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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Ob man mit Büchern reich werden kann

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Nachdem das Manuskript fertiggeschrieben, lektoriert und gesetzt ist, nachdem ein Cover gefunden, eine Werbekampagne erdacht und reichlich Kleinkram besprochen wurde, druckt der Verlag 2000 bis 5000 Exemplare des Buchs. Dann geht es in den Handel. Vom Ladenpreis müssen wir nun 7 Prozent Mehrwertsteuer und rund 40 Prozent für den Buchhändler abziehen. Der Verlag bekommt etwa 60 Prozent, bezahlt davon allerdings Reklame, Mitarbeiter, Druckkosten und den Verfasser. Am Ende verdienen beide – Verlag und Autor – etwa gleich viel an einem Titel. Wenn das Buch im Geschäft 9,90 Euro kostet, verdient sein Urheber pro verkauftem Exemplar um die zehn Prozent davon, also weniger als einen Euro. Ist das sein einziger Verdienst, läuft er in der Tat Gefahr, als armer Poet in einer Dachkammer zu enden. Deswegen lesen Schriftsteller ihre Schmöker oft vor: aufgenommen für ein Hörbuch und vor Publikum. Die Pressesprecherin eines wichtigen deutschen Literaturhauses sagt, 500 bis 600 Euro seien kein ungewöhnliches Honorar für den Auftritt bei einer Lesereise. Die Pressesprecherin eines anderen wichtigen Literaturhauses sagt, die Spanne zwischen der niedrigsten und der höchsten Gage sei enorm. Mehr könne, dürfe und wolle sie nicht verraten. Wir erinnern uns: alles streng geheim.

Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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Dann gibt es da noch die zahlreichen Literaturpreise in Deutschland. Von den meisten hat noch nie jemand gehört: Stefan-Andres-Preis, GEDOK Literaturförderpreis, Ehm-Welk-Literaturpreis. Manche haben lustige Namen (Buxtehuder Bulle), andere haben lange Namen (Johann-Friedrich-von-Cotta-Literatur- und Übersetzerpreis der Landeshauptstadt Stuttgart), und einer macht von sich reden, weil sein Gewinner nicht nur Geld, sondern auch Wein bekommt (Rheingau Literatur Preis). Die angeseheneren Preise sind mit ein paar tausend Euro dotiert, welche vor allem als Monatsverdienst nicht übel wären, denn auch die klügsten Schöngeister müssen sich um die ganz und gar alltäglichen Dinge Gedanken machen: Miete, Versicherungen, Steuern. Die einzige Auszeichnung, die finanziell auf längere Sicht helfen könnte, ist der Literaturnobelpreis. Umgerechnet ist er mehr als 830.000 Euro wert. Wie viele deutsche Autoren haben ihn in den vergangenen zwanzig Jahren gewonnen? Zwei.

Als Faustregel kann man sich merken, dass Leute, die sowieso schon berühmt sind, mit dem Schreiben aber eigentlich nichts am Hut haben, mehr Geld für ein Buch bekommen als gestandene Dichter, die unter dem Radar der breiten Masse ihrem Geschäft nachgehen. Der ehemalige amerikanische Präsident Barack Obama – dem man übrigens nachsagt, er habe einen guten Literaturgeschmack – soll von der Verlagsgruppe Penguin Random House mehr als 50 Millionen Euro für seine Memoiren erhalten haben – bevor er auch nur ein einziges Wort aufgeschrieben hatte. Ein Vorschuss dieser Größenordnung ist für jemanden, der nicht prominent ist, undenkbar. Insofern kann man mit Büchern doch richtig reich werden, solange man vorher schon ein bisschen reich gewesen ist.

In der November-Folge des F.A.Z.-Bücher-Podcasts:

Karen Krüger über ein frühes Buch von Elif Shafak, Dietmar Dath über ein neues von Philip Ording und Kai Spanke über Campinos „Hope Street“

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