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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wieso in dieser Nacht ein „Blutmond“ zu sehen ist

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Kein Wunder, dass sich unsere Vorfahren fürchteten: Blutmond über der Münchner Marienstatue am 28. September 2015. Bildbeschreibung einblenden Podcast starten 05:06

Kein Wunder, dass sich unsere Vorfahren fürchteten: Blutmond über der Münchner Marienstatue am 28. September 2015. Bild: dpa

So eine Mondfinsternis, denkt man, ist doch leicht erklärt. Aber warum wird die in dieser Nacht die längste des Jahrhunderts? Was genau ist der Unterschied zum Neumond? Und was hat es mit dem „Blutmond“ auf sich?

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          An diesem Freitag ist es wieder soweit: Der Mond verdunkelt sich und leuchtet schließlich schwach orangerot. Bis zu dreimal im Jahr können wir eine solche Mondfinsternis beobachten. Weltweit ranken sich unzählige Mythen und Sagen darum. Viele Völker glaubten, dass sich Sonne und Mond dann streiten oder dass der Mond traurig und krank ist. Die Wikinger dachten, ein riesiger Wolf versuche, den Mond zu verschlingen. Nach deutschem Aberglauben kann man in die Zukunft sehen, wenn man während einer Mondfinsternis einen Eimer mit Wasser in den Hof stellt und darin das Spiegelbild des Mondes anschaut.

          Heutzutage ist dieses astronomische Ereignis wissenschaftlich erklärbar. Und das geht so: Zunächst einmal müssen wir uns vorstellen, wie die Himmelskörper im Weltall zueinander stehen. Die Erde dreht sich um die Sonne, und der Mond kreist um die Erde. Der Mond leuchtet nicht von allein. Aber das Sonnenlicht ist so hell, dass es von der Oberfläche des Mondes reflektiert wird. Weil der Mond einmal im Monat um die Erde herumläuft, sehen wir meistens nur einen Teil der Seite, die von der Sonne beleuchtet wird. Er erscheint dann für uns als Sichel oder als Halbmond.

          Bild: Johannes Thielen

          Eine Mondfinsternis kann sich nur bei Vollmond ereignen. Dann steht die Erde in einer Reihe zwischen Sonne und Mond. Die Erde wird auf einer Seite von der Sonne beschienen und wirft auf der anderen Seite einen Schatten. Der Mond dreht sich aber nicht genau um die Mitte unseres Planeten, sondern seine Umlaufbahn ist leicht schräg. Deshalb zieht er auf der sonnenabgewandten Seite meistens oberhalb oder unterhalb des Schattens vorbei – und wir sehen seine ganze sonnenbestrahlte Seite als Vollmond. Manchmal aber stehen die drei Himmelskörper so genau auf einer Linie, dass der Mond durch den Schatten der Erde läuft. Das ist dann eine Mondfinsternis. Ein bisschen Sonnenlicht schafft es trotzdem durch die Erdatmosphäre zum Mond, wird aber gebrochen und gestreut, ähnlich wie bei einem Sonnenuntergang. Dadurch sieht der Mond so rot aus, dass man auch von einem „Blutmond“ spricht. Wenn noch ein Teil von ihm direkt von der Sonne angestrahlt wird, leuchtet der so hell, dass es das schwach rötliche Leuchten überstrahlt.

          Weil die Sonne so viel größer ist als die Erde, wirft die Erde nicht nur einen ganz dunklen Schatten, sondern außen herum noch einen Halbschatten. Wenn der Mond ganz im Kernschatten der Erde steht, sprechen die Wissenschaftler von einer totalen Finsternis. Manchmal fällt aber nur ein Teil des Kernschattens auf den Mond – das ist dann eine „partielle“ oder Teil-Finsternis. Die kann tatsächlich so aussehen, als hätte ein großer Wolf ein Stück vom Mond abgebissen. Bei einer Halbschattenfinsternis läuft der Mond nur durch den äußeren Schatten. Er leuchtet dann ein bisschen schwächer als bei Vollmond.

          Steht der Mond zwischen Erde und Sonne, nennt man das Neumond. Er geht dann zwar auf, wenn bei uns Tag ist, aber weil er uns nur seine Schattenseite zuwendet, können wir ihn nicht sehen. Bis auf einen Spezialfall: Wenn der Mond so steht, dass er aus unserer Sicht die Sonne verdeckt. Dann entsteht eine Sonnenfinsternis.

          Die Mondfinsternis an diesem Freitag ist übrigens die längste in diesem Jahrhundert und dauert insgesamt sechs Stunden und 14 Minuten – die Länge hängt von den Winkeln ab, in denen Erde, Sonne und Mond zueinander stehen. Der Mond zieht erst durch den Halbschatten und dann durch den Kernschatten der Erde. Man kann also alle drei Arten der Mondfinsternis in einer Nacht beobachten.

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          Weil es auf unserem Teil der Erde zu Beginn der Finsternis noch hell ist, sind in Deutschland die Halbschattenfinsternis und die partielle Phase vor der totalen Finsternis nicht sichtbar. Aber die Hauptphase – also die, in der der Mond rötlich erscheint – können wir sehen. Sie beginnt um 21.30 Uhr deutscher Zeit, die maximale Verdunklung ist in Frankfurt am Main um genau 22.21 Uhr und 44 Sekunden erreicht. Die totale Phase endet um 23.13 Uhr, die anschließende partielle Phase um 00.19 Uhr. Die Halbschattenfinsternis ist um 1.28 Uhr vorbei.

          Im Gegensatz zu einer Sonnenfinsternis, in die man auf keinen Fall ohne spezielle Schutzbrillen schauen darf, kann man eine Mondfinsternis sogar mit dem Fernglas oder Teleskop gefahrlos betrachten. Und magisch sieht sie immer noch aus, auch wenn wir heute wissen, wie sie entsteht.

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