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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Ob der Frühling auch zu früh kommen kann

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Schnell wieder ins Warme! Igel bei der Nahrungssuche im Schnee Bild: Picture-Alliance

Bald sollen die Temperaturen wieder auf über zehn Grad steigen. Kann der Frühling eigentlich auch zu früh kommen? Die Natur hat mit dem milden Wetter zu dieser Zeit ganz schön zu schaffen.

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          Im Gegensatz zu uns Menschen erkennen Pflanzen und Tiere nicht nur anhand der Temperatur, ob es Frühling wird. Pflanzen zum Beispiel haben ähnlich wie wir eine innere Uhr. Zusammen mit den Lichtsensoren in ihrem Gewebe können sie Tag und Nacht wahrnehmen und so herausfinden, wann das optimale Verhältnis von Hell und Dunkel erreicht ist, um mit dem Blühen anzufangen. Trotzdem haben die Temperaturen im Frühjahr starke Auswirkungen auf die Natur. Welche das genau sind, darüber wissen Forscher allerdings noch sehr wenig.

          Generell ist es für die Lebewesen kein Problem, wenn es mal etwas wärmer ist als in anderen Jahren.  Fest steht aber, dass die Oberflächentemperatur der Erde in den vergangenen hundert Jahren um 0,6 Grad gestiegen ist. Das klingt nach wenig, aber für Pflanzen und Tiere kann es schon zum Problem werden. Denn jedes Tier und jede Pflanze hat eine eigene ökologische Nische. Das bedeutet, dass sich alle Lebewesen auf bestimmte Umweltbedingungen spezialisiert haben, zum Beispiel wachsen einige Pflanzen nur auf sauren Böden, und bei Vögeln hat sich die Schnabelform für eine spezielle Nahrungsaufnahme entwickelt. 

          Jede Art konnte sich über Jahrtausende an den Frühlingsbeginn und damit an die entsprechenden Veränderungen in ihrem Lebensraum anpassen. Wenn es allerdings innerhalb weniger Jahrzehnte immer früher wärmer wird, kommen die Lebewesen nicht mehr hinterher. Das Problem ist nicht der Temperaturanstieg selbst, sondern die Geschwindigkeit, mit der sich die Temperaturen zu bestimmten Zeiten im Jahr verändern.

          Pollen im Januar 

          Ist es im Januar und Februar schon ungewöhnlich warm, geraten die eingespielten Beziehungen zwischen den verschiedenen Tier- und Pflanzenarten aus dem Gleichgewicht. Aus Langzeitbeobachtungen, bei denen über viele Jahre die Blüte und die Aktivität von Tieren im Frühling verglichen wurden, wissen wir, dass die Pflanzen heute im Durchschnitt sechs Tage früher austreiben als in den sechziger Jahren. 

          Hatschi: Haselpollen reizen Nasen und Augen vieler Allergiker.

          Das Problem ist, dass jede Art ein bisschen anders auf die Temperaturveränderung reagiert. Manche Pflanzenarten haben sich daran angepasst, indem sie einfach zeitiger anfangen zu blühen. Das merken besonders Allergiker, wenn im Januar schon die ersten Haselnusspollen durch die Luft fliegen. Gerade die Hasel gilt als so genannte Zeigerpflanze: Wenn sie blüht, beginnt nach dem Entwicklungsstand der Pflanzen der Vorfrühling. Aber was, wenn es erst Anfang Februar ist? 

          Nahrungsketten in Gefahr 

          Für ein einzelnes Lebewesen mag es noch kein Problem darstellen, wenn es zeitiger warm wird. Doch in der Natur ist alles eng miteinander verbunden: Es gibt Symbiosen, also Lebensgemeinschaften verschiedener Arten, und Nahrungsketten. Und genau hier liegt das große Problem: Wenn es früher warm wird und viele Pflanzen zeitiger anfangen, Blätter und Blüten zu bilden, gibt es auch eher Nahrung für Insekten. Das bedeutet, dass die Insekten eher schlüpfen müssen, damit sie genug Nahrung haben. Entwickeln sie sich zu spät, finden sie nicht mehr genug Futter und verhungern.

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