Stimmen Qatar zu geben. Zwei von ihnen sind inzwischen tot, der dritte, der frühere Chef des brasilianischen Fußball-Verbands, verlässt seine Heimat in Südamerika einfach nicht. Da können die Strafverfolger in Nordamerika nichts machen.

          Qatar hat den großen Plan, Macht und Einfluss im Sport, insbesondere im Fußball zu gewinnen. Die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 ist der wichtigste Baustein dabei. Vor zehn Jahren übernahm der Staatsfonds des Emirats außerdem einen der besten französischen Fußballklubs, Paris Saint-Germain. Dadurch wurde der Herrscher von Qatar Eigentümer des Klubs, der von einem Vertrauten geführt wird. Dieser Manager wurde vom Emir zum Minister ohne Amt ernannt, er führt einen Sportsender in Qatar und sitzt in der Exekutive des Europäischen Fußballverbandes Uefa. Darüber hinaus unterstützt Qatar über Sponsoring-Verträge seiner Fluglinie „Qatar Airways“ die Fifa und eine Reihe von Spitzenklubs in aller Welt, darunter den FC Bayern München. Fanklubs der Münchner kritisieren das seit Jahren. Theo Zwanziger, der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes,  sah sich 2016 einer Klage Qatars ausgesetzt, weil er das Emirat als „Krebsgeschwür des Fußballs“ bezeichnet hatte. Zwanziger gewann den Prozess.

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