https://www.faz.net/podcasts/wie-erklaere-ich-s-meinem-kind/kindern-erklaert-proteste-gegen-die-fussball-wm-2022-17295241.html

Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was manche Leute gegen die Fußball-WM 2022 haben

F.A.Z. Newsletter Familie

Sonntags um 10.00 Uhr

ANMELDEN

Nicht nur Qatar, sondern weniger aufsehenerregend auch seine Nachbarstaaten Abu Dhabi und Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten haben im Laufe des zurückliegenden Jahrzehnts massiv in den europäischen und internationalen Klubfußball investiert. Dort ist die Menschenrechtslage vergleichbar schlecht und der Neid auf Qatar groß. Das sieht man daran, dass es dreieinhalb Jahre lang eine Blockade Qatars unter anderem durch die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien gab. Dort stehen die Nöte der Millionen armen Menschen, die zum Arbeiten in diese Länder gekommen sind, nicht in dem Maße unter Beobachtung wie in Qatar. Im Februar hat die britische Zeitung „The Guardian“ veröffentlicht, wie viele solcher Arbeiter aus den Staaten des indischen Subkontinents seit der Vergabe der WM in Qatar gestorben sind. Aus den Nachbarstaaten kommen solche Nachrichten kaum in die Schlagzeilen europäischer Medien, und noch seltener sorgen sie für entsprechenden Aufruhr.

Die künftigen WM-Gastgeber – und auch die Fifa – verweisen seit Jahren auf Bemühungen, die Menschenrechte zu wahren, etwa durch die Abschaffung des „Kafala“-Systems, das Arbeitnehmer bislang an ihre Arbeitgeber gekettet und sehr stark von ihnen abhängig gemacht hat. Inzwischen wurde auch erlaubt, dass Fans in WM-Stadien Regenbogenfahnen schwenken dürfen – ein Erkennungszeichen von Homosexuellen, also von und für Menschen, die Menschen des gleichen Geschlechts lieben. Homosexualität steht in Qatar trotzdem weiter unter Strafe. Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften betonen, dass solche Verbesserungen nur unzureichend umgesetzt werden. Und dass die allgemeine Aufmerksamkeit für Qatar wegen der WM das Land überhaupt erst dazu bringt, solche Zugeständnisse zu machen.

Bauarbeiter im Lusail-Stadion, einem der Stadien der WM 2022 in Qatar
Bauarbeiter im Lusail-Stadion, einem der Stadien der WM 2022 in Qatar : Bild: dpa

Als im März in Europa die ersten Fußballspiele stattfanden, bei denen entschieden wird, welche Nationalmannschaften überhaupt zum WM-Turnier fahren dürfen, haben erstmals Spieler wie der Deutsche Toni Kroos so deutlich wie nie zuvor über die Umstände der WM 2022 gesprochen. Auch wenn der Arbeitgeber von Toni Kroos, der spanische Fußballverein Real Madrid, durch Dubais Fluggesellschaft Emirates gesponsert wird.  Zugleich setzen sich Fanvertreter etlicher europäischer Klubs dafür ein, einfach aus Protest nicht am Turnier teilzunehmen.

In Norwegen wird das Thema im Juni auf einer Sondersitzung des Fußball-Verbandes verhandelt. In dieser Woche erklärten die im Verein organisierten Fans des Klubs Bröndby IF aus der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, sie seien gegen den „Verrat des Fußballs“. So nennen sie das Turnier in Qatar. In Qatar selbst werden solche Vorwürfe häufig als Ausdruck dafür gewertet, dass Europa andere Sichtweisen als die eigenen nicht gelten lassen will und außerdem etwas gegen den Islam hat, gegen die Staatsreligion in Qatar. Die ursprüngliche Absicht, das Turnier bei sommerlicher Gluthitze auszutragen, gab das Land schon im Jahr 2015 auf. Seither steht fest, dass die WM 2022 am 21. November beginnen soll.

Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen

Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

Zur Verlagsseite

Topmeldungen

Bananen, Weintrauben, Tomaten, Lauch, Äpfel, Möhren – alles wird teurer

Hohe Inflation : Wenn Bio unbezahlbar wird

Steigende Preise, sinkende Reallöhne: Viele Verbraucher müssen sparen. Das bringt die agrarpolitischen Ziele der Ampelkoalition in Gefahr. Da viele ihr Kaufverhalten anpassen, wird wohl weniger Bio gekauft.
Eine Anwohnerin betritt ihr durch Beschuss zerstörtes Haus in Borodyanka, Ukraine.

Weltwirtschaftsforum : So viel Unsicherheit war selten

Olaf Scholz hat in Davos die Vision einer multipolaren Weltordnung skizziert. Darin gehen wirtschaftlicher und technischer Fortschritt Hand in Hand mit Gleichberechtigung und Respekt. Doch die Realität sieht häufig anders aus.